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Interview : "Die Motivation ist die Waffe"

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Sportschützen beim Training Bild: dpa

Schützen sind Soziologen zufolge keine machthungrigen potentiellen Verbrecher, sondern lieben Technik und sportliche Anforderungen des Schießens. Ein FAZ.NET-Interview.

          Der Soziologe Arne Niederbacher promoviert über die Faszination von Menschen für legale Schusswaffen. Im FAZ.NET-Interview erklärt er, welche Motive Menschen dazu bringen, Schießen als Hobby zu betreiben. In einer Studie der Universität Dortmund befassten sich er, sein Kollege Thomas Bucher und Professor Ronald Hitzler mit dem Schießsport Durch teilnehmende Beobachtung und rund 30 Interviews haben sie versucht, das Thema zu beleuchten.

          Sie untersuchen, warum Menschen als Hobby schießen. Was hat Sie zu der Fragestellung gebracht?

          Der Impuls für die Frage war das Attentat in Bad Reichenhall, ein anderer Impuls waren die Bürgerwehren, die sich im Osten Deutschlands gebildet haben. Wir wollten uns daraufhin damit beschäftigen, wie das eigentlich in Schützenvereinen tatsächlich abläuft. Unser Ansatz dazu ist ein lebensweltlicher. Wir gehen selbst hin. Wir haben Schützenvereine angeschrieben, selbst geschossen und dadurch die Leute kennen gelernt. Ich habe mein ganzes Leben davor keine Schusswaffen in der Hand gehabt.

          Und welche Gründe haben Sie gefunden?

          Für uns hat sich ganz klar ergeben, dass es nicht der Aspekt ist „Ich will eine Waffe“, oder wie die Psychologen sagen: „Ich brauche eine Penisverlängerung“. Die Deutungsmuster Machtinstrument, Machtsymbol, Männlichkeit sind Klischeevorstellungen. Die werden nach Erfurt natürlich besonders transportiert. Der Spiegel schreibt, „da werden Killer ausgebildet“. Diese ganzen Vorurteile, die jetzt kolportiert werden, haben wir nicht feststellen können. Sondern etwas ganz anderes. Die Leute interessieren sich in hohem Maße für Technik. Und Waffentechnik ist im Maschinenzeitalter die perfekte Symbiose zwischen Mensch und Technik. Sie haben eine Waffe in der Hand, drücken hier ab und können da hinten etwas auslösen, also die Zielscheibe treffen. Das ist sehr schwierig. Das Ganze ist fast eine gewisse Widmung, eine Weihung, die man dem Schuss entgegenbringt. Eine hohe Konzentration ist erforderlich und eben ein hohes Maß an Technik und Körperbeherrschung.

          Es ist also der Prozess des Schießens?

          Die Motivation ist die Waffe. Die fasziniert, die sieht toll aus, die glänzt metallen. Ich selber empfinde das zwar nicht so, aber ebenso wie Männer und Autos funktioniert das auch bei Männern und Waffen. Weniger bei den Frauen. Bei den wenigen Frauen, die dieses Hobby betreiben, ist eher der Aspekt des Schießens das Wichtige. Während bei Männern auch Munition, Kalibrierungen, die verschiedenen Waffen wichtig sind. Gerade Sammler kennen sich auch historisch unglaublich gut aus: Wann wurde die Waffe wo hergestellt, wer hat damit wo schon mal geschossen. Das ist sehr komplex.

          Dazu kommt die breite Palette an Waffen. Die Unterscheidung nach Großkaliber- und Kleinkaliberwaffen oder auch Luftdruckwaffen. Das breite Spektrum an Waffengattungen erfordert natürlich für jede Gattung eine ganz unterschiedliche Art des Umgangs. Für unterschiedliche Disziplinen sind unterschiedliche Munitionstypen nötig. Der Schießsport ist unglaublich facettenreich.

          Wer schießt denn vorwiegend?

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