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Herzblatt-Geschichten : Die rätselhaften Powerfrauen

Nicht nur scheinbar ist Iris Berben auf diesem Bild nicht sehr unscheinbar. Bild: dpa

Powerfrau Iris Berben ist in ihrem neuen Film ungeschminkt und demnach quasi nackt, Katja Riemann ist echt nackt, und Thomas Anders ist zwar bekleidet, aber ungeschützt vor seinen Fans. Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Schon lange rätseln wir über einen Begriff, der uns in den Herzblättern, doch längst nicht nur dort, oft begegnet, nämlich über den der Powerfrau. „Die Nacht der Powerfrauen“, schreibt diese Woche In über die American Music Awards, und über die Schauspielerin Jessica Stockmann und ihre Töchter heißt es in Gala, ihr Haus auf Mallorca sei „den drei Power-Frauen heilig“. Powerfrausein scheint also vererbbar, aber was genau drückt sich darin aus? „Power“ kann laut Wörterbuch Kraft bedeuten, Leistung, Macht, Potenz – und wenn unter allen Frauen dieser Erde nur die als Powerfrauen ausgewiesenen darüber verfügten, wäre das echt ernüchternd.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andererseits können wir uns nicht erinnern, dass die doch noch immer recht mächtige Angela Merkel je „Powerfrau“ genannt worden wäre. Möglicherweise verbindet man mit dem Begriff vor allem eine gewisse Aufgekratztheit? Während, wie just in der Aktuellen mit den Guttenbergs, ab und an auch ein „Powerpaar“ gesichtet wird, tritt kaum je ein Powermann solo auf. Eine für die Männer wenig schmeichelhafte Erklärung könnte sein, dass ein Mann die Frauenpower einer Powerfrau braucht, damit sie auf ihn abstrahlt. Eine andere Erklärung wäre, dass sich alle Männer eh für so kräftig, leistungsstark, mächtig und potent halten, dass sie sich die Power nicht extra bescheinigen müssen. Sehr schmeichelhaft wäre das freilich auch nicht.

          Ungeschminkt und sprichwörtlich nackt

          Eine Powerfrau scheint Iris Berben in ihrer neuen Serie nicht zu spielen. „Sie stellen eine unscheinbare Frau dar – das Gegenteil Ihrer selbst“, konstatiert Gala. „Wie hat sich das angefühlt?“ Berben, die in ihrer Rolle „ungeschminkt“ und „sprichwörtlich ,nackt‘“ auftrat, antwortet: „Die Verwandlung hat täglich zwei Stunden gedauert.“ Zwei Stunden täglich, um sich abschminken und sprichwörtlich ausziehen zu lassen? Wem das viel erscheint, dem sei hiermit anvertraut: Bei uns dauert es jeden Morgen sogar drei Stunden, bis wir uns von der spektakulären Erscheinung, als die wir aufwachen, in das etwas graue und unscheinbare Bürowesen verwandelt haben, als welches die Kollegen uns kennen. Man möchte ja niemanden durch die eigene Schönheit erschrecken.

          Nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich nackt posieren Christiane Paul, Tom Wlaschiha oder Katja Riemann für eine Kampagne der Deutschen Umwelthilfe, die laut Gala „auf das Problem der Überfischung von Nord- und Ostsee aufmerksam machen“ soll. Auf dem Bild, das Gala abdruckt, drückt sich Paul einen Lachs gegen ihren unbekleideten Leib. Ist die Nacktheit ein Zeichen der Solidarität, weil auch der Fisch nichts zum Anziehen hat? Und ist es nicht ein wenig problematisch, für eine solche Kampagne mit einem – wie wir zumindest hoffen, nicht mehr lebendigen – Fisch zu posieren, der vermutlich selbst gefischt, wenn nicht gar überfischt worden ist? Wir fänden es jedenfalls schlüssiger, wenn sich die Damen und Herren in einer weiteren Fotoserie komplett unbedeckt präsentierten, Botschaft: Die Überfischung ist so schlimm, wir haben jetzt nicht mal mehr einen Lachs, um unsere Blöße zu verstecken.

          Sänger Thomas Anders wird von ruchlosen Fans sogar geweckt – für ein Selfie. (Archivbild)

          Weitgehend ungeschützt sieht sich auch Thomas Anders den Begehrlichkeiten mancher Fans ausgesetzt: „Ich saß mal im Flugzeug, habe geschlafen – und da hat mich jemand wachgerüttelt, weil er ein Selfie mit mir schießen wollte“, erzählt er Frau im Spiegel. „So was finde ich natürlich nicht besonders schön.“ Finden wir auch nicht, denn um ein Selfie mit Anders zu schießen, hätte man ihn doch nicht aufwecken müssen. Sähe ja auch viel lustiger aus, so ein Bild des Sängers mit geschlossenen Augen und offenem Mund.

          Nach jedem Sprung ein Stückchen glücklicher

          Die aufgeweckte Powerfrau Jessica Stockmann wiederum erzählt Gala vom Trampolin in ihrem Mallorca-Garten: „Wenn der Tag mal nicht so gut ist, hat man eigentlich keine Lust zum Hüpfen. Aber nach jedem einzelnen Sprung fühle ich mich immer besser. Andere Leute nutzen ihre Psychiater-Couch im Haus, ich nehme das Trampolin.“ Mal davon abgesehen, dass wir gar keine Psychiater-Couch im Haus haben: Warum sollten wir denn darauf herumhüpfen?

          Einen großen Sprung gemacht hat, jedenfalls streng sprichwörtlich betrachtet, Jack Brooksbank, „der vermögende Tequila-Manager“ (Bunte), der Englands Prinzessin Eugenie geheiratet hat. Deren Schwester Beatrice, lesen wir, trug während der Trauung eine Passage aus „Der große Gatsby“ vor: Darin „beschreibt der Autor die Anziehungskraft des jungen Millionärs Jay Gatsby und sein faszinierendes Lächeln. Eugenie hätte ihre erste Begegnung mit Jack genauso empfunden und deswegen den Text persönlich ausgewählt.“ Auf weitere Passagen des Buches, das mit drei Todesfällen tragisch endet, wurde wohlweislich verzichtet.

          Noch mehr beeindruckt als Jack Brooksbanks Lächeln hat uns der Hinweis der Gala, ihre Chefredakteurin habe „zusammen mit HSE24 eine Kollektion hochwertiger Pullover und Accessoires“ entwickelt. Davon angespornt, haben wir versucht, parallel zum Verfassen dieser Kolumne ein paar hübsche Mieder und Filzpantoffeln zu entwickeln, die dann aber leider äußerst minderwertig ausfielen. Zur Powerfrau oder zum Powermann, fürchten wir, taugen wir einfach nicht.

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