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Insolvenz : Dem Eurospeedway Lausitz geht der Sprit aus

  • -Aktualisiert am

"Arbeitsplätze bleiben vorerst erhalten": SPD-Abgeordneter Heiko Müller Bild: dpa

Der Rennstrecke Lausitzring droht ein schnelles Aus. Gerade mal zwei Jahre nach der Eröffnung meldete die Betreibergesellschaft Insolvenz an.

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          „Glück auf, Lausitzring“, rief Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) im August 2000. Damals eröffnete er auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohletagebaus bei Senftenberg im Süden des Landes den Eurospeedway Lausitz, Europas modernste Rennstrecke und ein Prestigeobjekt für die Landesregierung. Noch keine zwei Jahre später geht dem Lausitzring allmählich der Sprit aus. Die Besitzer und die Betreiber des Rings meldeten am Donnerstag beim Amtsgericht Cottbus Insolvenz an. Damit erreichte die Krise der verlustreichen und umstrittenen Rennstrecke in Südbrandenburg nach einem langen Streit der Anteilseigner ihren vorläufigen Höhepunkt.

          Betroffen von der Insolvenz der Besitz- und der Betriebsgesellschaft des Eurospeedway Lausitz sind 48 Mitarbeiter. Zum Glück nur 48. Denn nach den Plänen der Lausitzring GmbH KG und der Verwaltungsgesellschaft Lausitz Eurodrom sollten inzwischen längst 1.500 Menschen auf und rund um den Kurs ihr Geld verdienen.

          Dem Hauptgesellschafter, der zur Bankgesellschaft Berlin gehörenden Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG), läuft nun die Zeit davon. Der Betrieb von Rennstrecken gehört nicht gerade zum Kerngeschäft der selbst angeschlagenen Bankgesellschaft. Noch in diesem Jahr würde die IGB den Lausitzring gerne loswerden. Dazu strebt die GmbH allerdings einen alleinigen Besitz an. Zuletzt hatte angeblich der englische Sportrechtevermarkter Octagon Interesse an einer Übernahme angemeldet. Auch die International Speedway Cooperation war im Gespräch. Die Verhandlungen liefen aber wegen der komplizierten Gesellschafterstruktur erfolglos.

          Dekra will Anteile behalten

          Aber der technische Überwachungsverein Dekra (Stuttgart) als Mitgesellschafter will seinen Anteil (10 Prozent) nicht für den symbolischen Preis von einem Euro abgeben. Die Dekra errichtet derzeit für 26 Millionen Euro ein Technologiezentrum am Ring, das im Herbst eröffnet werden soll. 70 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Wir haben ein vitales Interesse, Gesellschafter zu bleiben“, unterstrich das Unternehmen in einer Mitteilung. Die Gespräche über eine Übergabe der Anteile am Lausitzring scheiterten also abermals am Mittwoch. Dabei hat der dritte Gesellschafter, der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, die Übergabe seines Anteils (20 Prozent) für den symbolischen Euro längst beschlossen, „um das Sanierungskonzept auf den Weg zu bringen“, so Landrat Holger Bartsch. Eine verfahrene Situation, die nun der Insolvenzverwalter klären soll. Mit seinen Befugnissen könnte er die Dekra vielleicht doch zum baldigen Umdenken bewegen.

          Die Landesregierung hofft trotz des Insolvenzverfahrens auf einen nahtlosen Weiterbetrieb auf der Rennstrecke. „Es ist wichtig, dass der Insolvenzverwalter die Gespräche für eine Übernahme durch internationale Kaufinteressenten nicht abreißen lässt“, teilte Brandenburgs stellvertretender Regierungssprecher Manfred Füger mit. Der Druck auf dem Land ist enorm: Brandenburg förderte das Prestigeobjekt (Gesamtkosten rund 158 Millionen Euro) mit 122 Millionen Euro. Ein Antrag auf weitere Förderung (10,3 Millionen Euro) wegen der angespannten Finanzsituation liegt beim Finanzministerium.

          Lausitzring kam nie aus dem Schlagzeilen

          Dabei kam der im August 2000 eröffnete „Euro Speedway Lausitz“ nie aus den Schlagzeilen. Zwei Todesfälle auf der Strecke im Frühjahr 2001, häufig schlechtes Wetter bei den Veranstaltungen und Verkehrsprobleme wegen schlechter Zufahrtsstraßen kratzten an dem Image. Noch vor Kurzem kündigten die Betreiber für das Jahr 2003 das Erreichen der Gewinnzone an. Davon ist der Kurs derzeit weit entfernt.

          Veranstaltungen finden statt

          Die Zukunft des „Eurospeedways“ liegt nun in der Hand der Insolvenzverwalters, der sich Mitte nächster Woche über das weitere Vorgehen äußern will. Die in nächster Zeit geplanten Veranstaltungen sind von dem Insolvenzantrag „wahrscheinlich“ nicht betroffen, teilte Marc-Thorsten Lenze, Sprecher der Betriebsgesellschaft, mit. Der ADAC Berlin-Brandenburg teilte gleich nach der Bekanntgabe der Insolvenz mit, dass Veranstaltungen auf dem Ring wie der Lauf der Deutschen Tourenwagen Masters am 12. bis 14. Juli und die Truck-Grand-Prix vom 18. bis 20. Oktober auf jeden Fall wie geplant stattfinden.

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