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Indischer Ozean : Tsunami-Warnung wieder aufgehoben

  • Aktualisiert am

Die Bewohner Banda Acehs auf Sumatra flüchteten nach der Tsunami-Meldung in höhere Stadtgebiete Bild: REUTERS

Eine Serie von schweren Erdbeben hat den Indischen Ozean vor der Küste Sumatras erschüttert. Millionen Menschen in den Anrainerstaaten konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, weil das von Deutschland entwickelte Tsunamiwarnsystem bestens funktionierte.

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          Innerhalb von wenigen Stunden haben zwei der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre die Küste vor der indonesischen Insel Sumatra erschüttert. Millionen Menschen rund um den Indischen Ozean waren in Angst und Schrecken - darunter auch viele Urlauber. Schlimme Erinnerungen an die verheerende Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden wach. Die befürchteten Flutwellen blieben diesmal jedoch aus. Experten erklärten den vergleichsweise glimpflichen Ausgang damit, dass es nur waagrechte Erdbewegungen gab.

          Entlang der Küste erschallten Sirenen und Warnungen wurden in Windeseile per Textnachricht über Mobiltelefone verbreitet. Obwohl teilweise chaotisch, begann die Evakuierung der Küstengebiete umgehend. Das Frühwarnsystem, das unter Federführung des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) für Indonesien entwickelt wurde, habe „optimal funktioniert“, sagte der Seismologe Winfried Hanka in Potsdam. Schon vier Minuten nach dem Beben sei die Warnung herausgegangen.

          Panik in Banda Aceh

          Das Zentrum des Bebens lag südwestlich von Banda Aceh, der Hauptstadt der auf Sumatra gelegenen Provinz Aceh. Dort brach Chaos auf den Straßen aus, als fast vier Minuten lang die Erde bebte. Patienten strömten aus den Krankenhäusern auf die Straße, einige hatten den Tropf noch in ihrem Arm. In einigen Stadtteilen fiel der Strom aus. „Es war nicht das stärkste Beben, das ich je gespürt habe“, sagte die 22-jährige Tut Tahmi. „Aber es schien ewig zu dauern.“

          Touristen und Einheimische haben sich auf ein Hausdach in Phuket, Thailand, geflüchtet Bilderstrecke

          Der Erdstoß war in Singapur, Thailand, Malaysia und Indien zu spüren. An der malaysischen Westküste schwankten Hochhäuser eine Minute lang.

          Alle Urlauber rechtzeitig in Sicherheit gebracht

          Der thailändische Katastrophenschutz ordnete die Evakuierung von sechs Provinzen entlang der Westküste des Landes an. Darunter waren die bei Touristen beliebten Gegenden Phuket, Krabi und Phang-Nga. Etwa 2800 deutsche Tui-Urlauber hielten sich in der Umgebung auf. „Der Krisenstab ist sofort alarmiert worden, wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Leitern im Zielgebiet. Die Botschaft ist aber schon jetzt: Die Alarmsysteme funktionieren“, sagte eine Tui-Sprecherin.

          Der Reiseveranstalter Thomas Cook betreut derzeit mehrere hundert Gäste in der Region um Phuket und bis zu 300 Urlauber auf Sri Lanka. „Das nach der Katastrophe von 2004 eingerichtete Warnsystem hat gut funktioniert“, sagte ein Thomas-Cook-Sprecher. Die Evakuierung der Urlauber in höher gelegene Regionen sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch bei Alltours hieß es: „Das Frühwarnsystem in den Zielgebieten scheint funktioniert zu haben.“

          Deutsches Frühwarnsystem

          Nach dem heftigen Erdbeben vor der Küste Indonesiens hatten die Warnzentren vorübergehend für den gesamten Indischen Ozean Tsunamialarm ausgelöst. Der Erdstoß der Stärke 8,6 ereignete sich etwa 430 Kilometer vor der Westküste Sumatras in 33 Kilometern Tiefe.

          Als Reaktion auf das schwere Erdbeben von 2004 hatte Deutschland ein Warnsystem für Indonesien entwickelt. Das Potsdamer Geoforschungszentrum entwickelte die Technik federführend mit anderen internationalen Experten, die Bundesregierung finanzierte das Projekt. 2011 wurde das Warnsystem an Indonesien übergeben.

          Dieses Mal löste das Erdbeben lediglich eine Reihe kleinerer Flutwellen aus. Nach Angaben der indonesischen Behörden zeichneten Bojen und Gezeitenanzeiger „Mini-Tsunamis“ an den Küsten auf, die größte Welle erreichte eine Höhe von 80 Zentimetern. Nach einigen Stunden wurde die Tsunamiwarnung wieder aufgehoben.

          Erdplatten verschoben sich horizontal

          Das schwere Erdbeben vor Indonesien hätte viel mehr Menschenleben gekostet, wenn sich die Erdplatten anders verschoben hätten. „Bei dem Beben vor Sumatra haben sich die Platten horizontal gegeneinander geschoben. Das heißt, die Platte ist nicht abgetaucht“, sagte Seismologin Prof. Christine Thomas vom Institut für Geophysik der Universität Münster am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

          „Bei dem großen Erdbeben 2004 ist die Indische Platte abgetaucht. Bei so einer Art Verschiebung wird sie gebogen, nach unten abgedrückt und sackt ab. Dadurch entsteht plötzlich eine Delle im Meeresboden“, sagte Thomas. „Die Platte wird in die Erde hineinverschoben.“ Ein Loch werde aufgerissen. „Dann fließt das Wasser da herein. Und danach strömt es wieder nach außen heraus. Und das löst den Tsunami aus.“

          Vor Aceh hatte es im Dezember 2004 ein Erdbeben der Stärke 9,1 gegeben. Dieses löste einen Riesen-Tsunami aus, der an den Küsten des Indischen Ozeans rund 220.000 Menschen in den Tod riss. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten.

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