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Interview mit Dermatologin : „Beim Sex übertrumpft die Haut das Hirn“

  • -Aktualisiert am

Noch nicht mal eincremen?

Das dürfen Sie, wenn Sie trockene Haut haben. Aber die meisten trockenen Häute, die ich sehe, sind selbstgemacht. Uns wird suggeriert, wir brauchten eine Augencreme, eine Tagescreme und eine Nachtcreme und ein Peeling und ein Tonikum. Eigentlich brauchen wir nichts davon. Wer alle zwei Tage in einen klaren See springt und sich den groben Schmutz runterspült, wird zeitlebens hautgesünder sein – im Vergleich zu denen, die sich täglich zweimal abseifen.

Warum genau ist das falsch?

Ein Duschgel, das schäumt, duftet und bunt ist, zerstört alle unserer drei Hautschutzmechanismen. Der Säureschutzmantel zum Beispiel hat einen sauren ph-Wert, alle normalen Seifen aber sind alkalisch und erhöhen den pH-Wert der geseiften Haut stark. Die Haut braucht dann ein paar Stunden, um sich nach dem Duschen wieder auf einen normalen Zustand herunterzusäuern. In dieser Zeit können sich unerwünschte Bakterien vermehren. Sogar welche, die einen eher stinken lassen. Zweitens laugen wir jedes Mal unsere natürliche Fettbarriereschicht aus, sie wird ganz löchrig. Dabei dauert der Aufbau dieser wichtigen Schicht vier Wochen. Die Haut wird also trocken und kann Ekzeme und Allergien entwickeln. Und drittens wird das Mikrobiom der Haut angegriffen. Darin leben aber gute und wichtige Bakterienfamilien, unsere Türsteher gegen Krankheitserreger.

Dr, Yael Adler: „Die meisten trockenen Häute, die ich sehe, sind selbstgemacht. Uns wird suggeriert, wir brauchten eine Augencreme, eine Tagescreme und eine Nachtcreme und ein Peeling und ein Tonikum.“
Dr, Yael Adler: „Die meisten trockenen Häute, die ich sehe, sind selbstgemacht. Uns wird suggeriert, wir brauchten eine Augencreme, eine Tagescreme und eine Nachtcreme und ein Peeling und ein Tonikum.“ : Bild: Privat

Sie verabscheuen die Wendung „porentiefe Reinigung“.

Das klingt natürlich total hygienisch. Aber es funktioniert nicht, und es ist auch nicht erwünscht, dass es funktioniert. Es ist Quatsch, dass man mit irgendwelchen Wässerchen tief in die Haut hineinkommt. Und die aggressiven Methoden, mit denen in manchen Kosmetikstudios der Talg aus den Poren gesaugt wird, schaden nur. Die Leute haben danach oft erst recht Pickel. Wir brauchen unsere Poren voll mit Talg, er ist ein schönes antibakterielles Mittel gegen unerwünschte Erreger. Die Poren an unserer Nase zum Beispiel liefern unsere körpereigene Hautcreme. Unsere Ohren bilden einen bitteren Talg. Der verhindert, dass sich in dieser gemütlichen Höhle Insekten einnisten.

Aber verstopfte Poren gibt es doch wirklich?

Ja, die gibt es. Wenn zu viel Talg fließt und Akne auftritt, dann ist das ein Zeichen, dass das behandelt werden sollte. Menschen, deren Poren zur Verhornung neigen, bilden eine Art Pfropf obendrauf, und dann kann der Talg nicht mehr ablaufen. Diese Pfropfen darf man natürlich mit einem mechanischen Peeling abrubbeln oder mit speziellen Säuren aufweichen.

Es hat mich überrascht, dass Sie in Ihrem Buch Tipps zum Pickelausdrücken geben.

Es ist ja Quatsch zu glauben, dass die Menschen nie wieder Pickel ausdrücken, wenn ich sage, sie sollen sie nie wieder ausdrücken. Wenn man morgens vorm Spiegel so einen Eiterpickel entdeckt, kann da fast keiner die Finger von lassen. Und dann sollte das wenigstens einigermaßen hygienisch ablaufen.

Erzählen Sie mal.

Beim Pickelausdrücken ist die Gefahr immer, dass man sich den Inhalt in die Tiefe der Haut drückt und dann dort eine Fremdkörper-Reaktion des Immunsystems provoziert, die Wochen und Monate anhält. Ich empfehle: die Nägel kurz zu halten, Pickel und Finger zu desinfizieren und dann oberflächlich den Ausgang der Pore zu öffnen – und zwar, indem man versucht, die Haut zu spreizen. Dann sanft drücken und wieder spreizen, aber auf keinen Fall massiv drücken. Sonst implodiert alles, und dann gibt es häufig eine Narbe.

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