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Moschee in Ghana : Haus ohne Hüter

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Eine Moschee mit Stacheln: Aber den Verfall können die Menschen in Larabanga nicht aufhalten. Foto aus dem Buch „Iwan Baan: 52 Weeks 52 Cities“ Bild: Verlag Kehrer

In Larabanga in Ghana steht eine der ältesten Moscheen Westafrikas. Sie verfällt, weil das Geld für Reparaturen fehlt.

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          Auf viele Besucher wirkt Larabanga nur wie ein weiteres der vielen einfachen Dörfer im Norden von Ghana. Unscheinbar, unauffällig, uninteressant. Doch der Eindruck täuscht. In der 5000-Seelen-Gemeinde steht nicht nur das architektonische Glanzstück Ghanas - das Dorf hat auch eine reiche Historie, voller Mythen und Geschichten, die seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergetragen werden.

          Zum Beispiel durch Fataw Chiros. Der Neffe von Imam Ibrahim, dem geistigen Oberhaupt des muslimischen Ortes, ist in den Semesterferien in seine Heimat zurückgekehrt. In Tamale, der nächstgelegenen Großstadt, studiert er Geschichte. „Wenn ich ungestört lesen möchte und Ruhe suche, dann finde ich sie nur hier“, sagt er. Der Vierundzwanzigjährige ist reflektiert und gut informiert, mit den angeblichen Märchen über Larabanga hat er sich intensiv befasst. Und er schenkt ihnen Glauben.

          Da ist etwa die Geschichte vom „mystic stone“ - einem Stein von der Größe eines Autoreifens, der auf einem Lehmkegel thront. Seit wann er sich hier befindet, ist nicht genau überliefert, mehr als 600 Jahre sind es mindestens. „Wenn du versuchst, ihn vom Kegel zu stoßen, stirbst du noch am selben Tag“, erklärt Fataw das Geheimnis des Steins.

          Die Legende von Ayubas Speerwurf

          An diesem Tag erhält der Student den Segen von Sahako Edi. Seit vielen Jahren sitzt der ganz in Weiß gekleidete schmächtige Mann hier im Schatten eines Mangobaums, gebrechlich, alt, fast unbeweglich. Er wacht über die runde Steinplatte und segnet Besucher. Sogar der Ghanaer Kofi Annan habe sich während seiner Zeit als UN-Generalsekretär schon seinen Segen geholt, erzählt der Alte stolz.

          „Genau von diesem Ort“, sagt Sahako, „warf Ayuba seinen Speer ab.“ Ayuba, ein saudi-arabischer Korangelehrter aus Medina, hatte sich der Legende nach im Jahr 1421 auf einer beschwerlichen Reise nach Larabanga verirrt. Hier fasste er den Entschluss, die erste Moschee Westafrikas zu erbauen. Um eine geeignete Stelle zu finden, warf er einen Speer - und der landete, die Kräfte des magischen Steins machten es möglich, etwa einen Kilometer nördlich. Überrascht entdeckte Ayuba an dieser Stelle das schon existierende Fundament einer Moschee. Nachdem er an der Abwurfstelle des Speers genächtigt hatte, kehrte er am Morgen zum Fundament zurück und stellte fest, dass die ganze Moschee über Nacht wie von Gotteshand fertiggestellt worden war.

          Mythen für den Zusammenhalt

          Der Araber lebte weitere 80 Jahre in Larabanga, gründete das erste muslimische Dorf Ghanas und verbreitete den islamischen Glauben in der Region. Auch Kamara, die Sprache Larabangas, die in keinem anderen Dorf der Welt gesprochen wird, führen die Bewohner auf das Wirken Ayubas zurück.

          Der Erzählung nach wurde er nach seinem Tod im Jahr 1500 direkt neben der Moschee begraben. Heute steht an dieser Stelle ein massiver Affenbrotbaum. „516 Jahre ist der Baobab mittlerweile alt“, sagt Fataw. „Seine Wurzeln wachsen ausschließlich von der Moschee weg, so sind sie keine Gefahr für deren Mauerwerk.“

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