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FAZ.NET-Spezial : Börsenausblick 2007

  • -Aktualisiert am

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Das Jahr 2006 war bislang wieder ein gutes Aktienjahr - das vierte Jahr mit einem Dax-Plus in Folge. Doch kann die Hausse noch länger Bestand haben? Sie kann. Aber die Luft für weitere Kurssteigerungen ist deutlich dünner geworden.

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          Das Jahr 2006 war bislang wieder ein gutes Aktienjahr - das vierte mit einem Dax-Plus in Folge. Im Mai, als die Stimmung an den Finanzmärkten für eine kurze Zeit von Euphorie in Panik umschlug, dachten viele schon ein Ende der Hausse. Doch dazu ist es nicht gekommen, der Dax hat den Höchststand vom Frühjahr längst überboten.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch kann die Hausse noch länger Bestand haben? Klar, denn trotz der ansehnlichen Kurssteigerungen scheint die Bewertung vieler Aktien noch angemessen zu sein, schließlich sind die Gewinne im gleichen Maße gestiegen wie die Kurse. Die entscheidende Frage ist aber, ob die Gewinne in Zukunft weiterhin so steigen können wie in der Vergangenheit. Das können sie nicht - und darum ist die Luft für weitere Kurssteigerungen deutlich dünner geworden.

          Die Gewinne werden langsamer steigen

          Verschiedene Untersuchungen zeigen, daß sich die Unternehmensgewinne zyklisch entwickeln. Ob im laufenden Zyklus der Höhepunkt schon erreicht ist, weiß niemand. Klar ist aber, daß die Margen nicht mehr so einfach zu steigern sein werden wie in der Vergangenheit. Übereinstimmend rechnen die meisten Analysten denn auch damit, daß die Gewinne im kommenden Jahr langsamer steigen werden.

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          Diese Beobachtung gilt freilich nur für den breiten Markt, nicht aber für einzelne Segmente oder Unternehmen. In diesem Sinne wird es wichtiger denn je, zur richtigen Zeit auf die „gewinnreichen“ Aktien, Branchen und Märkte zu setzen (Anleger müssen aktiver werden als bisher).

          Analysten trauen dem Dax 7.000 Punkte zu

          Die Vermögensverwalter bleiben für das kommende Jahr optimistisch gestimmt. Die meisten empfehlen nochmals eine höhere Aktienquote. Viele raten nach wie vor zu Rohstoffen, sind aber skeptisch gegenüber Amerika (Was Vermögensverwalter für 2007 empfehlen). Auch die Bankstrategen werden mutiger: Sie sehen den Dax im kommenden Jahr abermals nach oben klettern, im Schnitt prognostizieren sie eine Indexstand von etwa 7.000 Punkten bis Ende 2007 (Dax-Prognosen: Die Analysten werden mutiger).

          Alles andere als einig sind sich dagegen die Volkswirte. „Es bleibt dabei: prima Klima“, gibt sich Ulrich Kater von der Deka-Bank für 2007 optimistisch. Andere Ökonomen sind skeptischer. Als Risiko wird immer wieder eine höhere Inflation genannt. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten sehen die meisten zwar langsamer wachsen, aber nicht in eine Rezession abgleiten (Prognosen der Volkswirte für 2007).

          Schwere Zeiten für Junkbonds

          Die Renditen an den Rentenmärkten sind so niedrig geworden, daß Anleihen derzeit den wenigsten Anlegern Freude bereiten. Eine Ausnahme waren in diesem Jahr sicher die Hochzinsanleihen, obwohl die wenigsten mit solch einer glänzenden Entwicklung gerechnet hatten. Für 2007 sind die meisten Experten wieder pessimistisch - mit gutem Grund (Hochzinsanleihen dürften 2007 deutlich schlechter laufen).

          Wenn die Gewinne der großen Unternehmen bestenfalls leicht steigen, liegt der Schluß nahe, sein Glück mit aussichtsreichen Nebenwerten zu versuchen. Als besonders spekulativ darf der Entry Standard gelten. Der neue Neue Markt bietet ohne Frage auch im kommenden Jahr großen Chancen - aber die Risiken sind nicht kleiner geworden (Der Entry Standard bietet riskante Reize).

          Agrarrohstoffe-Hausse wird wohl wieder vertagt

          Glänzende Gewinne konnten Anleger 2006 mit Industriemetallen einfahren. Nach einem scharfen Einbruch im Frühjahr scheinen sich die Notierungen seit einigen Wochen wieder zu erholen. Die meisten Analysten rechnen für die kommenden Jahre aber nicht mit einem Comeback, sondern vielmehr mit einer Beruhigung der Märkte (Comeback der Industriemetalle?).

          Statt dessen wird einer anderen Rohstoffgattung immer wieder Nachholpotential nachgesagt: den Agrarrohstoffen. Bisher hätte sich ein Engagement in dieser Anlageklasse allerdings nur kurzfristig gelohnt, auf lange Sicht wäre hier nicht viel zu holen gewesen. Einiges spricht dafür, daß das in naher Zukunft so bleiben wird (Die Hausse der Agrarrohstoffe wird wohl wieder vertagt).

          Der sinkende Freibetrag trifft Sparer

          An den Devisenmärkten sind sich die meisten Experten seit langem darüber einig, daß der Dollar überbewertet ist. Das störte die Währung lange Zeit wenig, sie hielt sich relativ robust. In den vergangen Wochen freilich kam der Dollar deutlich unter Druck. Sollte der Zinsvorteil abnehmen, dürften die strukturellen Defizite der Währung durchschlagen (Am Devisenmarkt entscheiden die Zinserwartungen).

          Die Deutschen sind begierige Steuersparer. Diese Leidenschaft müssen sie nun ohne geschlossene Fonds ausleben, denn als Steuersparmodelle haben sie ausgedient. Doch ein Vorteil bleibt: Viele Objekte, in die die Fonds investieren, seien es Schiffe oder Immobilien, sind weitgehend unabhängig vom Auf und Ab der Börsen (Wer braucht geschlossene Fonds?). Auch den Sparern geht es bekanntlich ans Portemonnaie: Von Januar an sind für Ledige nur noch Zinseinnahmen von 750 Euro steuerfrei (Sparerfreibetrag halbiert - halb so schlimm).

          Der Blick nach vorne fällt schwer - und muß sein

          Der Blick nach vorne fällt an den Finanzmärkten immer schwer. Viele Banken geben ihre Dax-Prognose aus gutem Grund nur widerwillig ab: Wenn sie falsch liegen, müssen sie sich hämische Kommentare gefallen lassen. Doch manche lehnen sich noch weiter aus dem Fenster - und schauen wie die Liechtensteiner VP Bank gleich zehn Jahre in die Zukunft (Interview: Finanzmarktausblick bis 2016).

          „Wir machen das ja nicht aus Spaß an der Freude“, verteidigt sich Markus Stadlmann, Chief Investment Officer der Bank, im FAZ.NET-Interview. Er meint, sein Arbeitgeber brauche diese Einschätzung, um daran die Vermögensverwaltung für die Kunden ausrichten zu können. Das ist der Punkt: An den Finanzmärkten mag der Blick in die Vergangenheit helfen, um Zusammenhänge zu erkennen und rechtzeitig vor möglichen Fehlentwicklungen gewarnt zu sein. Doch ohne eine Idee, wohin die Reise gehen könnte, läßt sich Geld kaum ertragreich anlegen.

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