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Internationale Raumstation : Der Astronaut isst russisch

  • Aktualisiert am

Ab jetzt Borschtsch statt Pizza Bild: dpa

Nach dem Absturz der „Columbia“ transportieren nur noch russische Raketen Nahrung zur Internationalen Raumstation ISS. Jetzt gibt es statt „national getrennten“ Mahlzeiten nur noch russische Kost.

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          Auf der Internationalen Raumstation ISS brechen russische Zeiten an. Mahlzeiten vielmehr. Denn nach der Katastrophe der US-Raumfähre „Columbia“ und der vorübergehenden Einstellung aller Shuttle-Flüge werden die Astronauten an Bord der ISS ausschließlich von russischer Seite versorgt. Und das bedeutet, dass die ISS- Besatzung mit den Progress-Raumfrachtern nur russische Nahrungsmittel erhält. Wurden bisher die täglichen Menüfolgen „national halbiert“, also zwei Mal russisches und zwei Mal amerikanisches Essen pro Tag, so dominieren jetzt die kyrillischen Schriftzeichen den Speiseplan im All.

          Vorbei sind vorerst die Zeiten, in denen die amerikanischen Besatzungsmitglieder mit Stolz ihr speziell für das All zubereitetes Beefsteak und Fruchtpunsch verteilten. Stattdessen stehen jetzt traditioneller russischer Borschtsch - Suppe mit Roter Bete und Fleisch - und schwarzer russischer Tee auf dem Speiseplan. Dazu gibt es noch Schwarzbrot und Tworog - süßen Quark mit Nüssen - sowie Fischkonserven aus Sankt Petersburg.

          Russische Raum-Speisefabrik arbeitet auf Hochtouren

          Insgesamt 80 verschiedene Produkte stellt der Raumfahrt-Betrieb in Birjulew bei Moskau speziell zum Verzehr im All her. Jetzt muss der Betrieb auf Hochtouren arbeiten, gilt es doch, die drei einsamen Männer im All alleine zu versorgen. Jeder Astronaut verzehrt täglich 1,6 Kilogramm Lebensmittel, erklärt Alexander Agurajew, Leiter des für Raumfahrer zuständigen medizinisch-biologischen Instituts. Die Kosten für eine Tagesration in der Umlaufbahn werden mit 100 Dollar beziffert - ohne Transport, natürlich.

          Fast zwei Tonnen Lebensmittel müssen pro Jahr zur Raumstation geschafft werden. Diese Aufgabe, die bisher zwischen den Shuttles und den Progress-Raumfrachtern geteilt wurde, übernimmt jetzt allein die russische Raumfahrtagentur Rosawijakosmos. Dass die NASA amerikanisches Essen zum Weltraumbahnhof Baikonur bringen lässt, wird auf russischer Seite mit Hinweis auf „juristische Probleme“ ausgeschlossen. Schließlich hat die russische Bürokratie selbst bei normalen Lebensmittelimporten für den allgemeinen Verbrauch zum Schutz der heimischen Produkte fast perfekte Hürden aufgebaut.

          Reserven für mindestens 30 Tage

          Hunger müssen die ISS-Bewohner sicher nicht leiden. Selbst eine Verzögerung beim nächsten Start eines Versorgungsschiffes würde im All ohne Probleme überstanden, schließlich befinden sich in den Speisekammern der ISS Notreserven für 30 Tage. „Das einzige, das den Raumfahrern fehlen dürfte, ist frisches Obst und Gemüse“, meint Agurajew. Doch Äpfel, Apfelsinen oder Gurken gehörten ohnehin nicht zum täglichen Speiseplan. Die leicht verderblichen Lebensmittel seien meist nur in geringen Mengen ins All gebracht worden - 10 Kilogramm im amerikanischen Shuttle oder 25 Kilogramm im russischen Frachter.

          Diese Veränderungen in der Bordküche der ISS haben zumindest auf der Erde auf russischer Seite ein Gefühl nationalen Stolzes geweckt. Marina Solowa, Leiterin des Betriebs in Birjulew, bringt dies im Gespräch mit der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ gar auf einen patriotischen Punkt. „Insgesamt haben wir (mit unserem Essen für Raumfahrer) die USA nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt.“

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