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Hobby-Höhlenforscher : Glühend in die Grube fahren

  • -Aktualisiert am

Ein Eimer nach dem anderen: Bei ihrer Suche nach der Polsterhöhle bewegen die Männer große Mengen an Erde und Geröll. Bild: Max Kesberger

Seit mehr als 40 Jahren sucht eine Handvoll Männer eine Tropfsteinhöhle. Immer tiefer graben sie sich in den Taunus – und finden doch nur Lehm. Trotzdem machen sie immer weiter. Denn sie glauben fest daran, dass es sie gibt.

          Der Höhlen-Schröder schnauft und ächzt. Er hat sich von seinem Stuhl hochgestemmt und muss sich kurz an der Tischkante festhalten. Vor ihm liegen Karten mit Höhenlinien und Grabungspunkten. Das Papier der Karten ist verknittert, so oft haben Schröder und seine Mitstreiter die Pläne schon auseinander- und wieder zusammengefaltet.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Höhlen-Schröder holt Luft. „Der Raum, den wir suchen, ist 64 Meter lang und 36,5 Meter breit und hängt voller Tropfsteine. Leider hat der einzige Mensch, der 1881 jemals dort drin war, nicht aufgezeichnet, wo die Polsterhöhle genau liegt.“ Höhlen-Schröder macht eine Pause – aus Spannung und weil er um Atem ringt. „Aber es gibt sie, davon bin ich überzeugt. Nur finden müssen wir sie noch.“

          Wir, das sind eine Handvoll Männer, die seit Jahren, manche seit Jahrzehnten, die 347 Treppenstufen hinunter in die Kubacher Höhle nehmen und mit Schaufel und Spaten in 70 Meter Tiefe dem Felsen Zentimeter um Zentimeter abringen. Unter der Woche sind sie Rechnungsprüfer oder Elektrotechniker, am Wochenende werden sie zu Schatzsuchern, die fast jede freie Minute opfern.

          Zwei Hinweise – das ist alles

          Wie viele Stunden Karl-Heinz Schröder, eigentlich Lehrer, schon mit der Suche nach der Polsterhöhle verbracht hat, kann er vermutlich nicht einmal selbst sagen. An nur zwei Hinweisen hält er sich seit den siebziger Jahren fest: an einem Artikel aus dem „Weilburger Tageblatt“ von 1906, in dem die Höhle erwähnt wird, und an einem Gutachten des Königlichen Bergrats Polster von 1907, der der Höhle auch ihren Namen gab. Mehr Andeutungen als wirkliche Hinweise, aber Karl-Heinz Schröder glaubte fest daran. Die Leute im Dorf belächelten den glühenden Hobbyforscher bald und nannten ihn den Höhlen-Schröder.

          Vor der Hacke ist es duster: Uwe Mathes verbringt viel Zeit in der Höhle.

          Ihn stört das nicht. Denn vor seinen Augen sieht er immer noch das Ziel, nur seine Beine und das Herz sind nicht mehr ganz so fit. Deswegen muss er das Graben inzwischen anderen überlassen. Etwa Uwe Mathes, einem Mann mit muskulösen Armen und großen Händen. Mit denen kratzt er gerade den schmalen Spalt etwas weiter frei.

          Er liegt flach im Dreck, von unten sickert Wasser in seine Schuhe, von oben drückt der Fels. „Wir können noch fünf Meter weit sehen. Dann wird es spannend.“ Denn die Männer vom Kubacher Höhlenverein, dessen Vorsitzender Mathes ist, haben etwas gefunden. Mal wieder. Einen Hohlraum.

          Aus dem Lehm kommen Kristalle

          Immer wenn der Höhlenverein mit Spenden und Eintritten genug Geld zusammen hat, beauftragt er eine Firma, ein enges Loch von der Erdoberfläche in das Höhlensystem zu bohren. Knapp 180 Mal haben sie das seit den siebziger Jahren schon gemacht, immer in der Hoffnung, auf die legendäre Höhle zu stoßen. Und tatsächlich fiel bei einer Bohrung im September 1973 der Bohrkern an einer Stelle sieben Meter durch. Ist die Höhle an anderen Stellen vielleicht noch höher? Ist es also die Polsterhöhle? Eine kleine Kamera, die in einem Zylinder durch das Bohrloch nach unten gelassen wurde, brachte die ersten Bilder: hübsch geschwungene Felsen im Vordergrund, dahinter alles dunkel und weit.

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