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Smog in Indien : Ein rauchendes Fest

  • -Aktualisiert am

Am Morgen des Lichterfests am 11. November 2015: Delhi in dichtem Smog Bild: AP

In Asiens Megastädten ringen Millionen Menschen nach Luft. Der Luftverschmutzungsindex hat im indischen Delhi das Zwanzigfache des empfohlenen Grenzwerts erreicht. Die Schadstoffe führen zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Atemwegserkrankungen und Krebs.

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          Im Krankenhaus Safdarjung im Süden Delhis treffen sich Indiens Kranke, Alte und Versehrte. Da viele sich ein Krankenbett oder gar ein Hotelzimmer nicht leisten können, lagern sie vor den Toren oder im Hof des Krankenhauses. Im Gebäude stehen lange Schlangen vor der Anmeldung, Kranke liegen auf Pritschen in den Gängen. Nur wenig besser sieht es aus in der Station für die Atemwegserkrankungen: Die Kranken stehen und liegen auf dem Flur, überall ein unheimliches, rollendes Husten.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Andrang wird in den kommenden Tagen größer werden, denn die Hindus feiern Diwali, das Lichterfest. Da kommen zu den mehr als acht Millionen Fahrzeugen in der Stadt noch einige hinzu. Die Feuerwerke und Böller zum Fest machen die Luft auch nicht besser. „Jedes Jahr schlagen an Diwali die Werte nach oben aus“, sagt Ashwan Kumar vom Delhi Pollution Control Committee. Der Chief Minister von Delhi, Arvind Kejriwal, rief deshalb dazu auf, Diwali nicht zum „Fest des Qualms“ werden zu lassen und auf die Knallerei zu verzichten.

          Schon in der vergangenen Woche hatte der Luftverschmutzungsindex in Delhi das Zwanzigfache des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerts erreicht. Besonders hoch war die Feinstaubbelastung mit 750 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das sind Kleinstpartikel, die von der Lunge nicht gefiltert werden, sondern tief in das Organ eindringen und sogar in die Blutbahn gelangen können. Unternehmen mit ausländischen Angestellten bauen deshalb seit einiger Zeit Luftfilter in ihre Büros und Wohnungen ein.

          Seit einer WHO-Studie aus dem Mai 2014 gilt Delhi schon als die Stadt mit der höchsten Feinstaubbelastung der Welt. Die Durchschnittsbelastung liegt dort bei 153 Mikrogramm pro Kubikmeter. 13 der 20 am meisten verschmutzten Städte der Welt liegen in Indien. Noch schlechter ist die Lage zurzeit aber in einigen chinesischen Städten. Wegen des Wintereinbruchs war die Feinstaubbelastung in den nordostchinesischen Städten Changchun und Shenyang am Sonntag sogar auf 860 und 1157 Mikrogramm pro Kubikmeter gestiegen.

          Brennende Augen und Atemnot

          Selbst das sonst so saubere Singapur war immer wieder über Wochen in dichten Smog gehüllt. Der Rauch der Brandrodungen in Indonesien hatte große Teile Südostasiens überzogen. Der Umweltschutz hält mit dem Wirtschaftswachstum in Asien nicht schritt. Auf der ganzen Welt ist die Luftverschmutzung nach Angaben der WHO Ursache des frühen Todes von etwa sieben Millionen Menschen. Drei Viertel der Todesfälle betreffen China und Indien.

          In Delhi klagten Bewohner in den vergangenen Tagen über brennende Augen und Atemnot. Desh Raj ist einer der Patienten, die im Krankenhaus Safdarjung auf einen Termin warten. Der 63 Jahre alte Mann hat Asthma, auch weil er Jahre am Hochofen gearbeitet hat: „Im Winter geht es mir wegen der schmutzigeren Luft viel schlechter.“ Der Smog liege dann wie eine Glocke über Delhi. Er werde kurzatmig und müsse häufiger zum Asthma-Spray greifen, sagt Raj. Nur wenn er einmal im Jahr in seine Heimat im Bundesstaat Rajasthan zurückkehrt, kann er mal wieder richtig durchatmen.

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