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Forschung in Deutschland : „Wir müssen lernen, zu sagen, dass wir die Besten sind“

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Karlheinz Brandenburg Bild: Fraunhofer Institut Integrierte Schaltungen

Karlheinz Brandenburg hat das Datenformat MP3 erfunden und den „Deutschen Zukunftspreis“ bekommen. Wie es dazu kam, und wie es weitergehen könnte, sagt er im Interview.

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          Karlheinz Brandenburg hat das Datenformat MPEG Layer 3, kurz MP3, entwickelt. Er lehrt an der technischen Universität Ilmenau Elektronische Medientechnik und leitet die Arbeitsgruppe Elektronische Medientechnologie am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Ilmenau. Im Oktober letzten Jahres erhielt er auf der Expo in Hannover zusammen mit zwei Mitarbeitern den Deutschen Zukunftspreis 2000.

          Wie steht es denn um die Forschung in Deutschland und um ihre Anerkennung?

          In Deutschland findet sehr viel sehr gute Forschung statt, wir brauchen uns wirklich nicht zu verstecken. Auch die Bedingungen, unter denen Ergebnisse genutzt werden, so, dass daraus Produkte entstehen, werden wirklich immer besser. Ich hab' keine Bange, dass es wie bei MP3 gelingen wird, unsere Forschung international durchzusetzen. Es ist nur oft so, dass die Deutschen Angst vor der eigenen Courage haben. Wir sollten uns vielleicht mal etwas von den Amerikanern abschauen, die sich ganz unbekümmert hinstellen und sagen 'Wir sind die Besten'. Das sind wir an vielen Stellen nämlich auch. Was wir wirklich lernen müssen, ist, dazu zu stehen.

          Obwohl MP3 seinen Siegeszug in Amerika begonnen hat, wurde es hier und nicht dort entwickelt. Welche Faktoren gab es, dass gerade Sie es waren und nicht ein Amerikaner, der MP3 erfunden hat?

          Da kommen Zufälligkeiten ins Spiel. Eine Wissenschaftsdisziplin, auf der MP3 und ähnliche Verfahren aufbauen, ist die Psychoakustik, zu der es Jahrzehnte zuvor in Deutschland schon eine sehr aktive Grundlagenforschung gab. Dann gab es Lehrbücher und dadurch auch Leute, die etwas im Hinterkopf hatten. In Deutschland ist an mindestens drei Stellen unabhängig voneinander die Idee zu gehörbasierender Audiokodierung entstanden. Zur etwa selben Zeit entstanden in den USA ebenfalls an mindestens zwei Stellen unabhängig voneinander solche Ideen, und dann war es eher die Frage, wer sozusagen wirklich rangeht und die Dinge intensiver durchzieht.

          Das klingt nach einem Kopf- an-Kopf-Rennen...

          .. es ist sicherlich ein interessanter Punkt, dass wir uns Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre innerhalb der MPEG-Audio-Gruppe so etwas wie einen innerdeutschen oder sogar innerbayrischen Konkurrenzkampf geliefert haben. Es gab zwei Konsortien. Bei dem einen war Fraunhofer mit der Universität Erlangen tonangebend. Beim anderen das Institut für Rundfunktechnik. In gewissem Sinne sind übrigens beide als Sieger daraus hervorgegangen. Das wird bei all den Reden über MP3 häufig vergessen, dass es auch den Layer 2 gibt, als die einfachere Variante, die in digitalen Fernsehsystemen eben rund um die Welt auch in großen Millionenstückzahlen eingesetzt wird. Und obendrein sehr erfolgreich.

          Was für ein Gefühl war das, als Sie mit MP3 den Durchbruch erzielten?

          Die anderen Leute in Erlangen und ich waren eigentlich schon ab Ende 1986 der festen Meinung, dass wir in dem Gebiet weltweit führend waren. Es hat dann etliche Jahre gedauert, bis sich wirklich rausstellte, dass das stimmte. Dann erst gab es wirkliche Vergleichstests mit unabhängigen Testern. Und es ist immer noch ein weiter Weg, zwischen dem, was rein wissenschaftlich und im Labor gut funktioniert und einer tatsächlichen Anwendung. Und da hatten wir natürlich in gewissem Sinne eine Bringschuld, an der wir noch Jahre gesessen haben.

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