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Internationale Raumstation : Außenposten der Menschheit im Weltraum

  • -Aktualisiert am

Forschen unter Weltraumbedingungen - an Bord der Internationalen Raumstation testen Wissenschaftler zum Beispiel wie Kochen ohne Schwerkraft wachsen.

          3 Min.

          Die Internationale Raumstation ISS gleicht einem Puzzle. Die Einzelteile kommen nacheinander ins All und werden dort zusammengesetzt. Aus zehn Modulen entsteht ein Weltraum-Forschungszentrum. Dort sollen internationale Forscher zusammen an wichtigen wissenschaftlichen Fragen tüfteln, neue Technologien ausprobieren und an sich selbst beobachten, wie Weltraum auf den Menschen wirkt.

          Die internationale Zusammenarbeit hat aber schon lange begonnen, wenn die erste Crew auf der ISS ankommen ist. An der insgesamt rund 195 Milliarden Mark teuren Raumstation arbeiten 15 Nationen. Amerika und die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa haben 80 Milliarden Dollar investiert, in Basis-Entwicklung, zwei der Forschungsmodule, das Wohnmodul, die Verknüpfungspunkte und das Sonnensegel. Das amerikanische Space-Shuttle versorgt die Station. Aus Russland kommen zwei weitere Forschungsmodule, ein Wohnmodul, der zentrale Block der Station sowie die Energieversorgung für insgesamt rund 10 Milliarden Dollar. Europas Weltraumbehörde Esa liefert das Columbus Forschungs-Modul, eine Steuerungseinheit sowie zwei Raumfahrzeuge. Deutschland beteiligt sich zu rund 40 Prozent an den europäischen Programmen. Viele der Gerätschaften werden bei der Firma Astrium in Bremen konzipiert und gebaut. Europa kooperiert außerdem mit Japan und Kanada am Roboterarm-System. Japan schickt ein weiteres Labormodul zur ISS.

          Internationale Zusammenarbeit im All

          Auf 45 Montageflügen setzen Maschinen und Mensch die 80 Fertigbauteile zur Internationalen Raumstation zusammen. Sie hat dann eine Spannweite von 108,6 Metern, ist 79,9 Meter lang und 88 Meter breit. Sie wiegt 450 Tonnen und fliegt etwa 400 Kilometer über der Erde. In 90 Minuten umrundet die ISS die Erde einmal, das entspricht einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde. Das fliegende Forschungslabor sollte ursprünglich zwischen 2003 und 2013 arbeiten. Nach Verzögerungen beim Bau, die den Start auf frühestens 2005 verschieben hoffen die Bauherren darauf, dass die Station ebenso wie die russische MIR und die amerikanische Jupitersonde Galileo länger hält als geplant.

          Experimente im Weltraum

          Im Weltraum herrschen Bedingungen, die auf der Erde nur unter großem technischen und finanziellem Aufwand realisierbar sind. Deshalb sollen die Forscher auf der ISS Experimente machen, die ohne Schwerkraft leichter durchzuführen sind, oder die den Einfluss der Gravitation untersuchen: Wie wachsen Moleküle, Zellen und Strukturen ohne die Kraft, die auf der Erde die Äpfel immer nach unten fallen lässt? Diese Fragen wirken sich auf die Materialforschung genauso aus wie auf die Medizin. Reinere Kristalle, die ohne Störungen durch die Schwerkraft wachsen können, könnten genauere Geräte auf der Erde zur Folge haben. Das bessere Verständnis des Wachstums von Knochen oder Zellen könnte Kranken helfen.

          Außerdem soll die Raumstation den Astronomen neue Erkenntnisse über Struktur und Eigenschaften des Universums bringen. Von ihr aus können Teleskope das All betrachten, ohne durch die Atmosphäre hindurchschauen zu müssen. Die Besatzung schaut aber nicht nur nach oben, sondern betrachtet von der ISS aus auch die Erde und untersucht dabei Erdatmosphäre, Klima, Bodenschätze und Nahrungsreserven. Dabei soll die Interaktion zwischen Atmosphäre und kosmischer Strahlung besser erforscht werden.

          Die ISS soll auch klären, wie viel der Einsatz von Satelliten in der Kommunikationstechnologie nutzt. Nicht nur die grundsätzlichen Möglichkeiten werden getestet, Geräte können an Bord der Raumstation auch über längere Zeit getestet werden. Dabei können die Forscher Verschleißteile erkennen und Schwachpunkte finden. Schon die regelmäßigen Flüge verschiedener Raumfahrzeuge zur Station sind ein Test, wie Transport im All am besten funktioniert.

          Leben im All

          Aber nicht nur forschen sollen die Wissenschaftler. Sie sollen dort auch leben und am eigenen Leib ausprobieren, wie langer Aufenthalt im Raum auf den menschlichen Körper wirkt. Dazu schickt die Esa so etwas wie ein Fitnessstudio mit in den Raum. Dort sollen die Körperfunktionen der Astronauten und die Auswirkungen der Schwerelosigkeit überprüft werden. Es soll auch geklärt werden, ob in den extremen Bedingungen des Weltraums Mikroben leben und wie sie wirken können. Besonders wichtig ist das den Amerikanern, die einen bemannten Flug zum Mars starten wollen - allein der Hinflug würde ein halbes Jahr dauern.

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