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Interview mit Jeff Kinney : „Greg gehört mir nicht mehr“

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Bild: Jeff Kinney, Wimpy Kid, Inc.

Jeff Kinney, Schöpfer der populären Kinderbuchreihe „Gregs Tagebuch“, über seine zwölfjährige Hauptfigur, den internationalen Erfolg, seine Söhne – und das beste Mittel gegen Ideenstau.

          5 Min.

          Mr. Kinney, Ihr Greg ist alles andere als ein strahlender Held - er ist ein bisschen egoistisch und lässt beim Versuch, eine gute Figur zu machen, den Zweck die Mittel heiligen …

          Ja, er ist keineswegs perfekt, auch wenn er nicht böse ist. Er sagt und tut Dinge, wie wir alle, auf die wir nicht unbedingt stolz sind, und ich glaube, damit können sich die Kids identifizieren - auch wenn dies nicht die bestmögliche Version ihrer selbst sein mag.

          Ist Greg eine zwölfjährige Version Ihrer selbst?

          Sagen wir so: Ich habe eine Figur entworfen, sie mit allen meinen übelsten Eigenschaften versehen und das Ganze grotesk vergrößert. So wurde Greg Heffley geboren. Aber der Typ, der sich im Umkleideraum vorm Schwimmtrainer versteckt, der sich in Klopapier einwickelt, um Unterkühlung zu vermeiden - das war ich. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in der Mittelstufe all meine Energie in den Versuch investierte, irgendwie unter dem Radar zu bleiben, anstatt irgendwelche akademischen oder sozialen Erfolgserlebnisse anzustreben. Diese zwei bis drei Jahre zwischen dem sicheren Hafen der Grundschule und den harten Realitäten der Oberschule sind ja für viele Kids ein ziemlicher Albtraum.

          Sie haben selbst zwei Brüder und eine Schwester. Mussten die als Paten für die Figuren in Gregs Abenteuern herhalten?

          Zu behaupten, dass Gregs Abenteuer autobiographisch sind, wäre zu viel gesagt. Aber die Leute, die ich kenne, und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind meine Bezugspunkte zur Kindheit und Jugend. Ich würde mal sagen, die DNS meiner Familie findet sich sehr wohl in diesen Büchern wieder.

          Eigentlich wollten Sie schon vor zwanzig Jahren Karikaturist werden. Warum kam der Durchbruch so spät?

          Tja, ich war zwar schon im College davon überzeugt, dass meine Aufgabe in dieser Welt sei, Cartoons zu zeichnen. Aber ich fand kein Publikum dafür.

          Stattdessen wurden Sie Videospiel-Designer.

          Ja, und ich verbrachte so viel Zeit mit Videospielen, dass ich mich entschloss, ein Tagebuch über meine Spielsucht zu schreiben. Diese Dokumentation meines Verhaltens sollte mir Schuldgefühle verursachen, um damit aufzuhören. Ich schrieb also über mein Leben und fügte ab und zu kleine Zeichnungen hinzu, und eines Tages dachte ich: Das könnte ein reizvolles Format für ein Comicbuch sein.

          Sie sind Anfang vierzig - die meisten Leute Ihres Alters würden peinlich wirken bei dem Versuch, die Welt eines Jungen kurz vor der Pubertät zu beschreiben. Wie vermeiden Sie das?

          Indem ich diese Bücher eigentlich für Erwachsene schrieb. Ich hatte eine Art Kindheits-Retrospektive im Sinn, die die Leute an ihre Kindheit erinnern sollte. Dass das Ganze solchen Erfolg auch bei Kids hatte, war überhaupt nicht beabsichtigt.

          Sie sind inzwischen selbst Vater eines Erstklässlers und eines Drittklässlers. Wie wirkt sich das auf Ihre Bücher aus?

          Die beiden sind noch ziemlich jung, und es findet nicht allzu viel aus ihren Leben Eingang in meine Bücher. Aber sie ermöglichen es mir, Kindheit durch ihre Augen wahrzunehmen. Ich muss sagen, als beste Quelle für neue Ideen hat sich für mich erwiesen, ein normales Leben mit normalen Erfahrungen zu führen.

          Nennen Sie uns ein Beispiel?

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