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Interview mit Dermatologin : „Beim Sex übertrumpft die Haut das Hirn“

  • -Aktualisiert am

„Das Gehirn nimmt die Empfindungen der Haut auf, verarbeitet sie und entwickelt Phantasien“, sagt Yael Adler. Bild: dpa

Yael Adler liebt das Organ, dem sie sich widmet. Hier spricht die Dermatologin über zu viel Seife, die Schönheit von Talg, Botox gegen Zornesfalten und warum Pickelausdrücken okay ist.

          Frau Dr. Adler, wie oft riechen Sie an der Haut Ihrer Patienten?

          Immer. Die Nase ist immer angeschaltet. Als Hautarzt muss man alle Sinne nutzen, sonst gehen viele Informationen verloren. Wir riechen, sehen, fühlen – nur schmecken tun wir nicht.

          Und wonach riechen Hautkrankheiten?

          Nicht nur Krankheiten riechen. Je nach Waschverhalten, Schwitzverhalten oder dem, was man so trägt, riecht jeder Mensch unterschiedlich. Wenn ich mir eine eitrige Hauterkrankung ansehe, nehme ich gleich einen typischen süßlichen Geruch wahr. Und jemand, der zu viel Talg produziert, hat eine bitterherbe Komponente im Geruch.

          Als ich in Ihrem Buch gelesen habe, dass Sie an Haut riechen, habe ich mir vorgestellt, wie Sie sich da mit ihrer Nase über ein eitriges Etwas beugen.

          Man riecht das auch, wenn man nicht ganz nah herangeht, es hilft eben bei der Diagnose. Wir reden hier aber nicht von einem furchtbaren Gestank, sondern eher von Duftnoten. Anders ist das in der Klinik. Da hat man es als Hautarzt natürlich auch mit absterbendem Gewebe, am Bein zum Beispiel, zu tun, das ist dann schon schlimmer Verwesungsgeruch.

          Hatten Sie da nie einen, nun ja, natürlichen Ekel?

          Natürlich fasse ich nicht mit meiner bloßen Hand in den Eiter, weil es nicht hygienisch wäre und ich mich auch nicht anstecken sollte. Aber ich bin eher fasziniert als abgestoßen. Mein Opa war Hautarzt. Ich kannte ihn nicht, habe mir aber als Kind immer die gezeichneten Bilder von Hautkrankheiten in seinen alten Büchern angesehen. Ich habe mir dabei vorgestellt, wie sich das wohl anfühlen würde.

          Stimmt es denn, dass jeder Arzt sich ein zum Charakter passendes Fachgebiet sucht?

          Ja, ich würde zum Beispiel nie Magen-Darm-Chirurg werden wollen. In meiner Ausbildung stand ich natürlich auch mal im OP. Meine Arme lagen im Sud, und alles war durchfeuchtet von Flüssigkeiten aus dem gerade operierten Körper. Das fand ich schon schwieriger. Die Dermatologie passt sehr zu mir. Wir Hautärzte sind die sinnlichen Typen. Wir gehen auf Spurensuche und wollen wie Kriminalisten herausfinden, was hinter der Hülle steckt.

          Und das ist zum Beispiel?

          Zum Beispiel macht eine kranke Darmflora kranke Haut. Deshalb nehme ich vielen meiner Patienten Stuhlproben ab. Oft heilt die Haut, wenn man die Darmflora saniert. Auch eine Schilddrüsenerkrankung oder Mangel an Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren wirkt sich an der Haut aus. Viele Leute denken, sie haben Neurodermitis und schmieren immer Kortison drauf. Dabei fehlt ihnen nur Zink, und wenn sie das einnehmen, ist die Haut nach spätestens drei Wochen wieder fit. Das ist der internistische Anteil an meinem Fachgebiet, einen psychischen gibt es auch. Stress spiegelt sich an der Haut, viele Leute bekommen Pickel, hektische Flecken oder fangen an, sich im Gesicht rumzufummeln, und kratzen sich selbst zugefügte Wunden mit Krusten immer wieder auf.

          „Wer zu viel seift, der stinkt“, schreiben Sie. Wie muss man sich Ihre Körperhygiene vorstellen?

          Ich dusche mit Wasser und rubbele mich mit einem Handtuch ab. Und nur die sozusagen stinkigen Stellen, wo man stärker schwitzt, die Achselhöhlen oder Füße, behandele ich mit einer ganz milden Waschsubstanz. Also mit einem synthetischen, rückfettenden Mittel, das nicht schäumt, keine Farb- und Duftstoffe enthält. Bisher hat sich noch keiner beschwert, dass ich unangenehm riechen würde.

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