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Indonesisches Festival : Jazzy Jakarta

Bildausschnitt: Eine muslimische Angestellte in einem Geschäft in Klang (bei Kuala Lumpur) entfernt ein Bild von Erykah Badu mit „Allah-Tattoo“ aus der Zeitung „The Star“. Badu erhielt Auftrittsverbot in Malaysia, in Jakarta tritt sie jetzt auf. Bild: dpa

Im muslimischen Indonesien beginnt wieder das größte Jazz-Festival der Welt. Erwartet werden tausende Gäste – und vielfältige Probleme.

          4 Min.

          Im Koordinationsbüro herrscht Andrang. Techniker, Caterer, Helfer - alle wollen etwas von den beiden Machern wissen. Ein Jungunternehmer, der ein neues Online-Ticket-System entwickelt hat, drängelt sich vor und bietet seine Dienste an. Dewi Gontha winkt ab. Doch Peter Gontha, ihr Vater, flüstert, der Mann sei mit einem Geschäftsfreund verwandt und verdiene bitte eine Chance. Da kann Dewi schlecht nein sagen. Man ist schließlich in Indonesien, und die landesüblichen (Un-)Sitten machen auch vor der Jazz-Szene nicht halt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Eben haben Peter und Dewi Gontha, der Gründer und die Direktorin des „Java Jazz Festivals“, ihre aufwendige Pressekonferenz hinter sich gebracht. Fast 300 Journalisten, Fotografen und Kameraleute waren in den Ballsaal des Borobodur-Hotels gekommen. Begrüßt wurden sie von einer Big-Band, dann schlappte Herbie Hancock aufs Podium und schwärmte von seinem letzten Bali-Urlaub. Ein Sprecher des Kulturministeriums nannte Zahlen und neue Superlative, bevor drei Grammy-Preisträger über einen Standard improvisierten. Auf anderen Kontinenten mögen die wenigsten von „Java Jazz“ gehört haben - aber in Jakarta präsentiert man sich so, wie es sich für das inzwischen größte Jazz-Festival der Welt gehört.

          Hunderttausend Musikfreunde erwartet

          Wenn an diesem Freitag das Expo-Gelände in der Hauptstadt für drei Tage die Tore öffnet, werden wieder mehr als 100 000 Musikfreunde erwartet. Die meisten sind Indonesier, aber immer mehr Besucher kommen aus dem Ausland. Auf den 18 Bühnen treten Solisten und Bands auf, Orchester und Tanzgruppen. Wie immer bietet das Festival indonesischen Musikern ein Forum, aber noch nie waren mehr internationale Stars zu bewundern. Neben Herbie Hanckock spielen Stevie Wonder, Al Jarreau, Pat Metheny oder Erykah Badu.

          Letztere ist in diesem Jahr das Sorgenkind, was in Erinnerung ruft, dass die Ausrichtung eines solchen Musikfestes im größten muslimischen Land keine Selbstverständlichkeit ist. Mitte der Woche erfuhr die amerikanische Soulsängerin, dass sie nicht im Nachbarland Malaysia auftreten darf. Frau Badu wollte das Konzert auf dem Weg nach Indonesien geben, wurde dann aber gleich nach der Landung von den Empfindlichkeiten einer mehrheitlich islamischen Gesellschaft überrascht. Ein Foto war in der malaysischen Presse erschienen, das eines ihrer Tattoos zeigte: „Allah“, in arabischen Schriftzeichen. Dies verletze die Gefühle der Muslime, hieß es zunächst unter Klerikern, dann auch im Kulturministerium. Das Konzert wurde abgeblasen.

          „Soll ich deswegen besorgt sein?“, fragt Frau Gontha. „Vielleicht.“ Bislang gebe es aber noch keine Schwierigkeiten mit den einheimischen Sittenwächtern, versichert sie. Sollten Fundamentalisten oder gar die Schlägerbanden von der „Islamischen Verteidigungsfront“ vor dem Gelände gegen Erykah Badu protestieren, werde sie schon einen Weg finden. Frau Gontha, die zur christlichen Minderheit im Land gehört, baut auf die Unterstützung der Regierung und auf die Kraft des Arguments: „Wir laden die besten Musiker der Welt ein, und sie nehmen eine lange Reise auf sich.“ Zudem zahlten die Besucher viel Geld, um ihre Stars zu sehen - „und die meisten von ihnen sind Muslime!“

          Mehr Ärger haben die Veranstalter im Augenblick mit amerikanischen und australischen Anti-Raucher-Initiativen. Das Festival wird von einem großen indonesischen Nelkenzigaretten-Unternehmen finanziell gefördert, was viele Aktivisten empört. In Australien hielten sie unlängst einen Kongress ab, der mit einem Boykott-Aufruf an Fans und Musiker endete. „Bislang hat deswegen niemand abgesagt“, sagt Dewi Gontha. Aber je größer ein Festival wird, desto größer werden offenbar auch die Probleme.

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