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Italien : Rom lässt Roma-Siedlung räumen

Geräumt: „River Village“ Bild: EPA

Einst galt die Roma-Siedlung „River Village“ am Ufer des Tibers als vorbildlich. Unter der neuen italienischen Regierung wurde sie nun geräumt. Mit welcher Begründung?

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          Trotz Protesten von Bewohnern und Interessenvertretern ist die von Roma bewohnte Siedlung „River Village“ nördlich von Rom am Ufer des Tibers bis Donnerstagabend vollständig geräumt worden. Bürgermeisterin Virginia Raggi von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung und Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega begründeten die seit langem angekündigte Räumung mit den prekären hygienischen Verhältnissen und mit Umweltproblemen in der Siedlung.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Von den rund 420 Bewohnern waren in den vergangenen Wochen etwa 200 aus der Siedlung fortgezogen, nachdem die Stadtverwaltung Ende Juni die Wasserversorgung eingestellt und die baldige Räumung angekündigt hatte.

          Zwischen 120.000 und 180.000 Roma in Italien

          Die Siedlung weit vor den Toren der Stadt war 2005 mit Hilfe der damaligen Stadtverwaltung eingerichtet worden und galt unter den informellen Siedlungen der Roma im Großraum der Hauptstadt als vorbildlich. Die Unterkünfte der Bewohner verfügten über Strom- und Wasseranschluss, und es gab eine Interessenvertretung. Nach deren Angaben besuchten 90 Prozent der in der Siedlung lebenden Kinder und Jugendlichen die Schule.

          Noch am Dienstag hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Italien gebeten, mit der Räumung noch zu warten, weil für drei kranke Bewohner noch keine angemessene Bleibe gefunden werden konnte. Am Donnerstagabend zeigte sich der Gerichtshof aber zufrieden, weil die Kranken in Unterkünften untergebracht worden waren, die ihnen Behörden angeboten hatten.

          Nach Angaben der „Associazione 21 Luglio“, die sich für die Rechte der Roma einsetzt, konnten etwa 100 Bewohner bis Freitag noch keine neue Bleibe finden. In Italien leben zwischen 120.000 und 180.000 Roma, etwa 26.000 von ihnen in informellen Siedlungen.

          55 Prozent der Roma in den Barackensiedlungen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 43 Prozent von ihnen sind italienische Staatsangehörige, die anderen sind Roma aus Balkan-Staaten wie Rumänien oder Bosnien-Hercegovina.

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