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Corona-Impfung gestartet : In Japan werden erst jetzt die Ältesten geimpft

Zweite Stufe der japanischen Impfkampagne: Ein älterer Mann erhält am 12. April seine Corona-Impfung in Tokio. Bild: AFP

In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt können nun Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr gegen das Coronavirus geimpft werden. Das langsame Anlaufen des Schutzprogramms hat vor allem hausgemachte Gründe.

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          Dreieinhalb Monate nach Deutschland hat Japan am Montag mit Corona-Schutzimpfungen für Ältere begonnen. Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr können nun ihre Spritze bekommen, nachdem Japan in den ersten Wochen des Impfprogramms zuerst Ärzte und Krankenschwestern in Covid-Abteilungen versorgt hatte. Die zweite Stufe der Kampagne beginnt zu einer Zeit, in der Großstädte wie Tokio und Osaka und einige andere Präfekturen die Vorsichtsmaßnahmen gegen Infektionen gerade wieder ein wenig verschärft haben. Mediziner warnen, dass Japan an der Schwelle einer vierten Infektionswelle stehe. Mit rund 506.000 Infektionen und 9400 Covid-Toten steht Japan indes besser da als westliche Länder.

          Patrick Welter
          (pwe.), Wirtschaft

          Die Schutzimpfungen werden noch auf Monate hinaus wenig dazu beitragen, die Infektionsrisiken in der Bevölkerung zu vermindern. Denn die Impfkampagne verläuft schleppend. Bislang hat die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt weniger als ein Prozent der rund 126 Millionen Einwohner mit mindestens einer Spritze gegen Covid-19 geimpft. Japan ist nach Angaben der Internetseite „Our World in Data“ Schlusslicht im Kreis der OECD-Staaten. Deutschland hat bislang etwa 16 Prozent der Bevölkerung geimpft, die Vereinigten Staaten etwa 36 Prozent, das Vereinigte Königreich 47 Prozent.

          Olympische Spiele mit oder ohne Impfung

          Reformminister Taro Kono, der auch für die Impfkampagne zuständig ist, verspricht, dass bis Ende Juni genug Impfstoff da sein werde, um alle 36 Millionen Japaner, die 65 Jahre oder älter sind, zu impfen. Das Land hat im Ausland mehrere hundert Millionen und damit genug Impfdosen bestellt. Die Regierung hat bislang aber nur den Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen und ist auf die Einfuhr des Präparats aus der Europäischen Union angewiesen. Das führte zu Verzögerungen. Die EU verlangt, dass die Hersteller die Ausfuhr von Corona-Impfstoff anmelden und eine Genehmigung einholen müssen. Lieferungen nach Japan wurden bislang nicht blockiert. Mehr als 40 Prozent der europäischen Exporte von Impfstoff gehen nach Japan, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Kono warnt in Interviews, dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und der EU beschädigt würden, falls die Europäer eine Lieferung nach Japan absagen würden.

          Das langsame Anlaufen des Schutzprogramms hat vor allem hausgemachte Gründe. Japans Pharmaunternehmen waren mit der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs bislang nicht erfolgreich. Bei der Zulassung der Impfstoffe setzt die Regierung auf Vorsicht, weil die Angst der Japaner vor Nebenwirkungen groß ist. Im Bewusstsein der Menschen sind Impfskandale in der Vergangenheit tief verankert. Japan verlangt deshalb von den Herstellern, dass die Impfstoffe nicht nur im Ausland getestet werden, obwohl Fachleute den Nutzen der zusätzlichen Tests an 160 Japanern bezweifeln. Sie sind aber der Grund dafür, dass die Schutzimpfungen erst im Februar begannen.

          Japans Impffahrplan folgt einer Planung nach Risikogruppen, ist aber flexibel gestaltet. Die Kommunen haben bei der Verteilung des Impfstoffs einen gewissen Ermessensspielraum. Erst gab es Schutzimpfungen für rund 4,8 Millionen Ärzte und Krankenpfleger, von denen aber erst 490.000 zweifach geimpft sind. Mitte Mai, so heißt es, soll das medizinische Personal zur Gänze durchgeimpft sein. Jetzt beginnen parallel die Impfungen für Ältere. Danach folgen Menschen mit Vorerkrankungen und Pflegepersonal in Altenheimen, erst dann die allgemeine Bevölkerung. Das könnte erst nach den Olympischen Spielen im Sommer der Fall sein. Ministerpräsident Yoshihide Suga aber verspricht, dass die Spiele mit oder ohne Impfung sicher stattfinden würden.

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