https://www.faz.net/-gum-otgv

Immigration : Weniger Türken, mehr Polen

  • Aktualisiert am

Bald Krakauer statt Döner? Bild: dpa

Das Statistische Bundesamt hat Daten zu den in Deutschland lebenden Ausländern veröffentlicht. Ihre Zahl bleibt seit Jahren konstant. Grund: Das neue Staatsangehörigkeitsrecht.

          3 Min.

          Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer, die entweder aus der Europäischen Union stammen (Italien und Griechenland) oder schon besonders lange in Deutschland leben (Türkei sowie Serbien und Montenegro), ist 2003 weiter gesunken. Zugleich sind mehr Personen sowohl aus den künftigen EU-Beitrittsländern nach Deutschland gekommen wie auch aus Asien, Amerika und Afrika.

          Insgesamt ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der deutschen Gesamtbevölkerung (rund 82,51 Millionen) mit 8,9 Prozent gleich geblieben - und das schon seit 1998. Zuletzt war die Zahl der Ausländer in Deutschland zwischen 1991 (5 882 267) und 1996 (7 314 046) deutlich gestiegen.

          Weniger aus der EU, mehr aus den Beitrittsländern

          Ende 2003 lebten 7 334 765 Ausländer - 46,9 Prozent von ihnen Frauen - in Deutschland. Ihre Zahl hat sich gegenüber 2002 (7 335 592) nur unwesentlich verändert. Die Angaben beruhen auf Auswertungen des vom Bundesverwaltungsamt Köln geführten Ausländerzentralregisters durch das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden. Die Zahlen wurden am Montag veröffentlicht. Personen, die neben ihrer ausländischen auch eine deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, sind in dieser Statistik allerdings nicht enthalten.

          Ein Viertel aller ausländischen Personen (1 849 986) kam aus einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Das waren rund 22 000 weniger als noch 2002. Zugleich stieg die Zahl der Ausländer, die aus einem der künftigen EU-Beitrittsländer gekommen waren um etwa 22 000 auf 481 998. Die größte Gruppe stellten die Polen mit 326 882, das waren rund 9000 mehr als noch 2002 (317 603).

          Bild: F.A.Z.

          Weniger „statistische“ Türken...

          Ursprünglich stammten Ende 2003 12,4 Prozent (911 995) der 7,33 Millionen Ausländer in Deutschland aus Asien (vor allem aus Iran, Vietnam, dem Irak und China), 4,2 Prozent aus Afrika (Marokko, Tunesien, Ghana und Algerien), 3,1 Prozent aus Amerika (die Hälfte davon aus den Vereinigten Staaten, gefolgt von Brasilien, Kanada und Kolumbien) und 0,2 Prozent aus Australien und Ozeanien. Der Anteil der Staatenlosen und der ausländischen Personen unbekannter Staatsangehörigkeit betrug zusammen knapp ein Prozent.

          Die größte Gruppe an der ausländischen Bevölkerung stellten die Türken mit 25,6 Prozent (1 877 661). Ihre Zahl sank damit weiter um rund 35 000. 1998 hatten noch mehr als 2,1 Millionen Türken in Deutschland gelebt. Auch die Zahl der in Deutschland lebenden Italiener ging seit 2002 um mehr als 8000 auf 601 258 (8,2 Prozent) zurück, genauso wie die Zahl der Personen, die aus Serbien und Montenegro (7,7 Prozent) und aus Griechenland (4,8 Prozent) stammten.

          ...durch mehr Einbürgerungen

          Gerhard Leidner vom Statistischen Bundesamt führt den Rückgang auf die wachsende Zahl von Einbürgerungen zurück, seit das neue Staatsangehörigkeitsrecht Anfang 2000 in Kraft getreten ist. Darin wird auch geregelt, daß ausländische Kinder, die in Deutschland geboren werden, automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten; sie sind in dieser Statistik dementsprechend nicht enthalten. Erst bis zur Vollendung des 23. Lebensjahrs müssen sie sich für eine ihrer beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden.

          Trotz dieser Änderung lag das durchschnittliche Alter der ausländischen Bevölkerung Ende 2003 bei 36 Jahren (Männer) und 35 Jahren (Frauen). Das erklärt Leidner auch damit, daß viele Ausländer im Pensionsalter wieder zurück in ihre Heimatländer zögen.

          Zwei Drittel leben schon seit acht Jahren in Deutschland

          Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Ausländer in Deutschland betrug Ende 2003 sechzehn Jahre - 2002 waren es noch 15,6 Jahre gewesen. Dabei ergibt sich die Aufenthaltsdauer nach Angaben des Statistischen Bundesamts ohne Berücksichtigung von Unterbrechungen aus der Differenz zwischen Auszählungsstichtag (31. Dezember 2003) und dem Jahr der ersten Einreise nach Deutschland.

          Ein Drittel der ausländischen Bevölkerung wohnt schon länger als zwanzig Jahre in Deutschland. Etwa zwei Drittel (rund fünf Millionen) lebten Ende 2003 bereits acht Jahre oder länger in Deutschland und hatten damit die für eine Einbürgerung notwendige Aufenthaltsdauer erreicht.

          Ein Fünftel in Deutschland geboren

          Slowenische Staatsangehörige lebten im Durchschnitt am längsten in Deutschland (26 Jahre), gefolgt von spanischen (25 Jahre), kroatischen und österreichischen (jeweils 23 Jahre), italienischen und griechischen (jeweils 22 Jahre) und türkischen (19 Jahre). Wesentlich kürzer wohnten Personen aus den folgenden Staaten in Deutschland: Weißrußland (vier Jahre) sowie aus der Republik Moldau, Rußland und aus der Ukraine (jeweils fünf Jahre).

          Von den 7,33 Millionen Ausländern wurden 20,5 Prozent (etwa 1,5 Millionen) in Deutschland geboren. Unter diesen 1,5 Millionen war der Anteil bei den in Deutschland lebenden Türken - der größten Ausländergruppe - besonders hoch (43,7 Prozent oder 0,65 Millionen), ebenso bei Personen mit italienischer Abstammung (11,5 Prozent oder 0,17 Millionen) und bei griechischen Staatsangehörigen (6,3 Prozent oder 0,09 Millionen).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Clemens Fuest ist seit 2016 Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

          Wirtschaft nach Corona : „Die Löhne müssen steigen“

          Nach Corona sieht die Wirtschaft anders aus. Hier spricht der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, über knappe Fachkräfte, die steigende Inflation und kranke Kinder im Kindergarten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.