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Internet : Auf der Suche nach den unbekannten Helfern von Madrid

  • Aktualisiert am

Helfer und Opfer am 11. März Bild: EFE

Sie sind sich nur kurz begegnet, aber die Umstände waren schicksalhaft: Menschen, die bei den Terroranschlägen in Madrid am 11. März verletzt wurden, suchen jene, die ihnen spontan geholfen hatten über Internet.

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          Die Seite ist denkbar einfach gebaut, und sie gibt in ihrer Schlichtheit Einblick in einzelne Schicksale der Terroranschläge vom 11. März. Einziges graphisches Element auf „www.quienmeayudo.com“ („Wer hat mir geholfen“) ist eine schwarze Schleife auf weißem Grund als Zeichen der Solidarität mit den 190 Toten und über 1900 Verletzten. Die Website dient auch nur dem einen Zweck: als Kontaktbörse für die Opfer und Retter des Blutbads von Madrid. In Form von Steckbriefen suchen Gerettete ihre Helfer - und umgekehrt.

          Wie eine Flaschenpost in ein virtuelles Meer hat die 17jährige Carolina ihre Botschaft an eine unbekannte Helferin ins World Wide Web geworfen: „Ich saß auf den Schienen ohne meine Schuhe, als ein Mädchen mich huckepack nahm und mich zu einer Mauer schleppte“, schreibt die junge Frau. Sie wurde bei einem der Attentate auf vier Nahverkehrszüge an den Beinen verletzt und bedient sich nun der neu eingerichteten Website, um ihre anonyme Samariterin zu finden: „Ich weiß noch nicht einmal, wie sie heißt und will mich einfach bei ihr bedanken.“

          Unbekannte Helfer inmitten des Chaos

          Wie der 17jährigen Carolina geht es zahlreichen Überlebenden der schlimmsten Anschläge der spanischen Geschichte. Der Augenblick des Schreckens hat Menschen für einen Moment zueinander geführt, die sich im nächsten Augenblick wieder aus den Augen verloren und nun wissen wollen, wem sie ihr Leben oder auch nur eine Geste der Hilfe inmitten von Hilflosigkeit und Chaos verdanken.

          Die 21jährige Zahira etwa hat bei einer der Bombenexplosionen ein Auge verloren, ihre linke Gesichtshälfte wurde praktisch zerfetzt. Das aber hat die junge Frau mit den „kastanienbraunen Haaren“ und dem „langen roten Mantel“ nur in dem Wunsch bestärkt, „den Mann mit weißem Bart und grünem Arbeitsoverall“ zu finden, der ihr aus einem zerstörten Zugwaggon half und ihr damit womöglich das Leben rettete.

          „Was wohl aus Susana geworden ist?

          Die Filmproduzentin Beatriz Caravaggio will mit ihrer Website Menschen zueinander bringen, die einen entscheidenden Moment ihres Lebens miteinander teilen und doch nichts voneinander wissen. Das Internet bietet ihnen dafür eine ideale Gelegenheit, bei der sie zugleich ihre Anonymität nicht aufgeben müssen. „Das hilft ihnen auch psychologisch“, sagte Caravaggio der spanischen Tageszeitung „El Mundo“.

          Ebenso wie die Verletzten sind auch die Helfer gespannt auf das Schicksal der Geretteten. „Was wohl aus Susana geworden ist? Ich muß immer wieder an sie denken“, schreibt eine 26jährige von 1,55 Metern Größe mit „Strähnchen im braunen Haar“. Susana sei eine „schlanke Frau mit schulterlangem kastanienbraunen Haar“, die bei dem Anschlag ihre Brille und ihre Schuhe verloren habe.

          Eine virtuelle Kerze entzünden

          Auch für diejenigen, die nicht direkt in die Anschläge verwickelt waren, und die dennoch großen Anteil nehmen an den Schicksalen der Betroffenen, hat das World Wide Web inzwischen eine Plattform parat: Auf „www.enciendeunavela.tk“ haben seit dem 11. März bereits mehr als 67.000 Menschen eine virtuelle Kerze für die Opfer und ihre Angehörigen angezündet. Einziges graphisches Element ist ein schwarzer Trauerflor vor dem Hintergrund der spanischen Flagge.

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