https://www.faz.net/-gum-30nf

Internationale Raumstation : Vermarktung der ISS soll Europäern jährlich 84 Millionen Euro bringen

  • Aktualisiert am

Besonders in Zeiten, in denen die Amerikaner sparen wollen, setzt Europa auf Kooperation mit Firmen.

          2 Min.

          Die Internationale Raumstation könnte in einigen Jahren Autodieben das Handwerk legen. DaimlerChrysler erprobt eine Technik, die einen gestohlenen Wagen per Funksignal aus dem Weltraum orten und stilllegen kann, wie der Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jörg Feustel-Büechl, in einem Interview am Freitag in Paris sagte.

          „Es laufen schon Gespräche mit den Versicherungen über niedrigere Prämien.“ Mit solchen industriellen Anwendungen, Sponsoring und Werbung will die Esa fast ein Drittel der 280 Millionen Euro aufbringen, die die Europäer jährlich für den Betrieb der Raumstation zahlen müssen. Jüngst sei mit der Firma Intospace ein erster Fünf-Millionen-Euro-Vertrag abgeschlossen worden, sagte Feustel-Büechl, der bei der Esa für die ISS zuständig ist. „Das sind jetzt unsere Marketingleute.“ Intospace versuche, der Industrie Experimente auf der ISS schmackhaft zu machen.

          Werbefilme als Gedlquelle

          Auch das Abdrehen von Werbefilmen im All oder Astronauten-Sponsoring seien denkbar, unterstrich der Esa-Direktor. Es komme aber auf das Produkt an: '“Ich nehme im Orbit nur das Parfüm X oder nur Unterhosen der Firma Y' - da ist eine Grenze überschritten.“ Die Europäer, Russland, Kanada, Japan und die USA hätten beschlossen, die ISS zu einer Marke aufzubauen und gemeinsam zu vermarkten, „so wie das Olympische Komitee seine Ringe gegen Bezahlung Sponsoren für Werbezwecke überlässt“.

          Große Hoffnung setze die Esa auf das Astronauten-Sponsoring, bei der ein Unternehmen ein Experiment im All finanziell unterstützt und später damit werben darf. Auch Firmenlogos auf Raumanzügen und an Bord der ISS seien kein Tabu. Die Europäer würden auch Raumfahrttouristen in die Weltraumstation mitnehmen, sagte Feustel-Büechl. Doch habe man leider kein eigenes Transportmittel und müsse selber bei den Russen mitfliegen.

          Funkuhren und Stadortbestimmung

          Bereits in wenigen Wochen wird seinen Angaben zufolge auf der ISS ein Experiment einer kleinen schwäbischen Firma, des Steinbeiß-Instituts, in Betrieb genommen, die eine Technik zur weltweiten Synchronisation von Funkuhren entwickelt hat. „Normale Atomuhren funktionieren nur im Umkreis von 1.000 Kilometer um den Sender in Braunschweig“, erläuterte der Esa-Direktor. „Mit der neuen Technik stellt sich Ihre Uhr beim Flug in die USA automatisch um.“

          Beim „Global Time System“ (GTS) empfängt ein Chip Signale von der ISS, sendet aber im Unterschied zum „Global Positioning System“ (GPS) auch selber Daten. „Es gibt fantastische Anwendungsmöglichkeiten“, schwärmte Feustel-Büechl. Neben dem Einbau in Autos zur Diebstahlsicherung sei auch ein Einsatz in Kreditkarten denkbar: „Wenn meine Karte gestohlen wird, dann kam man sie mit einem Knopfdruck sperren.“

          Weitere Themen

          Walforschung per Drohne Video-Seite öffnen

          Bahnbrechende Erkenntnisse : Walforschung per Drohne

          Nach Aussage eines Forschers der Universität von Hawaii sind auf diesem Weg neue Erkenntnisse gewonnen worden, denn die Aufnahmen lassen eine ganz neue Sicht auf das Verhalten der Meeressäuger zu.

          Topmeldungen

          Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Mike Pence, wird nicht beim Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump kooperieren.

          Trump-Impeachment : Giuliani und Pence verweigern Kooperation

          Die beiden Vertrauten von Präsident Trump sehen sich durch die Verfassung geschützt und lassen eine Frist zur Vorlage von Dokumenten in der Ukraine-Affäre verstreichen. Den Amtsenthebungsprozess betrachtet Giulianis Anwalt als eine „verfassungswidrige, grundlose und illegitime Untersuchung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.