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Japan : Abe verteidigt Treibjagd auf Delfine

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„Uralter Brauch“? Im japanischen Taiji findet jährlich eine Treibjagd auf Delfine statt Bild: AP

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat die blutige Jagd auf Delfine in seinem Land gegen Kritik verteidigt. Die jährliche Treibjagd sei ein „uralter“ Brauch.

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          In Taiji treiben Fischer alljährlich hunderte Delfine in einer Bucht zusammen. Einige Dutzend Tiere werden für den Verkauf an Aquarien und Freizeitparks ausgewählt, die übrigen werden abgeschlachtet, um ihr Fleisch zu essen. Die Delfin-Jagd in Taiji sei ein Teil der Kultur des westjapanischen Ortes, sagte Abe in einem CNN-Interview, das am Freitagabend auf der japanischen Internetseite des US-Senders veröffentlicht wurde. Die Jagd sei außerdem die „Lebensgrundlage“ der Bewohner.

          Zuvor hatte bereits der Sprecher der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, die Delfinjagd als Teil von Japans traditionellem Fischfang gerechtfertigt. Die Jagd werde „auf Grundlage des Gesetzes in geeigneter Weise“ durchgeführt. Die Regierung erlaubt die Treibjagd und gibt Fangquoten aus. Danach dürfen Fischer in Taiji sowie einigen anderen Orten zwischen September und März bis zu 20 000 Delfine sowie andere kleine Wale töten. Viele Japaner essen allerdings kaum Wal- oder Delfinfleisch. Dies beschränkt sich meist auf die Walfangorte selbst.

          Am vergangenen Dienstag waren in dem japanischen Walfangort zahlreiche Delfine getötet worden. Fischer hätten am frühen Morgen in einer kleinen Bucht angefangen, die Tiere abgeschirmt hinter blauen Plastikplanen abzustechen, berichteten Tierschützer, die das Treiben der Fischer vor Ort verfolgten. Rund 250 Delfine waren demnach zuvor dorthin getrieben worden. Mehr als 50 der Meeressäuger,  seien zum Verkauf an Delfinarien und Vergnügungsparks ausgesondert worden, hieß es. Die übrigen wurden in einer Nachbarbucht getötet. In einem angrenzenden Hafen seien die Tiere zerlegt worden,  um das Fleisch zu verkaufen.

          Kritik von Yoko Ono

          Der im Jahr 2010 mit einem Oscar ausgezeichnete Dokumentarfilm „Die Bucht“ machte das Gemetzel weltweit bekannt. Seitdem protestieren immer wieder Tierschützer gegen die Delfin-Jagd. Zuletzt hatte sich auch die amerikanische Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, in den Konflikt eingeschaltet und im Kurznachrichtendienst Twitter die „Unmenschlichkeit“ der Delfin-Jagd kritisiert. Abe sagte jedoch, es gebe in jedem Land althergebrachte kulturelle Bräuche und Lebensweisen, die seiner Ansicht nach „geachtet“ werden sollten.

          Auch die japanisch-amerikanische Multimedia-Künstlerin Yoko Ono hatte die Treibjagd in einem offenen Brief an die Fischer von Taiji kritisiert und zu einem Ende der Schlachtungen aufgerufen. „Ich verstehe, wie Sie die Einseitigkeit des Westens, wütend auf Ihre traditionellen Fänge und Schlachtungen von Delfinen zu sein, empfinden müssen“, schrieb sie. Die Gemetzel schadeten aber Japans internationalem Ansehen. „Die Zukunft Japans hängt von vielen Situationen ab, aber was Sie jetzt mit Delfinen machen, kann ein sehr schlechtes Verhältnis mit der ganzen Welt schaffen.“

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