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Astro-Alex auf der Erde : Er ist wieder da

Alexander Gerst strahlt: Weihnachten darf er, so es seine Gesundheit zulässt, mit der Familie verbringen. Bild: dpa

Er ist nicht nur erster deutscher Kommandant auf der ISS, Alexander Gerst ist auch ein echter Held. Kurz vor Weihnachten kehrt er zu den Erdlingen zurück – und hat eine wichtige Botschaft.

          197 Tage lang war er dort, wohin manch einer am liebsten seine Verflossene schießen möchte: nicht auf dem Mond, aber doch weit, weit weg, auf der Raumstation. Jetzt ist er wieder da wie die Erinnerung an den Ex: Alexander Gerst ist zurück unter den Erdlingen, die Sojus-Kapsel ist gelandet, der Commander und seine beiden Engineers sind sicher auf dem Mutterschiff Erde.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Es war eine harte Landung in der Wirklichkeit. Die Kapsel, obwohl vom Fallschirm gebremst, knallte mit Wucht auf die kasachische Steppe, der Schnee wirbelte auf wie bei einer Explosion.

          „So ein Aufprall ist schon heftig“, sagte Volker Schmid, der Missionsmanager des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, vorher. Die Kräfte, die in der Landephase auf die Astro- und Kosmonauten einwirken, seien enorm, besonders in der „heißen Phase“: Zwischen Kilometer 80 und 50 mussten die Raumfahrer für etwa 15 Minuten das Drei- bis Vierfache ihres eigenen Gewichts ertragen. So etwas wird vorher in der Zentrifuge immer wieder geübt, bis an den Rand der Ohnmacht.

          Die Niederkunft des deutschen Astronauten, der amerikanischen Astronautin Serena Auñón-Chancellor und des russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew verlief trotz Reibungshitze reibungslos. Die wiedergeborenen Raumfahrer wurden aus ihren maßgeschneiderten Sitzen gehoben und in dicke Decken verpackt: unbeweglich, erschöpft von den schieren Kräften, die bis zu 6g betragen können, und mit von der Schwerelosigkeit mitgenommenem Metabolismus. Unser Astro-Alex aber konnte schon wieder lachen: Weihnachten darf er, so es sein körperlicher Zustand zulässt, mit seiner Familie verbringen. Ansonsten wird er in den nächsten Wochen untersucht werden und Sport treiben müssen. Die Mitarbeiter des DLR wollen herausfinden, wie sich der All-Aufenthalt auf Muskeln und Immunsystem ausgewirkt haben.

          Es war schon Gersts zweite Reise zur Internationalen Raumstation, dieses Mal mit Commander-Titel. Sein Aufstieg zu einem der beliebtesten deutschen Helden war kometenhaft. Während der ersten Reise auf die ISS begann er, höchst erfolgreich und höchst eindrucksvoll zu twittern: Bilder von seinem geliebten Planeten Erde, nach dem er auch manchmal Heimweh verspürt, wenn er da draußen schwebt, humorvolle Einschätzungen zur Fußballweltmeisterschaft und immer wieder das kindliche Staunen über die Weite der Welt, die Unendlichkeit der Galaxien und die Schönheit der Erde, die er meisterhaft mit seinen Mitmenschen teilt.

          Doch selbstredend ist der Zweiundvierzigjährige nicht nur ein Typ, der gar nicht abgehoben ist. Er ist auch Wissenschaftler, Ingenieur, Forscher. Auf der ISS arbeitete er an 200 Experimenten mit. Er war der erste deutsche und der zweite europäische Kommandant auf der ISS. Normalerweise sind immer sechs Personen an Bord, alle drei Monate fliegen drei davon zurück, und drei neue Raumfahrer kommen. Nach dem abgebrochenen Start und der Notlandung der Sojus am 11. Oktober kamen für zwei Monate keine neuen Kollegen nach. Also musste Gerst dort oben für zwei Monate mit verkleinertem Team operieren, bis am 3. Dezember die Neuen kamen.

          Astro-Alex kann Pathos und Kitsch und Gefühle, aber nie zu viel. Er kann Experimente, lebensgefährliche Außeneinsätze, und er kann Politik. Aber als jemand, der unseren blauen Planeten aus einer ganz anderen Perspektive kennt, hat das immer etwas Weises, fast Romantisches. Am Mittwoch veröffentlichte die Esa ein Video, in dem er eine Botschaft an seine ungeborenen Enkelkinder aufnahm. Aus dem All spricht Gerst in eine dunkle Zukunft: „Wenn ich so auf den Planeten herunterschaue, dann denke ich, dass ich mich bei euch wohl leider entschuldigen muss. Im Moment sieht es so aus, als ob wir euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden.“ Seiner Generation sei bewusst, dass sie das Klima zum Kippen bringe, den Planeten mit Kohlendioxid verpeste, die Meere mit Müll verschmutze, die limitierten Ressourcen viel zu schnell aufbrauche „und dass wir zum größten Teil sinnlose Kriege führen“.

          Melancholische Klaviermusik im Hintergrund unterstreicht die Botschaft. Aber auch ein Held, der er ist, kann den Klimawandel nicht aufhalten, nur seine Botschaften zur Erde senden. In der Hoffnung, die Irdischen mögen ihn erhören.

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