https://www.faz.net/-gum-6mj4x

Internationale Raumstation (ISS) : Im All wird eine Wohnung frei

  • -Aktualisiert am

Die Raumstation ISS beherbergt derzeit sechs Astronauten, die bis November nach Hause zurückkehren sollen Bild: dpa

Nach dem Absturz eines Weltraumfrachters hat die russische Weltraumbehörde Roskosmos beschlossen, zunächst keine weiteren Sojus-Raketen zur Internationalen Raumstation (ISS) zu schicken. Daher könnte sie bereits im November leerstehen.

          2 Min.

          Die Internationale Raumstation (ISS) ist schon seit fast zehn Jahren ununterbrochen bewohnt – nun könnte sie von November an leer stehen. Die russische Weltraumbehörde Roskosmos hat nämlich entschieden, alle geplanten Starts von Sojus-Raketen so lange auszusetzen, bis die Ursachen für den Absturz eines Weltraumfrachters vom Typ Progress in der vergangenen Woche geklärt sind.

          Die Sojus-Raketen und die gleichnamigen Kapseln an ihrer Spitze sind derzeit die einzigen Vehikel, mit denen Raumfahrer zur ISS gelangen können – seitdem im Juli auch die letzte amerikanische Raumfähre außer Dienst gestellt wurde.

          Eine Rakete für alles

          Mit den dreistufigen Sojus-Raketen hat Russland schon seit Jahren zuverlässig zum Bau und zur Versorgung der ISS beigetragen. Mehr als 40 unbemannte Frachtschiffe verschiedener Varianten des Typs Progress flogen an der Spitze der Raketen zu Rendezvous mit der ISS in den Weltraum. Außerdem trugen die Sojus-Raketen all jene Sojus-Kapseln in den Orbit, in denen die Langzeitbewohner der ISS an der Raumstation anlegten. Die Sojus-Kapseln dienen auch als Rettungsboote, in denen die Bewohner der ISS zur Erde zurückkehren können, wenn lebenswichtige Aggregate an Bord der Raumstation ausfallen sollten.

          Das war einmal: Vorerst sollen keine Sojus-Raketen mehr zur Raumstation ISS fliegen
          Das war einmal: Vorerst sollen keine Sojus-Raketen mehr zur Raumstation ISS fliegen : Bild: dpa

          Am vergangenen Mittwoch gelang es einer Sojus-Rakete, die vom Weltraumbahnhof nahe der kasachischen Stadt Baikonur gestartet war, aber nicht, einen mit fast drei Tonnen Versorgungsgütern für die ISS beladenen Progress-Frachter in eine Umlaufbahn zu tragen. Vielmehr stürzte der Satellit über der sibirischen Taiga ab. Nach einer ersten Untersuchung führte ein technisches Versagen der dritten Stufe der Sojus-Rakete zum Absturz. Weil diese Raketenstufe baugleich auch bei allen bemannten Flügen eingesetzt wird, entschieden die Ingenieure von Roskosmos, zunächst alle weiteren Starts von Sojus-Raketen auszusetzen. Die Fachleute wollen herausbekommen, ob es sich um ein einmaliges Versagen oder um einen möglichen systematischen Fehler in der dritten Raketenstufe handelt.

          Astronauten kehren nacheinander nach Hause zurück

          Zu den ausgesetzten Flügen gehört auch der für den 21. September vorgesehene Start der nächsten ISS-Besatzung, die aus drei Raumfahrern besteht. Selbst wenn die Ursachen der Havarie der dritten Stufe schnell gefunden und korrigiert werden, kann die Crew frühestens Ende Oktober, wahrscheinlich aber erst Wochen später starten. Bis dahin werden aber jene sechs Astronauten, die sich derzeit an Bord der Raumstation aufhalten, die ISS verlassen haben.

          Am 16. September werden nämlich der gegenwärtige Kommandant der ISS, der Russe Andreij Borissenko, zusammen mit dem amerikanischen Flugingenieur Ronald Garan und seinem russischen Kollegen Alexander Samokutajew, zur Erde zurückkehren. Anfang November folgen der russische Kosmonaut Sergeij Wolkow, der Amerikaner Michael Fossum und der Japaner Satoshi Furukawa.

          Einen Knopfdruck ins All

          Es gibt zwar genügend Lebensmittel und Wasservorräte an Bord, mit denen die sechs Astronauten ohne größere Einschränkungen bis zum März in der Station leben und arbeiten könnten. Die Sojus-Kapseln, in denen sie zur Erde zurückkehren, dürfen aber nicht länger als acht Monate im Weltraum verbleiben.

          Für eine komplette Bemannung der ISS sind sechs Astronauten nötig, in der Vergangenheit war die Raumstation aber auch mit einer Besatzung von zwei Personen betrieben worden. Wenn es nicht gelingen sollte, bis zur Rückkehr der letzten drei ISS-Bewohner eine neue Mannschaft auf den Weg zu bringen, wird die verwaiste ISS von den beiden Kontrollzentren in Moskau und in Houston aus per Fernbedienung unterhalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Naturschutz vs. Tourismus : Der Wald ist voll

          Harald Löschner und Robert Carrera lieben beide den Wald. Das hat sie zu erbitterten Gegnern gemacht. Der eine will die Menschen ins Herz des Taunus-Walds führen – der andere will sie von dort fernhalten.
          Baerbock entschuldigte sich dafür, das N-Wort „reproduziert“ zu haben.

          Baerbock und das N-Wort : Moralische Panik

          Bei den Grünen meint man: Auch wer im Sinne des Anti-Rassismus spricht, verbreitet Rassismus weiter, wenn er Rassismus zitiert. Wer den Kontext aus der Sprache verbannen will, unterscheidet sich allerdings nicht von islamischen Fundamentalisten.
          Überall Flatrate und angeblich alles günstig: Wer hat bei diesen Prospekten der Mobilfunkanbieter noch den Durchblick?

          Mobilfunk : Durchblick im Tarifdschungel

          Immer mehr Mobilfunkangebote sprießen aus dem Boden, wie die neuen Jahrespakete einiger Lebensmitteldiscounter. Das Angebot ist verwirrend. Wir bringen Licht ins Dunkle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.