https://www.faz.net/-gum-7voz8

Raketenabsturz in Amerika : Explosion nach sechs Sekunden

  • -Aktualisiert am

Sekunden nach dem Start gehen die glühenden Trümmer der Rakete zu Boden. Bild: AFP

Beim Start zur internationalen Raumstation ISS verwandelt sich die Rakete in einen riesigen Feuerball. Der Raumfrachter Cygnus verglüht. Für das Weltraum-Unternehmen OSC ist der Absturz nicht der erste Rückschlag.

          Eine unbemannte, zweistufige Antares-Rakete ist am Dienstagabend (Ortszeit) nur sechs Sekunden nach dem Start über dem Weltraumbahnhof auf Wallops Island im amerikanischen Bundesstaat Virginia in einem riesigen Feuerball explodiert. An der Spitze der von dem Unternehmen Orbital Science Corporation (OSC) im Auftrag der Nasa gebauten Rakete befand sich eine Cygnus-Kapsel, mit der knapp zweieinhalb Tonnen Versorgungsgüter zur internationalen Raumstation ISS gebracht werden sollten.

          Wie die Nasa mitteilte, seien die sechs Astronauten, die sich zur Zeit an Bord von ISS befinden, darunter auch der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst, durch diese Havarie nicht gefährdet. Sie hätten noch genug Nahrungsmittel und Wasser an Bord, um bis Mitte März nächsten Jahres zu überleben.

          Die Ursache der Explosion war nach Angaben der Nasa zunächst unklar. Offensichtlich seien die Treibstofftanks der Rakete explodiert. „Es ist noch viel zu früh, um genau zu wissen, was passiert ist“, sagte der ehemalige Nasa-Astronaut Frank Culbertson, der jetzt stellvertretender Präsident von Orbital Sciences ist.

          Nach den Worten Culbertsons war bei dem Unglück nach einer ersten Explosion der Befehl zur völligen Zerstörung des Fluggeräts gegeben worden. Mit einer solchen Maßnahme soll etwa verhindert werden, dass Raketenteile auf bewohntes Gebiet einschlagen. Die Rakete und der Transporter, die zusammen umgerechnet mehr als 157 Millionen Euro kosteten, seien verloren, sagte Culbertson. Zudem richtete der Feuerball wohl auch an der Startrampe schwere Schäden an.

          Kooperationen mit der Privatwirtschaft

          Nachdem die Nasa im Juli 2011 ihre Raumtransporter außer Dienst stellte, hatte die Weltraumbehörde Verträge mit zwei amerikanischen Privatunternehmen geschlossen. Ihre unbemannten Raketen sollten die ISS unabhängig von den russischen Progress-Transportern versorgen. Neben dem in der Nähe von Washington ansässigen Unternehmen OSC erhielt die Firma Space-X aus Los Angeles den Zuschlag für derartige Versorgungflüge. Seit Anfang des Jahres haben bereits drei Cygnus-Kapseln an der Spitze von Antares-Raketen die Raumstation erreicht. Erst am vergangenen Samstag war eine vom Unternehmen Space-X hergestellte Dragon-Kapsel von ihrem vierten Versorgungsflug zur ISS zurückgekehrt und im Pazifik westlich von Mexiko gelandet.

          Den Zuschauern des missglückten Starts bot sich aus sicherer Entfernung ein flammendes Inferno. Bilderstrecke

          Die Havarie der auf russischem Design basierenden ersten Stufe der Antares-Rakete ist der zweite schwere Rückschlag für OSC im Rennen um die Privatisierung der amerikanischen Raumfahrt innerhalb kurzer Zeit. Erst vor wenigen Wochen hatte die Nasa jeweils mehrere Milliaren Dollar teure Aufträge an Boeing und Space-X vergeben, ab dem Jahre 2017 amerikanische Astronauten zur ISS und wieder zurück zu fliegen. Obwohl sich OSC ebenfalls um diese Flüge beworben hatte, ging das Unternehmen bei der Auftragsvergabe leer aus.

          Beinahe zeitgleich mit dem Unglück in den Vereinigten Staaten vermeldete Russland einen Erfolg der Raumfahrt. Am Mittwochmorgen startete ein russischer Transporter mit Nachschub. Die Sojus-Trägerrakete mit mehr als 2,5 Tonnen Nahrungsmitteln, Treibstoff und privater Post hob wie geplant gegen 8.10 Uhr (MEZ) vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Im Dezember ist ein Versorgungsflug des privaten US-Transporters „Dragon“ angesetzt. Wann OSC seine Versorgungsflüge wieder aufnehmen kann, ist noch nicht entschieden.

          Weitere Themen

          Prinz Andrew will nichts bemerkt haben

          Jeffrey Epstein : Prinz Andrew will nichts bemerkt haben

          Wie viele andere Prominente zählte auch der Sohn von Königin Elizabeth II. zu den Freunden Jeffrey Epsteins. Von den mutmaßlichen Missbrauchsfällen will der Prinz jedoch nichts mitbekommen haben.

          Haftbefehl wegen Mordes erlassen

          Tödliche Schüsse in Berlin : Haftbefehl wegen Mordes erlassen

          Am Freitagmittag wird ein Mann in einem Park in Berlin-Moabit erschossen. Nachdem Taucher die Tatwaffe und das Fahrrad des Verdächtigen sicherstellen konnten, erging am Samstagabend ein Haftbefehl gegen den Verdächtigen.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.