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Korruption am spanischen Hof : Des Königs peinliche Schwester

  • -Aktualisiert am

Cristina und ihr Mann Inaki Urdangarin am Montag in Genf Bild: Europa Press via Getty Images

Nur sechs Tage nach seiner Proklamation wird König Felipe mit der ersten großen Peinlichkeit konfrontiert: Der Ermittlungsrichter im Korruptionsfall, in den Infantin Cristina verstrickt sein soll, will die Schwester des Königs vor Gericht stellen.

          Die politischen Flitterwochen des neuen spanischen Königs Felipe VI. dauerten nicht einmal eine Woche. Sechs Tage nach seiner Proklamation wurde er am Mittwoch schon mit der ersten großen Peinlichkeit konfrontiert: Ermittlungsrichter José Castro, der seit mehr als drei Jahren den Korruptionsfall „Noos“ untersucht, schloss seine Arbeit ab und teilte mit, dass die Schwester des Monarchen, Infanta Cristina, und ihr Mann Iñaki Urdangarin wegen eines Bündels von Steuerverstößen, Geldwäsche und anderen Delikten vor Gericht gestellt werden sollten. Das Königshaus beschränkte sich in einer ersten Reaktion auf den knappen Kommentar, dass es „die Unabhängigkeit der Justiz voll respektiert“.

          Es hatte alles so gut angefangen. Die Umfragen wurden günstiger. Das neue Königspaar traf nach den Zeremonien um die „Krönung“ symbolträchtig zuerst mit Opfern des Terrorismus, vor allem des baskischen, zusammen. Bei ihrem zweiten Termin zeigten der König und Königin Letizia ein demonstrativ modernes Gesicht, als sie in einen Empfang für mehrere hundert Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen – unter ihnen die Caritas und Helfer von Rauschgiftsüchtigen – zum ersten Mal auch Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle einbezogen und von diesen dafür sehr gelobt wurden.

          Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch an

          Und nun fuhr ihnen dieser hartnäckige Richter aus Palma de Mallorca zumindest indirekt in die Parade, indem er nachhaltig an zwei Steuererklärungen der Herzöge von Palma aus den Jahren 2007 und 2008 Anstoß nahm. Die Indizien rechtfertigten eine Anklage, sagt er, obwohl der zuständige Staatsanwalt Pedro Horrach ganz anderer Meinung ist und noch am Mittwoch sagte, die Infantin werde „ungerecht“ behandelt. Die konkreten Vorwürfe von Steuervergehen und Geldwäsche seien in ihrem Fall nicht stichhaltig. Sie werde nur beschuldigt, weil „sie ist, wer sie ist“. Sowohl der Staatsanwalt als auch die Verteidiger der Urdangarins kündigten Einsprüche an. Der Gerichtshof von Mallorca muss nun über das weitere Verfahren entscheiden.

          Als Hauptbeschuldigte stehen derweil unverändert der ehemalige Handballprofi und sein Geschäftspartner Diego Torres im Mittelpunkt. Sie sollen durch Aufträge der Regierungen der Balearen und der Region Valencia, Sport- und Werbeveranstaltungen auszurichten, Millionen öffentlicher Gelder ergaunert haben. Dies geschah über die angeblich „gemeinnützige“ Stiftung Noos, aus der hohe Beträge eben in private Taschen flossen. Urdangarin und Torres wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Prozess gemacht werden.

          Im Fall von Cristina geht es um einen Nebenschauplatz

          Im Fall der Cristina von Bourbon geht es um einen Nebenschauplatz. Sie und ihr Mann hatten eine gemeinsame Firma namens „Aizoon“ gegründet, an der jeder zu fünfzig Prozent beteiligt war, und in die ziemlich großzügig auch Noos-Gelder umgeleitet wurden. Die Infantin beteuerte zwar bei einer sechsstündigen Vernehmung im Februar, dass sie von alledem nichts gewusst und in Geschäftsdingen blind ihrem Mann vertraut habe. Aber der Ermittlungsrichter findet, dass sie doch selbst einiges Aizoon-Geld ausgegeben habe: für die Renovierung ihrer Luxuswohnung in Barcelona, für Tanzkurse, Kleider, Reisen, Kunstwerke und sogar Kindergeburtstage. Hier gehe es also schon um Geldwäsche und, was die Steuererklärungen unter Einschluss falscher Rechnungen betreffe, um „aktive Mitwirkung“ an Steuerdelikten.

          Der Donnerschlag aus Palma war derweil auch im Madrider Parlament zu hören, wo die Parteien gerade über ein Gesetz streiten, welches den Altkönigen Juan Carlos und Sofía, Königin Letizia und der Thronfolgerin Leonor Rechtsschutz besonderer Art gewähren soll. Die regierende Volkspartei brachte es gegen die Stimmen der radikalen Linken – die Sozialisten enthielten sich – schon auf den Weg. Es sieht vor, dass die Genannten sich bei eventuellen Klagen nur vor dem Obersten Gericht und nicht vor gewöhnlichen anderen Gerichten zu verantworten hätten. Dieses Privileg genießen in Spanien schon mehr als zehntausend Parlamentarier, Minister und andere Funktionäre – die gegen alle Bevorzugung protestierenden Abgeordneten der Opposition natürlich eingeschlossen.

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