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Sexismus auf dem roten Teppich : Baby, du siehst großartig aus

High-Heel-Pflicht bleibt bestehen

Lassen wir das jetzt hier mal so stehen. Immerhin wird auf die Frage, wer denn für das Kleid verantwortlich sei, bei dieser Gelegenheit nun keine Schauspielerin mehr Marchesa antworten müssen. Denn die Noch-Ehefrau von Harvey Weinstein unterhält ja bis heute zufällig ein Label für Abendkleider, das für den Film-Mogul seit Bestehen 2004 nur ein weiteres Mittel war, um die Schauspielerinnen, die in seinen Filmen auftraten, unter Druck zu setzen: Marchesa habe jede mal auf dem roten Teppich tragen müssen, im Rahmen der Promo-Tour für die Filme. Felicity Huffman und Sienna Miller haben bestätigt, dass sie dazu gezwungen wurden. Als wären sie, schlimmer als seine Puppen, seine Marionetten. Seit dem Sturz von Weinstein zeigte sich jedenfalls keine einzige Schauspielerin mehr bei einem offiziellen Anlass in einem Kleid dieses Labels. Stattdessen tragen sie jetzt mal alle Schwarz oder, wie bei den Grammys in New York am vergangenen Sonntag, weiße Rosen. Protestfarben und Symbole, um auf die Machtverhältnisse im Showgeschäft aufmerksam zu machen. Nichts Großes, kein Red-Carpet-Boykott. Denn wenn es nur um die Ehrung untereinander gehen würde, könnten sie ja auch die Hintertür nehmen.

Deshalb ist spannender als die Frage, ob es eine Aktion zu den Oscars geben wird, auch jene, wie man im Mai in Cannes mit der Frage des überholten Rollenbildes auf dem roten Teppich umgehen wird, anlässlich der Filmfestspiele. Dort, wo noch immer High-Heel-Pflicht herrscht. In jenem Land, in dem sich in einem offenen Brief hundert Frauen gegen „Me too“ ausgesprochen haben.

Schauspielerinnen wirken wie Puppen

Wie Puppen kamen die Schauspielerinnen aber auch am Sonntagabend vor zwei Wochen, anlässlich der SAG-Awards nicht rüber. Sie mögen ihr Sprüchlein zum Designer aufgesagt haben, wie Natalia Dyer und Laura Dern. Wobei auch das ganz ernst gemeint sein kann, schließlich ist Maria Grazia Chiuri bei Dior eine der wenigen Designerinnen, die sich des Missstands der benachteiligten Frauen auch in der Mode annimmt – sofern das mit Luxusmode geht. Diese Schauspielerinnen mögen also ein bisschen über Astrologie parliert haben, aber dazwischen unterbrachen sie sich gegenseitig, lachten miteinander. Sie schreiten in dieser absurden Situation nicht mehr nur den roten Teppich hinunter und lächeln. Sie machen das jetzt zusammen. Nicole Kidman feiert in dieser Award-Saison ihre Freundschaft mit Reese Witherspoon direkt an Ort und Stelle. Vor den Kameras.

Oder Susan Sarandon und Geena Davis, auch bekannt als „Thelma & Louise“ in dem gleichnamigen Film. Als Davis bei den SAG-Awards gerade im Gespräch mit „Women’s Wear Daily“ war, kam Sarandon um die Ecke, mit Sonnenbrille à la Louise. „Baby, bitte komm, unterbrich mich. Du siehst großartig aus“, rief Davis. „So do you, doll!“, antwortete Sarandon: „Ich habe deinen Film gesehen. Du warst phantastisch.“

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