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Börse : Das tiefrote Aktienjahr 2008

Bild: F.A.Z.

Am Ende eines turbulenten Börsenjahres steht der Dax mehr als 40 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Schuld daran ist ein Kursverfall, wie ihn deutsche Aktionäre bisher erst einmal erlebt haben. Schlimmer war es nur 2002.

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          Das Aktienjahr 2008 hat in den Depots fast aller Aktionäre tiefrote Spuren hinterlassen. Gemessen am Dax, büßten deutsche Aktien gut 40 Prozent an Wert ein. Mit 8067 Punkten startete der deutsche Leitindex ins Jahr, fiel Mitte Oktober bis auf 4014 Punkte, um sich zum Jahresausklang auf 4810 Punkte zu berappeln. 380 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung gingen verloren. Mit dem tiefen Sturz der Kurse ging eine knapp fünf Jahre währende Hausse am deutschen Aktienmarkt zu Ende, die den Dax von 2188 Punkten im März 2003 bis auf 8152 Punkte im Juli 2007 steigen ließ. Nun befindet sich das Kursbarometer wieder in Gegenden, in denen es sich bereits vor zehn Jahren bewegte.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Schuld daran ist ein Kursverfall, wie ihn deutsche Aktionäre bisher nur einmal erlebt haben. 2002 ging es im Dax um 44 Prozent bergab. Ähnlich schwach war nur das Jahr 1987 mit einem Abschlag von 36 Prozent, der sieben Jahre mit Kursanstiegen in Folge beendete. Ansonsten gibt es in den Aufzeichnungen über die Entwicklung am deutschen Aktienmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg keinen vergleichbaren Kursabsturz. In den Vereinigten Staaten reichen die Daten länger zurück. Der Dow Jones wird seit Ende des 19. Jahrhunderts publiziert, seit 1928 in seiner heutigen Form. Das historische Ausmaß des aktuellen Kursverfalls wird deutlich: Nur 1931 fiel der Dow Jones stärker als 2008, 1907 ähnlich stark.

          VW wurde kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt

          In einem solchen Börsenjahr gibt es nur wenige Lichtblicke. Der einzige Dax-Wert im Plus ist Volkswagen. Die Übernahme durch Porsche führte zu einer Verknappung der Aktien, die ungewöhnliche Kurssprünge zur Folge hatte. Ende Oktober galoppierte der Kurs der VW-Stammaktien binnen zweier Handelstage von rund 200 auf 1005 Euro. VW wurde kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt, das Gewicht im Dax schnellte auf fast 30 Prozent in die Höhe und verzerrte den Index völlig. Der Handel in den wenigen frei verfügbaren VW-Aktien ließ den Leitindex um mehrere Prozentpunkte steigen, obwohl alle anderen 29 Titel im Minus lagen. Kurz darauf war das Bild umgekehrt. Auf Jahressicht verbleibt ein Kursplus der VW-Aktie von gut 60 Prozent.

          Nur knapp am Jahresplus vorbeigeschrammt sind die Aktien der erst im Jahr 2008 in den Dax aufgerückten K+S. Bis zum Sommer kletterte der Kurs zunächst von gut 40 auf knapp 100 Euro. Die Papiere des Düngemittelherstellers verloren jedoch mit den fallenden Rohstoffpreisen deutlich an Wert und rutschten bis auf 27 Euro ab. Mittlerweile hat sich der Aktienkurs jedoch wieder um knapp 50 Prozent erholt und notiert nahe dem Niveau vom Jahresanfang.

          Als erste Dax-Aktie zu einem Penny Stock verfallen

          Davon am weitesten entfernt ist der Aktienkurs von Infineon. Bereits im Vorjahr mit einem Kursminus von 24 Prozent der schlechteste Dax-Wert, verloren die Papiere im Jahresverlauf nochmals fast 90 Prozent an Boden. Der Aktie wird damit auch die zweifelhafte Premiere zuteil, als erste Dax-Aktie zu einem Penny Stock verfallen zu sein. Nur noch wenige Penny, genaugenommen 96 Cent, kostet eine Aktie zum Jahresultimo. Sollte eine deutliche Kurserholung ausbleiben, wird Infineon im März aus dem Dax absteigen müssen.

          Dies ist im Jahr 2008 gleich drei Dax-Titeln widerfahren und damit so vielen wie nie zuvor in 20 Jahren Dax-Geschichte. TUI erwischte es im September, Continental und Hypo Real Estate im Dezember. Die Aktien des Münchner Immobilienfinanzierers konnten damit kurz vor Toresschluss die rote Dax-Laterne an Infineon loswerden, mussten sie dafür aber nun im M-Dax übernehmen.

          Glaubt man den Auguren, so dürfte 2009 ein gutes Aktienjahr werden

          Auch in dem Nebenwerte-Index konnte 2008 kaum mit einer Aktie Geld verdient werden. Lediglich die Aktien des Kupferherstellers Norddeutsche Affinerie und des Immobilienunternehmens Deutsche Euroshop schafften es im M-Dax knapp ins Plus. Allein 27 der 50 Mitglieder verloren mehr als die Hälfte ihres Wertes, im Dax erging dies 10 von 30 Unternehmen so. Noch schwächer beendete der Tec-Dax das Jahr 2008. 48 Prozent beträgt das Minus des Technologieaktienindex am Jahresende. Schuld daran sind vor allem die Aktien von Solarunternehmen. So verlor der weltgrößte Hersteller von Solarzellen Q-Cells - zugleich Schwergewicht im Tec-Dax - 74 Prozent an Wert.

          Glaubt man den Auguren in den Banken, so dürfte 2009 ein gutes Aktienjahr werden. Zum Jahresende 2009 rechnen 14 von 16 von dieser Zeitung befragte Banken mit höheren Kursen im Dax als derzeit (F.A.Z. vom 24. Dezember). Sie hatten allerdings auch für 2008 überwiegend mit steigenden Kursen gerechnet.

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