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Internationaler Aberglaube : Freitag, der 13.

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Die Furcht ist lokal beschränkt Bild: dpa/dpaweb

Heute ist er wieder da: der Fürchte-Tag. Viele Deutsche haben Angst. Abergläubische in anderen Ländern bleiben dagegen gelassen. In Spanien etwa, wo man stattdessen den Dienstag fürchtet. Und in Israel. Dort gilt die 13 gar als Glückszahl.

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          Heute ist es wieder soweit: Freitag, der 13., verbreitet Angst und Schrecken unter den Abergläubischen. Manche haben eine solche Angst vor dem Datum, daß sie sich gar nicht erst aus den vier Wänden trauen. Psychologen haben für die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13., einen zungenbrecherischen griechischen Fachterminus gefunden: Paraskavedekatriaphobie. Witzbolde sagen, wer den Begriff fehlerfrei aussprechen könne, der sei schon deswegen gegen jedes Datumsunglück gefeit.

          Statistische Gründe für die Angst vor dem Tag gibt es nicht. Man hat das wissenschaftlich untersucht und keinerlei Belege dafür gefunden, daß sich Unfälle oder andere Widrigkeiten häuften. Es darf aber angenommen werden, daß sich Abergläubische nur am Rande mit beruhigenden Statistiken befassen. Glaubt man Volkskundlern, dann sind der Freitag und die Zahl 13 erst vor etwa fünfzig Jahren zum Unheilsbringer kombiniert worden. Zudem habe der Freitag noch vor etwa achtzig Jahren im Norden Deutschlands anders als im Süden als Glückstag gegolten.

          Der schlechte Ruf des Freitags und der Zahl 13 hat im christlichen Kulturkreis religiöse Hintergründe. An einem Freitag wurde Jesus gekreuzigt, und beim Letzten Abendmahl war die dreizehnte Person der Verräter Judas. In anderen Regionen der Erde kennt man den Unglücksfreitag nicht, doch Abergläubische gibt es fast überall.

          Johannesburg

          Nicht Daten sind es, die Afrikanern Unglück bringen können, sondern Umstände. Davon gibt es indes derart viele, daß man sich fragt, wie die Menschen es eigentlich schaffen, jeden Morgen unbeschwert das Haus zu verlassen. Hat in der Nacht zuvor etwa eine Katze lange miaut, bedeutet das den baldigen Tod eines Verwandten. Zudem fürchten Afrikaner eine Begegnung mit sogenannten Wiederkehrenden - auferstandenen Toten. Eine solche Bekanntschaft der dritten Art kann sich übrigens jederzeit und überall ereignen.

          Gegen die Zombies und alles andere potentiell Bedrohliche schützt nur guter alter Voodoo-Zauber in Form eines „Gri-Gri“ genannten Glücksamuletts. Die kleinen Lederbeutel mit solch appetitlichen Inhalten wie zermahlenem Hühnerschnabel, Ziegenblut oder mysteriösen Kräutern werden von „Marabouts“ genannten Zauberern entweder passend zum Anlaß oder gleich als Breitband-Antibiotikum gegen alle Unbilden dieser Welt angefertigt. Es gibt Afrikaner, die hängen sich jeden Morgen dreißig Amulette um den Hals. Ob sie wirken? Und wie! Der Autor dieser Zeilen besitzt ein spezielles Gri-Gri gegen Autodiebe, das unübersehbar am Rückspiegel baumelt und jedem, der Hand anlegen sollte, Verdammnis garantiert. Seither kann er den Zündschlüssel getrost steckenlassen.

          Jerusalem

          Im israelisch-jüdischen Kalender gibt es „Freitag, den 13.“ nicht. Er ist kein Unglückstag. Eher gilt die 13 den religiösen Juden als eine gute Zahl. Sie symbolisiert den Namen Gottes, so wie die Eins für den Einzigen Gott gesehen wird oder die Sieben für den Schabat, die Tage der Woche und die Zahl der Planeten. Von den Wochentagen her gilt der Dienstag, der dritte Tag der Woche, als geheiligt, denn im Schöpfungsbericht des Moses sah der Schöpfer zweimal an diesem Tag, daß sein Werk gut, also gesegnet sei - bei der Erschaffung der Erde und der Erschaffung der Pflanzen. Darum nehmen jüdische Paare diesen doppelt gesegneten Dienstag gern als Hochzeitstag.

          Buenos Aires

          In Argentinien ist Dienstag, der 13., der Unglückstag. Da sollte, wer glaubt, ein Unglücksrabe zu sein, keine Reisen unternehmen, schon gar nicht mit Schiff oder Flugzeug. Vor allem sollte man nicht heiraten. Ein Paar, das trotzdem an einem Dienstag, dem 13., heiraten will, wird auf dem Standesamt ausdrücklich gefragt, ob es denn abergläubisch sei, ob man sich wirklich an einem solchen Tag das Jawort geben wolle.

          Madrid

          Auch in Spanien ist der Dienstag der Unglückstag. Der Freitag, auf Spanisch „viernes“, ist der Tag der Liebesgöttin Venus und schon aus diesem Grund als Pechtag ganz und gar ungeeignet. Besser ist der Dienstag, „martes“, der Tag des Kriegsgottes Mars. So hat sich auf der Iberischen Halbinsel die Kombination „Dienstag und 13“ als besonders fatal eingebürgert. Zahlreiche Sprichworte geben entsprechende Verhaltensregeln. Zum Beispiel: „En martes y trece, ni te cases ni te embarques.“ An einem Dienstag, dem dreizehnten, heirate nicht und schiffe dich auch nicht ein.

          Jakarta

          Wenn im javanischen Kalender der „Kliwon“-Tag auf einen Freitag fällt, verfallen viele abergläubische Indonesier in Panik. Die bösen Geister, heißt es, sind an diesem Tag besonders mächtig. Nach Erzählungen javanischer Ureinwohner versuchen die Geister dann, in die Körper von Menschen zu gelangen. Dementsprechend vorsichtig sind die Indonesier mit wichtigen Stationen im Leben: Geheiratet wird an diesem Tag nie. Auch andere Feierlichkeiten finden nicht statt. Wird ein Kind an einem „Freitags-Kliwon“ geboren, wird ihm ein Leben lang nachgesagt, besonders aufbrausend zu sein. Sogar die Tiere sollen sich an diesem Tag auf Java anders verhalten als sonst. Viele Hunde bellen die ganze Nacht hindurch. Unglücklicherweise findet der „Kliwon“ mehrere Male im Monat statt - mindestens einmal fällt er immer auf einen Freitag. Auch an diesem Freitag.

          Tokio

          Freitag, der 13., hat in Japan reichlich Konkurrenz. Die Kalender geben Aufschluß über „schlechte“ und „gute“ Tage. Nichts ist besser für einen wichtigen Termin, Geschäftsabschluß und vor allem für eine Hochzeit als der „Taian“ (der große Friede), der im Sechstagerhythmus des alten chinesischen Mondkalenders wiederkehrt und nicht nur Abergläubischen als echter Glückstag gilt. Für alle wichtigen Entscheidungen und Termine gemieden wird dagegen der „Butsumetsu“ (“Buddhas Tod“), ein wahrer Unglückstag, der sich traditionell eigentlich nur für Trauerfeiern eignet. Manche ganz Verwegenen nutzen allerdings gerade diesen Tag für ihre Heirat, denn dann gewähren Standesämter und Hochzeitsveranstalter enorme Preisnachlässe.

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