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Indien : Mindestens 57 Menschen bei Überfall auf Zug verbrannt

  • Aktualisiert am

Ausgebrannt: 57 Menschen starben im Sabarmati-Express Bild: AP

Bei einem Brandanschlag auf einen Zug in Indien sind heute mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen.

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          Bei einem Anschlag auf einen Zug mit Hindu-Aktivisten sind in Indien mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen, darunter 25 Frauen und 15 Kinder. Unbekannte setzten am Morgen den Sabarmati-Express im westlichen Bundesstaat Gujarat in Brand.

          Der Zug hatte gerade den Bahnhof Godhra rund 160 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Ahmedabad verlassen, als die Notbremse gezogen wurde. Eine aufgebrachte Menge warf zunächst Steine auf die Insassen, dann steckte sie die Waggons in Brand, wie Augenzeugen berichteten.

          Angst vor Unruhen

          Der Zug war mit etwa 2.500 Anhänger des "Welt-Hindu-Rates" Vishwa Hindu Parishad (VHP) besetzt, die aus Ayodhya zurückkehrten. Dort hatten 1992 Hindu-Fanatiker die Babri-Moschee aus dem 16. Jahrhundert zerstört, weil sie ihrer Meinung nach auf den Trümmern eines Tempels des Hindu-Gottes Ram errichtet worden war. Im Anschluss daran waren es in verschiedenen Teilen Indiens Unruhen ausgebrochen, bei denen rund 2.000 Menschen getötet wurden.

          Premierminister Atal Behari Vajpayee von der Hindu-Partei BJP mahnte die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und Vergeltungsmaßnahmnen zu unterlassen. Ob die Täter Muslime waren, blieb zunächst unklar. In Indien wuchs die Angst, das Verbrechen könne Unruhen zwischen und Hindus und Muslimen auslösen.

          Zu Zurückhaltung aufgefordert

          Vajpayee nannte den Vorfall „sehr unglücklich und tragisch“. Die Regierung werde alles unternehmen, um weitere religiöse Ausschreitungen zu verhindern. Die Behörden verhängten in Gujarat eine Ausgangssperre und erteilten der Polizei Schießbefehl.

          Er forderte den VHP-Präsidenten Ashok Singhal zur Zurückhaltung auf. Der VHP hatte für Donnerstag zu einem Streik im Bundesstaat Gujarat aufgerufen. Mit Blick auf die Pläne für den Tempelbau sagte Vajpayee: "Ich appelliere an den VHP, die Kampagne zu beenden und mit der Regierung für Frieden und Brüderlichkeit im Lande zu arbeiten."

          Reise abgesagt

          Der Premierminister sagte eine geplante Reise zu einem Commonwealth-Treffen in Australien ab. Der Überfall löste weitere Unruhen in der Provinz aus. In Ahmedabad wurden zwei Busse in Brand gesteckt. Bei weiteren gewaltsamen Zusammenstößen wurden ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt. In Indien machen die Muslime eine Minderheit von zwölf Prozent aus. 82 Prozent der gut eine Milliarde Inder sind Hindus. Die Mehrheit beider Religionsgruppen lebt friedlich zusammen.

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