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Unsere Kinomomente 2009 : Augenblick, verweile

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Der Schluss von Slumdog Millionaire, das Knurren von Clint Eastwood, das Glühwürmchen bei Disney. Daran werden wir uns aus diesem Kinojahr erinnern. Die Filmredaktion von F.A.Z. und Sonntagszeitung über ihre Kinomomente 2009.

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          Der Schluss von Slumdog Millionaire, das Knurren von Clint Eastwood, das Glühwürmchen bei Disney. Die Filmredaktion von F.A.Z. und Sonntagszeitung über ihre Kinomomente 2009.

          Daran werden wir uns aus diesem Kinojahr erinnern:

          - Wie in „35 Rum“ alle zu „Nightshift“ von den Commodores tanzen.

          - Der Moment, in dem wir in „Avatar” vergessen haben, dass es so etwas wie eine Leinwand gibt.
          - Der Moment, in dem wir in „Avatar” vergessen haben, dass es so etwas wie eine Leinwand gibt. : Bild: AP

          - Wie die Eltern in „Away We Go“ verkünden, sie ziehen nach Belgien, obwohl gerade ein Enkelkind im Anmarsch ist.

          - Wie Angelina Jolie in „Changeling“ zwei Dollar wettet, dass nicht „Cleopatra“, sondern „It Happened One Night“ bei den Oscars gewinnen werde.

          - Wie Julia Roberts in „Duplicity“ so tut, als habe sie Clive Owen noch nie gesehen, obwohl sie bereits eine Nacht miteinander verbracht haben.

          - Wie in „Erzähl mir was vom Regen“ Agnès Jaoui bei ihrem alten arabischen Kindermädchen Trost sucht.

          - Wie am Ende von „Il divo“ Trios „Da da da“ gespielt wird.

          - Wie in „Hunger“ der Kot an der Wand zum Kunstwerk wird.

          - Wie in „Operation Walküre“ einen Moment lang alle glauben, Hitler sei tot.

          - Wie er in „Inglourious Basterds“ tatsächlich dran glauben muss.

          - Wie sich in „Verblendung“ Naomi Rapace mit einer Tätowierung an ihrem Vergewaltiger rächt.

          - Wie in „Keinohrhasen“ Jürgen Vogel seinen Auftritt mit falschen Zähnen hat.

          - Wie in „Rachels Hochzeit“ Vater und Schwiegersohn einen Wettbewerb veranstalten, wer die Spülmaschine schneller einräumt.

          - Wie in „Oben“ ein ganzes Eheleben vor unseren Augen abläuft.

          - Wie in „Public Enemy No. 1“ das Ende von Jacques Mesrine zum Split Screen zerfällt.

          - Wenn in „So finster die Nacht“ das blasse Mädchen seinen Blutdurst zurückhält.

          - Das ungeschnittene Gespräch zwischen Häftling und Priester in Steve McQueens „Hunger“ .

          - Der Feuerschopf von Sabine Azéma in „Les herbes folles“ , den der siebenundachtzigjährige Alain Resnais - als eine einzige Liebeserklärung an seine Ehefrau angelegt hat.

          - Das Gespräch zwischen dem Arzt und der Hebamme, seiner abgelegten Geliebten, in Hanekes „Das weiße Band“ . Er sagt ihr schlimmere Dinge, als ein Mensch ertragen kann; sie hört mit gesenktem Kopf zu, verschluckt ihre Tränen, gibt erst flehende, dann fassungslose, schließlich nur noch bitter-sarkastische Widerworte - und in all der Zeit spürt man, dass sie diesen Sadisten immer noch liebt.

          - Die Familie beim Bad im Fluss in Carlos Reygadas „Stellet Licht“ : Mutter, Vater, Kinder nackt im Wasser, ein grünes, im Halbschatten schimmerndes Paradies; plötzlich sind der Mann und die Frau allein, er berührt sie sanft, sie lässt es geschehen, aber in ihren Augen steht Trauer, weil er sie trotzdem verlassen wird.

          - Hilmi Sözers Tanz am Strand in Christian Petzolds „Jerichow“ .

          - Der Treppensturz von Penélope Cruz in Almodóvars „Zerrissene Umarmungen“ .

          - Die Botschaften der Streichholzschachteln, die Isaach De Bankolé in Jim Jarmuschs „The Limits of Control“ zugesteckt bekommt.

          - Wie die angetrunkene Katrin Saß und Udo Kier in „Lulu & Jimi“ miteinander tanzen.

          - Wie Mickey Rourke in „The Wrestler“ auf einem viel zu kleinen Stuhl vor einem viel zu kleinen Tisch sitzt, wie ein böser Riese, der in einem Kinderzimmer notgelandet ist.

          - Wie Michael Moore in „Kapitalismus - eine Liebesgeschichte“ die New Yorker Börse mit dem gelben Crime-Scene-Band absperrt.

          - Wie der Flugzeugträger in „2012“ das Weiße Haus unter sich begräbt.

          - Die Luftschlacht zwischen Flugdrachen und Hubschraubern in „Avatar“ .

          - Wie die Postarbeiter in „Looking for Eric“ alle eine Cantona-Maske aufsetzen - und Eric Cantona selbst auch.

          - Wie der Fuchs in „Antichrist“ spricht: „Chaos regiert“.

          - Wie Hannah Herzsprung in „Pink“ mit dem Taschenrechner kalkuliert, welchen Mann sie heiraten soll.

          - Das Atemgeräusch unterm Helm, das Knacken des Schutzanzugs, die vorsichtigen Schritte, wenn Guy Pearce in Kathryn Bigelows „Tödliches Kommando“ eine Bombe entschärfen will.

          - Johanna Wokalek und Moritz Bleibtreu im „Baader-Meinhof-Komplex“ fast nackt auf einem Dach in der Wüste beim Sonnenbaden in einem Ausbildungscamp der Palästinenser.

          - Wie Johnny Depp als Dillinger in Michael Manns „Public Enemies“ unerkannt durch das Polizeirevier geht, als wäre er schon im Jenseits.

          - Wie die Indios mit Lendenschurz am Anfang von „Birdwatchers“ regungslos am Ufer stehen, um sich Minuten später Jeans und T-Shirts anzuziehen und über ihren Lohn zu feilschen.

          - Die Familie in „ Home“ , die auf einer unbenutzten Autobahn Hockey spielt.

          - Wie in Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle wohnen“ Max von einem Monster verschluckt wird, um ihn vor einem anderen Monster zu beschützen.

          - Benicio del Toros Blick in Soderberghs „Che II“ auf die Schuhe seines Mörders.

          - Wie die Rebellen in „Terminator 4“ nach dem Ende der Welt noch eine Tankstelle finden.

          - Wie der iranische Barbesitzer in Romuald Karmakars „Ramses“ (Teil von „Deutschland '09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“) sagt: „Ich danke dem deutschen Volk“.

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