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Internet : Bunte Tropenfische schwimmen von einem Computer zum anderen

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Virtuelles Aquarium: Fisch mit Steckbrief Bild: AP

Zwischen trockenen Bits und Bytes tummeln sich bunte Tropenfische in den weltweiten Datenströmen. Diese virtuellen Fische schwimmen von einem Computer zum anderen.

          Drückerfische, Zackenbarsche, Schmetterlings-, Clown- und Fledermausfische. Sie alle tummeln sich im Internet-Aquarium. Mit Hilfe einer ähnlichen Technik, wie sie die Musiktauschbörse Napster bekannt gemacht hat, können die virtuellen Fische in einer dreidimensionalen Meereslandschaft von einem Computer zum anderen schwimmen.

          Die kalifornische Software-Firma DALi (Distributed Artificial Life) hat ein Aquarium eingerichtet, das sich von den USA über Europa bis nach Japan erstreckt. Die virtuellen Fische sind dem wirklichen Leben in den Korallenriffen der indonesischen Inselwelt nachgebildet. Sie werden mit einem Mausklick erzeugt, schwimmen eine Weile auf dem Bildschirm herum und verschwinden dann zu einem anderen Computer, der über einen „Peer“ im Internet mit dem eigenen PC verbunden ist. Dieses „Peer-to-Peer-Netz“ (P2P) bildet sich immer neu - je nachdem, welche Computer gerade eine Internet-Verbindung laufen haben.

          Software noch nicht endgültig ausgereift

          Wer sich in die „DALiWorld“ begeben will, muss zunächst die Software herunterladen, die einschließlich der benötigten Java-Komponenten rund 12 MB groß ist. „Wir haben bisher mehr als 65.000 Downloads aus rund 100 Ländern registriert“, sagt DALi-Mitbegründer Scott Yara. Die Java-Software ist noch nicht endgültig ausgereift. Eine weitere Beta-Version soll es noch in diesem Jahr geben, ehe im nächsten Jahr die Vollversion fertig ist. Die Sicherheitsfunktionen von Java sollen es verhindern, dass die Fische heimtückische Viren übertragen.

          Jeder Fisch hat einen Pass“

          Nach dem Start des Programms wird automatisch die Verbindung zu anderen Peers gesucht - über diese zwei bis vier als Verbindungsrechner fungierenden Computer läuft die Interaktion mit den Fischfreunden in aller Welt: Da schwimmt ein Fledermausfisch schnell mal nach Singapur, dafür trifft aus der britischen Grafschaft West Sussex ein knallroter Zackenbarsch ein. Jeder virtuelle Fisch hat einen „Pass“, der unter anderem Auskunft gibt über Art, Geburtsdatum und Geburtsort.

          Man kann das Fenster zum Aquarium als Bildschirmschoner einrichten - das Meeresleben spielt sich dann weitgehend ohne Zutun des PC-Anwenders ab. Ebenso aber kann man auch alle Ecken des Aquariums erkunden, indem man die imaginäre Kamera mit den Cursor-Tasten über den Meeresgrund führt. Wohin ein Fisch im Datenstrom getragen wird, kann der DALiWorld-Teilnehmer nicht beeinflussen - das wird allein von Software-Algorithmen gesteuert.

          „Die künftigen Versionen der Software werden den Mitgliedern der DALiWorld noch mehr Möglichkeiten geben, um sich auszutauschen“, kündigt Yara an. Außerdem soll es mehr statistische Informationen zum Zustand der Unterwassergemeinschaft geben. Und die DALi-Entwickler wollen ihre Fische mit komplexeren Verhaltensweisen ausstatten.

          Die vier Firmengründer kommen aus der Forschung an Bereichen wie mobilen Software-Agenten, künstlicher Intelligenz oder vernetzten Gemeinschaften. Die DALiWorld soll den Fischfreunden in aller Welt weiterhin kostenlos zur Verfügung stehen. Geld verdienen will das Unternehmen mit Lizenzen für Unternehmen etwa der Computerspielbranche.

          Streng Deine Fantasie an“

          Die Teilnehmer des globalen Aquariums tauschen unterdessen in einem Diskussionsforum ihre Erfahrungen aus: Welche Lieblingsfische gibt es? Was war der älteste bisher aufgetauchte Fisch? Welcher Fisch hat die längste Reise hinter sich gebracht? Die Programmierer werden mit Wünschen eingedeckt: Die einen wollen unbedingt auch Tintenfische erleben oder mit Haien etwas mehr Action in die friedliche DALiWorld bringen. Ein Teilnehmer aus Deutschland schrieb: „Sehr eigenartig - aber was ist der Sinn des Ganzen?“ - und erhält als Antwort die Aufforderung: „Streng einfach Deine Fantasie an!“

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