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Internet-Tauschbörsen : Mächtige Drohgebärden

Die Lobby der amerikanischen Musikindustrie macht Ernst und verlangt von Internet-Providern die Namen von fast 900 Usern, die illegal Musik und Filme aus dem Internet herunterladen.

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          Das Motto lautet: Abschreckung auf allen Ebenen. Die bislang anonymen Nutzer von Tauschbörsen sollen sich nicht mehr sicher fühlen, zumindest nicht in den Vereinigten Staaten. Im amerikanischen Kongreß sorgt ein neuer Gesetzesentwurf für Wirbel, der hohe Haft- und Geldstrafen für User vorsieht, die illegal Kopien von Musiktiteln oder Filmen auf ihren Heim-PC zum Tausch bereit stellen. Die mächtige Lobby der amerikanischen Musikindustrie (RIAA) hat bereits im Juni zum Angriff auf Filesharer geblasen.

          Monika Ganster
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allein die Ankündigung genügte, um den Traffic bei den großen Tauschbörsen Kazaa und Morpheus zu bremsen, stellten die Internet-Marktforscher von Nielsen Netratings fest. Und nun ließ RIAA den Worten Taten folgen: Fast 900 gerichtliche Vorladungen hat die Recording Industry Association of America bereits eingereicht und jeden Tag sollen etwa 75 neue Klagen hinzukommen.

          Auch kleine Fische sollen ins Netz

          Grundlage dafür ist der 1998 verabschiedete Digital Millenium Copyright Act, der die Vorladung von Internet-Usern ermöglicht, wenn der Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen besteht. Die Provider von Tauschbörsen werden aufgefordert, die Identität von Usern aufzudecken, die sich bei Kazaa oder Morpheus hinter Namen wie „fox3j“ oder „soccerdog33“ verstecken. Die Identifizierung in einem sogenannten P2P-Netzwerk ist einfach: Jeder User hat eine spezifische IP-Adresse, über die eine Telefonverbindung oder ein Netzzugang ermittelt werden kann.

          Was bislang bekannt wurde, stellt die Ankündigung der RIAA in Frage, sie werde in den File-Sharing-Netzen vor allem nach Nutzern Ausschau halten, die große Sammlungen von MP3-Musikdateien zum Download bereitstellen. Statt dessen ist in den öffentlich gewordenen Vorladungen in Einzelfällen von nur fünf Musikstücken die Rede, die anderen Usern zum Tausch angeboten werden.

          Tauschbörsen reagieren mit neuer Software

          Die Vorladungen zwingen einige der größten Provider der Vereinigten Staaten und auch Universitäten, die Namen und E-Mail-Adressen von Personen herauszugeben. Der größte Internet-Provider der Vereinigten Staaten, AOL, scheint bisher nicht von den Klagen betroffen zu sein. Interessanterweise gehört auch die RIAA-Mitgliedsfirma Warner Music zum AOL-Konzern.

          Die Reaktion der Tauschbörsen blieb nicht aus. Für Kazaa werden im Internet bereits Software-Versionen angeboten, die RIAA den Weg zur IP-Adresse der Nutzer unmöglich machen sollen. Kazaa K++ und Kazaa Lite Version 2.4.0 versprechen ihren Nutzern die erhoffte Anonymität. Außerdem soll unkenntlich gemacht werden, wie viele Dateien ein User in den Tiefen seines Rechners zum Tausch anbietet.

          Neuer Gesetzentwurf im Kongreß

          An Abschreckung haben offenbar auch die amerikanischen Kongreßabgeordneten John Conyers und Howard Berman gedacht, deren jüngster Gesetzentwurf drakonische Strafen für Filesharer vorsieht. Von 250.000 Dollar Strafe für jede hochgeladene Datei träumen die strengen Demokraten, die bei fast 60 Millionen amerikanischen Nutzern der Online-Tauschbörsen wohl an nichts Geringeres als den Ausgleich des Staatshaushalts gedacht haben. Die ebenfalls angedachten Haftstrafen von maximal fünf Jahren für jeden Übeltäter würden jedoch gleichzeitig die Gefängnisse des Landes vor unlösbare Probleme stellen.

          Ganz so schlimm soll es jedoch auch nach dem Willen von Conyers und Berman nicht kommen. Ihr Gesetzentwurf namens „Author, Consumer and Computer Owner Protection and Security Act of 2003“, kurz ACCOPS genannt, solle ein Exempel statuieren. Und die Masse von ihrem Tun abbringen, bevor sie kriminalisiert werden.

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