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Interview : Forscher bestätigt Klimawandel: Unwetter werden noch schlimmer

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„Weltweit gibt es eine Häufung extremer Wetterlagen“, sagte Mojib Latif, Wissenschaftler vom Max-Planck- Institut für Meteorologie. Gerade auch in Deutschland sei die Anzahl der heftigen Niederschläge gestiegen. Ein Interview.

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          Die Zunahme der extrem starken Unwetter ist nach Aussagen des Hamburger Klimaforschers Mojib Latif eindeutig auf den Treibhauseffekt zurückzuführen. Dem sei nur mit dem Einsatz alternativer Energie zu begegnen. „Weltweit gibt es eine Häufung extremer Wetterlagen“, sagte der Wissenschaftler vom Max-Planck- Institut für Meteorologie. Gerade auch in Deutschland sei die Anzahl der heftigen Niederschläge gestiegen.

          Herr Latif, wird es in Deutschland immer wärmer?

          Eindeutig. In den vergangenen 100 Jahren habe sich die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 1 Grad erwärmt. Wir rechnen mit zusätzlichen 2 bis 3 Grad in den kommenden 100 Jahren. Die Unwetter werden immer schlimmer, wenn es an Gewittertagen noch wärmer wird - etwa 40 statt 35 Grad jetzt in Brandenburg - und in einem solchen Gebiet dann eine Kaltfront kommt.

          Gibt es Messreihen, die das belegen?

          Seit 1879 gibt es das Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg südwestlich von München. Innerhalb der vergangen 100 Jahre ist dort die Temperatur um 0,9 Grad gestiegen. Die Zahl der Tage mit starken Gewitterschauern oder kräftig anhaltendem Landregen mit mehr als 30 Millimeter Niederschlag hat sich dort in 120 Jahren von 1879 bis 1999 beinahe verdoppelt - von 2,8 Tagen auf 5,2 Tage pro Jahr. Ähnliches kann man für ganz Deutschland annehmen.

          Alles Anzeichen für einen Klimawandel?

          Eindeutig. Spätere Generationen werden sagen, um die Jahrtausendwende waren erste Anzeichen für den Klimawandel zu sehen. Computermodelle haben schon seit langer Zeit vorhergesagt, dass sich die Verteilung der Niederschläge mit steigender globaler Temperatur ändert. Eine wärmere Atmosphäre führt zu einem stärkeren Wasserzyklus. Wärmere Luftmassen nehmen mehr Wasserdampf auf. Daher steht mehr Wasser für Niederschläge zur Verfügung. Andere Gebiete werden den Voraussagen zufolge langfristig trockener. Der Mittelmeerraum wird stärker unter den Einfluss des Azorenhochs kommen.

          Was können wir dagegen tun?

          Einziges Gegenmittel ist der Umstieg auf alternative Energien, und zwar weltweit. Langfristig kann man das Problem nur lösen, wenn man komplett wegkommt von den fossilen Brennstoffen. Es ist billiger, jetzt alternative Energien zu fördern als im Jahr 2050 pausenlos Gewitterschäden zu beseitigen.

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