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Empörung über indische Modefotos : Nächste Szene: Gruppenvergewaltigung

  • -Aktualisiert am

Bild: Twitter

Die Empörung ist groß: Die Bilder eines indischen Mode-Shootings erinnern viele an die grausame Vergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Delhi. Nicht nur Frauenrechtler zürnen. Doch der Fotograf fühlt sich missverstanden.

          Die Fotos sind klar und deutlich: Eine junge Inderin liegt auf der Rückbank eines Busses, zwei Männer machen sich über die junge Frau her. Einer packt sie an den Armen, während der andere ihre entblößten Beine begrabscht. Die Frau wirkt angeekelt, versucht sich verzweifelt zu wehren. Auf einem anderen Bild wird die gleiche Frau auf den Boden des Busses gedrückt, während ein Mann sich über sie beugt.

          So oder so ähnlich muss es vor zwei Jahren gewesen sein, als eine indische Studentin in einem Bus in Indiens Hauptstadt Delhi von mehreren Männern brutal vergewaltigt wurde. Doch die vorliegenden Bilder sind nicht von Dezember 2012. Sie sind von 2014 und zum Glück lediglich gestellt. Es sind Modeaufnahmen des indischen Fotografen Raj Shetye.

          Doch für viele Inder gehen die Bilder zu weit, zu eindeutig sind die Parallelen zu der grausamen Tat von 2012. Im Internet äußern sie sich „empört“ und „angeekelt“, die Bilder seien „krank“ und „abstoßend“. Auch der Designer Nachiket Barve ist entsetzt. „Mode ist immer auch eine Reflexion sozialer Themen. Manchmal ist sie provokativ, manchmal schlüpfrig. Aber gewisse Dinge überschreiten die Grenze, wie zum Beispiel Kindesmissbrauch oder wie in diesem Fall eine Gruppenvergewaltigung.“ Nirmala Samant, die Vorsitzende der Nationalen Frauenkommission, fordert gar eine polizeiliche Ermittlung. „Das ist die pure Verherrlichung von Gewalt.“ Mit künstlerischer Freiheit habe das nichts zu tun.

          Raj Shetye kann die Aufregung über seine neuste Bilderserie nicht verstehen. Keineswegs habe er die grausame Vergewaltigung von 2012 nachstellen wollen. „Das Konzept ist mein Baby“, sagt der Fotograf gegenüber der amerikanischen Internetseite Buzzfeed. „Mein Ziel ist es, Kunst zu schaffen, die in der Gesellschaft eine Reaktion hervorruft.“ Letzteres ist Shetye mit seiner Serie „The Wrong Turn“ auf jeden Fall gelungen.

          Der in Bombay lebende Fotograf verteidigt seine Aufnahmen und erläutert sein Konzept: So trage die Frau auf seinen Bildern beispielsweise aus einem bestimmten Grund teure Designer-Kleidung: Während in Indien reiche Leute mit dem eigenen Auto unterwegs sind, sind arme Inder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Diese voneinander getrennten Sphären habe er  in seinen Aufnahmen zusammenbringen wollen, erklärt Shetye. „Mir ging es darum zu zeigen, dass es nicht darauf ankommt, wer die Frau ist und welcher Klasse sie angehört. Es kann jeden treffen.“ Ohnehin sei es kein kommerzielles Shooting gewesen. Die Designer der Kleidung hätten von seinem Konzept nichts gewusst.

          Doch inzwischen scheint Shytye sich seiner Sache nicht mehr sicher zu sein: Die Bilder hat er jedenfalls von seiner Internetseite entfernt.

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