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Sexismus auf dem roten Teppich : Baby, du siehst großartig aus

Bitte nett lächeln: Susan Sarandon und Geena Davis bei den SAG-Awards Bild: Reuters

Eigentlich sollte diese Saison der Hollywood-Preisverleihungen im Zeichen von #MeToo stehen. Doch das Protokoll auf dem roten Teppich gibt ein furchtbar veraltetes Frauenbild vor. Lässt sich daran etwas ändern?

          Bei den Screen Actors Guild Awards in Los Angeles am Sonntag vor zwei Wochen schien dann alles wie immer. Margot Robbie trug ein Kleid von Miu Miu, blasspink mit Strass und Federn, Reese Witherspoon eine Robe in Grün mit herabgesetzten Ärmeln, die ihre Schultern besonders betonten. Kristen Bell trug J. Mendel, fuchsiafarben. Und so weiter. Im Gespräch mit dem Branchenorgan der Mode, „Women’s Wear Daily“, schwärmte die Schauspielerin Laura Dern vom roten Teppich aus freiwillig von ihrem Kleid. Dior Couture, sie sei ein großer Fan der Designerin Maria Grazia Chiuri. Was für ein Privileg es sei, heute ihr Kleid tragen zu dürfen. Natalia Dyer, ebenfalls in Dior, sah das genauso. Wie sehr sie das Kleid liebe, besonders die aufgestickten und aufgemalten astrologischen Symbole. Ach ja, Astrologie, ohnehin ein faszinierendes Thema, erklärte Natalia Dyer bei der Gelegenheit. Sie sei übrigens Steinbock.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles also wie immer? Wie immer belanglos? Hat Hollywood dieser Tage nicht eigentlich Wichtigeres zu besprechen? Sollte diese Award-Saison, die Anfang Januar mit den Golden Globes begonnen hat, nicht anders sein? Das versprachen ja zumindest die flammenden Reden an jenem Abend des 7. Januar. Die Kleider in der Einheitsfarbe Schwarz. Die Aktivistinnen, die als Begleitung der Schauspielerinnen kamen. Nicht erst seit in den Vereinigten Staaten etliche Schauspielerinnen die schweren Vorwürfe gegen Harvey Weinstein erhoben haben, nicht erst seit „Me too“ ein Thema ist, aber seitdem besonders, stellt sich schließlich auch die Frage: wie umgehen mit dem Auftritt auf dem roten Teppich? Zeichnet sich dort nicht ein furchtbar veraltetes Frauenbild ab? Schauspieler, die Smoking tragen, die alle gleich aussehen, und im Smalltalk Anekdoten über ihren neuen Film erzählen. Schauspielerinnen, die wiederum schöne Kleider tragen, vornehmlich Prinzessinnenkleider, und darüber ausgefragt werden, über ihr Sportprogramm, ihren Ernährungsplan, wie sie es eigentlich schaffen, so toll auszusehen.

          Von Gleichberechtigung noch keine Rede

          Die deutsche Schauspielerin Anna Brüggemann schrieb dazu jetzt einen offenen Brief. „Die Gleichberechtigung ist auf dem roten Teppich noch nicht angekommen“, steht darin. Das Frauen- und auch Männerbild erinnere sie an jenes der fünfziger Jahre. Brüggemann kam dazu auf den Hashtag #nobodysdoll, mit dem es nun in diese Berlinale gehen soll.

          Wie es laufen könnte, ob sich überhaupt etwas ändert, sieht man dieser Tage schon in den Vereinigten Staaten, wo gerade eine Preisverleihung auf die nächste folgt, Veranstaltungen, die erst mal nicht so viel mit dem wahren Leben zu tun haben. Eine Branche, deren Größen sich untereinander Preise verleihen, und die ganze Welt nimmt teil. Geht das noch, wenn das Ganze nicht mehr maximal glamourös ist? Es ist das Konzept dieser Phantasie-Welt. Ist die Zeit reif für Frauen, die in dieser großen Nummer nicht die Rolle der Puppe einnehmen? Die, wenn sie mögen, Jeans und T-Shirt tragen?

          Der Mode werden Frauen wie Puppen und der makellose Auftritt jedenfalls bislang ganz gut gepasst haben. Wenn Modehäuser einer Schauspielerin oder einem Schauspieler etwas zum Anziehen leihen, dann kaum, weil es sich bei diesen Organisationen um gemeinnützige Stiftungen handelt, die berühmten Menschen etwas Gutes tun wollen. In der Regel haben die Marken mit jenen, die sie ausstatten, jahrelange Verträge geschlossen, es fließt viel Geld in der Erwartung, dass er oder sie dann doch, bitte schön, im Gespräch mit den Medien mal das Kleid oder den Anzug thematisiert. Für die Mode ist das seit langem ein wichtiges Geschäft. Die Chancen sind einfach zu groß. So ein Auftritt kann den Wert einer Marke vielfach steigern, anders als das jemals mit einem guten Laufsteg-Moment, einem Anzeigenmotiv zu machen wäre.

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