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Intimchirurgie : Das genormte Geschlecht

  • -Aktualisiert am

Frauen messen sich schon an unzähligen Schönheitsmerkmalen, kommt jetzt noch ein neues hinzu? Bild: dpa

Intimchirurgen wie Stefan Gress straffen Vaginas und spritzen den G-Punkt auf. Kritiker finden, damit unterwürfen die Ärzte nun auch noch das weibliche Genital dem Optimierungswahn unserer Zeit. Doch Gress sagt: Die Frauen wollen es so.

          Sind Sie eine Frau? Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob Sie untenrum wie ein Brötchen aussehen? Nein? Ist es Ihnen eigentlich ziemlich egal, wie Sie untenrum aussehen? Dann lesen Sie jetzt einfach nicht weiter. Denn der Mann, den wir gleich treffen, hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie Frauen untenrum auszusehen hätten, er weiß viel mehr über die weibliche Intimzone als die meisten Frauen, aber so ist das ja mit Medizinmännern. Der Mann, den wir gleich treffen, wird uns etwas von Brötchen erzählen und etwas von weiblicher Selbstermächtigung. Er wird sogar zum Skizzenblock greifen. Er wird eine glänzende Performance hinlegen. Und vielleicht Bedürfnisse wecken, wo zuvor keine waren.

          München. In der Innenstadt, zwischen Odeonsplatz und Marienplatz, liegt das „Sensualmedics Munich Medical Center“, die kleine Privatklinik von Stefan Gress. Die Räume sind hell, die Sprechstundenhilfen ganz reizend, und die Wände hat Gress frei nach der Farbenlehre Le Corbusiers gestalten lassen: Strahlendes Zahnweiß trifft auf eine Facette von Rot, die Gress später „Rouge Framboise“ nennen wird. Ein kleiner Zimmerbrunnen. „Da legen die russischen Patientinnen gerne ihre Handtaschen drauf ab“, sagt Gress. Aber jetzt kommt er erst einmal ins Wartezimmer und bittet den Gast in sein Büro.

          Vorreiter Amerika

          Wir haben uns Gress nicht willkürlich ausgesucht. Gress ist in Deutschland einer der Intimchirurgen der ersten Stunde. Von einschlägigen Frauenzeitschriften wurde er wahlweise zum „Vagina-Picasso“ (InStyle), zum „Pionier der weiblichen Intimchirurgie“ (Bunte) oder zum „Labien-Papst“ (Brigitte) geadelt. Gress malt in seiner Freizeit, deshalb fand er den Bezug zu Picasso besonders gut.

          Seine Karriere als solche hat im Prinzip auch über die Medien begonnen. Das war vor 13 Jahren, als ein Privatsender auf der Suche nach einem Plastischen Chirurgen war. Die Kandidatin einer dieser Wünsch-dir-was-Shows fand ihre inneren Schamlippen zu lang, sie träumte von kürzeren. Sie wurde Gress’ erster Labienfall. Bis dahin hatte er vor allem mit Geschlechtsumwandlungen und Brust-OPs zu tun.

          Heute sitzt Gress hinter seinem Schreibtisch und vor einer molchgrünen Wand. Ein Mann Anfang fünfzig, das Haar leicht gewellt, er trägt es nach Münchner Art locker nach hinten gekämmt und erinnert sich, wie er sich damals in die weibliche Intimzone fuchste: „In den Lehrbüchern fand ich natürlich keine standardisierten Methoden.“ Er erkundigte sich bei Kollegen aus Amerika, wo man in intimchirurgischen Dingen schon wesentlich weiter war als in Deutschland, und stieß auf die Behandlungsmethode von Gary Alter aus Los Angeles. Aus Hollywood, um genau zu sein. „Der machte damals einen Keilschnitt“, sagt Gress, nimmt ein weißes Papier und beginnt, mit dem Kugelschreiber ein weibliches Geschlechtsorgan zu skizzieren.

          Mehr als 3000 intimchirurgische Eingriffe

          Gress konnte nicht aufhören, über eine Technik nachzudenken, die es ermöglicht, die Labien auf harmonische Weise zu verkleinern. Er hat sie mittlerweile gefunden. Befeuert wurde die „Jagd nach dem perfekten Ergebnis“, wie er sich ausdrückt, wohl auch durch die riesige Nachfrage, die sich im Anschluss an den Fernsehbericht in seiner Praxis einstellte.

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