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Vertikale Friedhöfe : Ewige Ruhe auf mehreren Stockwerken

Vertikale letzte Ruhestätte auf dem Jarkon-Friedhof zwischen Tel Aviv und Petach Tikva. Bild: Picture-Alliance

In Israel wird der Platz auf den Friedhöfen knapp. Von neuen Lösungen musste man erst die Rabbiner überzeugen. So steigen die letzten Ruhestätten nun in die Höhe.

          4 Min.

          Mit dem Aufzug geht es hinauf ins vierte Stockwerk. „Das ist das Penthouse“, sagt Tuvia Sagiv scherzend. Von den Gräbern auf der Dachterrasse aus sind die Hochhäuser von Tel Aviv zu sehen: In Israel wachsen nicht nur die Städte in die Höhe, sondern auch die Friedhöfe. In dem Gräberhaus, das der israelische Architekt auf dem Jarkon-Friedhof zwischen Tel Aviv und Petach Tikva entworfen hat, ist Platz für 12.000 Verstorbene. Am teuersten sind die Grabstätten auf der obersten Etage. Von hier aus reicht der Blick weit über die Küstenebene. Auf den Stockwerken darunter erstrecken sich zwischen den Säulen riesige Gräberfelder wie auf einem gewöhnlichen Friedhof. Der größte Teil ist noch leer, doch Tuvia Sagiv plant schon zehn weitere solche Bauten. „Wir können das knappe Land hier nicht verschwenden. Die Lebenden brauchen es dringender als die Toten“, sagt der Architekt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Israel mit seinen gut acht Millionen Einwohnern wird der Platz auf den Friedhöfen knapp, denn das Judentum verlangt, dass die Gräber für unbegrenzte Zeit bestehen und eine „ewige“ Ruhe garantiert ist. Im Unterschied zum Christentum dürfen sie nicht eingeebnet und wieder belegt werden. Werden jedoch alle Toten in herkömmlichen Erdgräbern beigesetzt, braucht man allein in und um Tel Aviv, wo ein Fünftel der israelischen Bevölkerung lebt, jedes Jahr eine Fläche von gut drei Hektar; das entspricht einem neuen Stadtviertel.

          In Tel Aviv ist auf dem alten Hauptfriedhof in Kirjat Schaul kein neues Grab mehr für eine traditionelle Erdbestattung zu bekommen. Mehr als 300.000 Menschen liegen dort dicht gedrängt begraben. Bäume wurden gefällt und die Wege verkleinert, um noch etwas Raum zu schaffen. Nur in dem Gräberhaus, das Tuvia Sagiv und sein Partner Uri Ponger am Rand gebaut haben, sind noch Plätze frei.

          Bereits 5000 Grabplätze belegt

          „Erst waren die Leute skeptisch“, sagt der Architekt. Mittlerweile seien die meisten der 5000 Grabplätze belegt oder reserviert. Langsam verwandelt sich das Betongebäude, das einige Kritiker an ein Parkhaus erinnert, in einen grünen Hügel. An den Außenmauern lassen die Architekten immergrüne Pflanzen ranken. Auch anderswo auf der Welt fehlt der Platz für neue Friedhöfe. In Brasilien steht das höchste Totenhaus mit mehr als 30 Stockwerken. So hoch wollen die beiden israelischen Architekten nicht hinaus. Sie mussten sich dafür einer zusätzlichen Herausforderung stellen.

          Von der neuartigen Form der Bestattung musste man zunächst die Rabbiner überzeugen.
          Von der neuartigen Form der Bestattung musste man zunächst die Rabbiner überzeugen. : Bild: AFP

          Sie brauchten Jahre, um die Rabbiner von ihren Plänen zu überzeugen. Die jüdische Religion schreibt die Erdbestattung vor: Die Toten müssen ruhen, bis der Messias kommt, weshalb die Friedhöfe immer größer werden. Daher scheidet auch eine Feuerbestattung für gläubige Juden aus; in ganz Israel gibt es nur ein einziges Krematorium. „Von Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren“, heißt es in der Bibel bei Moses. Daran halten sich gläubige Juden. Sie stellen sicher, dass der Leichnam in der Erde ruht.

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