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Italien : Brückenschlagen: Italien will Sizilien ans Festland binden

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Für die einen wäre es das achte Weltwunder, die anderen kritisieren den Bau einer Brücke über die Straße von Messina als „Fressen für die Mafia“. Der Termin für den Spatenstich steht schon fest.

          Schon die alten Römer hatten von einer Brücke nach Sizilien geträumt, dann wollte Diktator Mussolini die Sache angehen. Mehrere italienische Nachkriegsregierungen sind an dem Projekt gescheitert. Jetzt soll die längste Hängebrücke der Welt tatsächlich gebaut werden: Fast vier Kilometer lang, rund vier Milliarden Euro teuer - daneben wirkt die Golden-Gate-Brücke geradezu bescheiden. Trotz massiver Kritik ist jetzt offiziell der Bauauftrag ergangen - Skeptiker fürchten vor allem ein „großes Fressen“ für die Mafia.

          „Das achte Weltwunder“, nennen Befürworter die „Ponte sullo Stretto“, die Brücke über der Meeresenge von Kalabrien nach Sizilien. „Sizilien ist keine Insel mehr.“ Dagegen sprechen Skeptiker von einer gigantischen Geldverschwendung: Statt sich auf das Prestige-Projekt Geld zu konzentrieren, solle man lieber die marode Infrastruktur im Mezzogiorno verbessern. Der Verdacht geht um: Ministerpräsident Silvio Berlusconi wolle sich vor allem selbst ein Denkmal setzen.

          Blindheit für die Bedürfnisse des Landes?

          „Im nächsten Jahr wird der erste Spatenstich gemacht“, sagt Verkehrsminister Pietro Lunardi. Auch die Bauzeit soll zum Rekord werden: Lediglich fünf Jahre und zehn Monate soll es dauern, verspricht das Baukonsortium unter Führung des italienischen Unternehmens Impregilo. Im Jahr 2012 soll der Verkehr rollen.

          Die Brücke der Brücken - Sizilien wäre keine Insel mehr

          „Ein Beweis für die Schizophrenie der Regierung und ihre absolute Blindheit für die echten Bedürfnisse des Landes“, ruft die Opposition. Zwar dauert die Überfahrt auf den sechs Autospuren und den beiden Eisenbahngleisen künftig nur noch ein paar Minuten. Aber jenseits der Brücke geht es dann auf maroden Straßen und Schienen weiter. „Die Züge auf Sizilien fahren im Durchschnitt lediglich 24 Stundenkilometer schnell, nur die Hälfte des Netzes ist elektrifiziert“, monieren Kritiker. Was nutzt da die Mega-Brücke?

          Die Mafia ist mit von der Partie

          Noch schwerer wiegen andere Bedenken: „Die Brücke wird zum Riesengeschäft für die organisierte Kriminalität“, sagt Alfonso Pecoraro Scanio, Präsident der Grünen. Die Staatsanwaltschaft spricht in einem Dossier von „Versuchen der Infiltration durch mafiöse Organisationen“. Immer wieder heißt es, die Mafia habe schon in der Vergangenheit bei EU-Hilfen für Süditalien kräftig abkassiert.

          Der Bau soll 40.000 Arbeitsplätze schaffen. Der Staat beharrt darauf, das Ganze koste ihn keinen Pfennig, alles werde privat finanziert. Daher wird auch die Maut später recht teuer sein: 9,50 bis 16 Euro kostet die Hin- und Rückfahrt mit dem Auto.

          Vollenden, was schon die alten Römer wollten

          Der Traum von der Superbrücke ist alt: 251 vor Christus wollte Konsul Gaius Lucius Cecilius Fässer und Flöße aneinander bauen, um die von den Karthagern zurückgelassenen Elefanten nach Rom zu holen. Ein Sturm zerschlug das Vorhaben.

          Noch heute sind die Pläne gigantisch: Die Spannweite beträgt 3300 Meter, die der Akashi-Kaikyo- Brücke in Japan, die bisher weltweit längste Hängebrücke, lediglich 1990 Meter. Die Brückenpfeiler sind 382 Meter hoch - höher als der Eiffelturm. Techniker versprechen, sogar Erdbeben von der Stärke 7,1 auf der Richterskala sollen dem Wunderwerk nichts anhaben können. Nur Berlusconi, der nach Umfragen angeschlagen ist, freut sich möglicherweise zu früh: Wenn im nächsten Jahr der erste Spatenstich erfolgt, ist er vielleicht nicht mehr im Amt.

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