https://www.faz.net/-gum-9f4vc

Bei China-Reise : Interpol-Präsident Meng Hongwei wird vermisst

  • Aktualisiert am

Interpol-Präsident Meng Hongwei im Juli 2017 in Singapur Bild: AFP

Seit seiner letzten China-Reise gibt es kein Lebenszeichen von ihm: Die Frau des chinesischen Interpol-Chefs hat die französische Justiz alarmiert. Die hat nun offenbar Ermittlungen im Fall Meng Hongwei eingeleitet.

          Der Präsident der internationalen Polizeiorganisation Interpol, Meng Hongwei, wird vermisst. Die französische Justiz nahm nach eigenen Angaben vom Freitag Ermittlungen im Fall des Chinesen auf, wie die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP berichteten. Mengs Frau alarmierte demnach die Behörden, da seit einer China-Reise des Interpol-Präsidenten Ende September jedes Lebenszeichen von ihm fehlt. Interpol hat seinen Sitz in Lyon, deswegen nahm sich die französische Justiz des Falls an.

          Interpol teilte auf Anfrage mit, man sei sich der Medienberichte über das „angebliche Verschwinden“ von Meng Hongwei bewusst. „Dies ist eine Angelegenheit für die zuständigen Behörden in Frankreich und China.“ Für die Führung des Alltagsgeschäfts sei der Generalsekretär Jürgen Stock verantwortlich. Interpol werde sich nicht näher zu der Angelegenheit äußern.

          Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze der Polizeiorganisation gewählt worden. Zuvor war er in China Vizepräsident für öffentliche Sicherheit. Sein Mandat als Interpol-Präsident gilt noch bis 2020. Nach seiner Wahl äußerten Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International Bedenken, dass Peking Interpol nutzen könnte, um Dissidenten und Geflohene im Ausland festzunehmen.

          Interpol ist mit 192 Mitgliedsländern die wichtigste Polizeiorganisation der Welt. Über Interpol tauschen Staaten unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

          Auch in China gab es zunächst keine Hinweise, was mit Meng Hongwei geschehen sein könnte. Wegen der Ferienwoche um den Nationalfeiertag sind alle Ministerien und Behörden geschlossen. Wenn aber in der Vergangenheit höhere Mitglieder der Regierung aus der Öffentlichkeit verschwunden sind, hatte das häufig etwas mit Ermittlungen wegen Korruption oder anderer Disziplinarvergehen in der Partei zu tun.

          Die Betroffenen werden dann während der Ermittlungen an einem geheimen Ort praktisch unter Hausarrest gesetzt – meist ohne Kontakt zu ihrer Familie. Häufig dauert es dann auch längere Zeit, bis die Partei, die über ihre Disziplinarkommission als erste ermittelt, eine Mitteilung zur Untersuchung macht. Was aber Meng Hongwei widerfahren sein könnte, war am Freitag völlig offen.

          Weitere Themen

          Polizei nimmt Gefährder fest Video-Seite öffnen

          Razzia in Köln : Polizei nimmt Gefährder fest

          Im Fokus der Ermittlungen stand ein Mann aus der Berliner Islamisten-Szene, der erst kürzlich nach Nordrhein-Westfalen übergesiedelt war. Sie gingen davon aus, dass der Mann einen Selbstmordattentat plant.

          Topmeldungen

          „Haltet uns nicht länger hin“ fordern Demonstranten vor der Sitzung des Klimakabinetts in Berlin.

          Klimakabinett : Warmlaufen für den Tag der Entscheidung

          Weil erst in zwei Monaten feststehen soll, wie Deutschland seine Klimaziele einhalten will, vertagt die Regierung Beschlüsse. Bei einem Thema sperrt sich der Wirtschaftsminister besonders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.