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Im Gespräch: Abt Henckel Donnersmarck : „Das machen wir in benediktinischer Gelassenheit“

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Abt Henckel Donnersmarck trifft Papst Benedikt in der Stiftskirche Bild: AP

Mönche des Zisterzienser-Klosters Stift Heiligenkreuz erobern mit ihrem Album „Chant - Music for Paradise“ die Hitparaden. Weil sie zum Glauben verführen? Oder weil sie einen Esoterik-Trend bedienen?

          Mönche des Zisterzienser-Klosters Stift Heiligenkreuz erobern mit ihrem Album „Chant - Music for Paradise“ die Hitparaden. Weil sie zum Glauben verführen? Oder weil sie einen Esoterik-Trend bedienen?

          Herr Abt, im vergangenen September hat Papst Benedikt XVI. bei seiner Pastoralreise nach Österreich unter großem Medieninteresse Stift Heiligenkreuz besucht, im Monat darauf haben Sie im Stift zusammen mit ihrem Neffen Florian Henckel von Donnersmarck den Oscar für seinen Film „Das Leben der Anderen“ gefeiert, und jetzt stürmt eine CD, auf der Mönche des Stifts gregorianischen Choral darbieten, die Charts - fürchten Sie nicht, dass dies ein bisschen zuviel des Glamours wird für ein Kloster?

          Ja, ich versuche zu bremsen und bewusst die klösterliche Stille zu wahren. Was die hier im Stift zusammen mit Universal Music aufgenommenen Gesänge betrifft: Der Heilige Vater hat uns bei seinem Besuch zwar nicht den Auftrag gegeben, ihr macht jetzt eine Gregorianik-CD mit Universal Music, aber er hat uns den Auftrag gegeben, mit unserem alltäglichen Chorgebet - und der Gregorianische Choral ist ja gesungenes Gebet - Zeugnis abzulegen für Menschen auf der oft verzweifelten Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Gott. Zeugnis abzulegen, dass ihre Suche nicht ins Leere geht. Dass dann Universal Music auf uns zu kam, war mehr Zufall. Aber ich glaube, dass gegen diese Art, den Glauben zu verkünden, nichts einzuwenden ist. Es geht ja nicht ums Geschäfte machen, es geht ums Apostolische, und nirgends steht geschrieben, dass dafür nicht auch einmal ungewöhnliche Formen der Öffentlichkeitswirksamkeit angewandt werden dürfen. Von dem Medienrummel um die CD bekommen wir hier im Stift ohnehin viel weniger mit, als man draußen vielleicht annehmen könnte. Unser Tagesrhythmus ist seit dem Jahr 1133 immer gleich, auch die sieben Gebetszeiten des Tages. Da wird die CD gewiss nichts ändern, den Rummel ertragen wir in benediktinischer Gelassenheit. Und, ja, Glamour! Schon in wenigen Wochen wird sich die Medienaufmerksamkeit doch gelegt haben.

          Haben sie nicht Bedenken, dass die CD mit den für die meisten heutigen Menschen fremdartigen Gesängen den allgemeinen Trend zur Esoterik bestärkt, zumal da ja doch wohl die wenigstens Fans des Lateinischen mächtig sind?

          Nein, im Booklet der CD sind die Texte in mehrere Sprachen übersetzt. Auf der CD, und schon das wird ein mögliches Abgleiten ins Esoterische bremsen, steht ja das Requiem im Vordergrund, Teil unserer Begräbnisliturgie. Das wollten die Sänger so, weil kurz zuvor drei unserer Mitbrüder gestorben waren. Das ist ein Anstoß, den die Hörer in Kauf nehmen müssen: Für uns bedeutet der Tod eben nicht das Ende, sondern den Durchgang zu Gott, zur Auferstehung. Mit Esoterik hat das nichts zu tun.

          Ihre singenden Mitbrüder gehen jetzt aber nicht auf Tournee mit der CD?

          Nein, nein, das ist nicht nur nur der Gesang von siebzehn mehr oder weniger zufällig ausgewählten Mitbrüdern, das ist doch unser aller tägliches Gebet. Papst Benedikt hat bei seinem Besuch gesagt: ,Die Mönche beten zuallererst nicht um dies oder jenes, sondern sie beten einfach deshalb, weil Gott es wert ist, angebetet zu werden.' Das ist an diesen Ort, an das Stift und seinen Tagesablauf gebunden, damit geht man nicht auf Tournee. Aber es kommen jedes Jahr etwa 170.000 Besucher ins Stift Heiligenkreuz, und wer will, kann an unserem Gebet teilhaben.

          Wird der Erfolgs-CD eine zweite folgen?

          In unserem Vertrag mit Universal Music steht, dass wir zwölf Monate lang keine Verträge mit anderen Unternehmen schließen dürfen. Die ,Gefahr' einer zweiten CD ist also wohl gering. Und wenn Universal Music noch einmal auf uns zukommen sollte, dann sicher viel später.

          Was machen Sie mit den Einnahmen aus der CD?

          Wir hoffen schon auf einen Erfolg, denn die Einnahmen wollen wir der Ausbildung von Priestern zugute kommen lassen. Dem Stift angegliedert ist ja eine philosophisch-theologische Hoschule, die sich seit dem Besuch Benedikts XVI. Päpstliche Hochschule nennen darf. An der Hochschule studieren sechzehn Mitbrüder aus Vietnam, Sri Lanka und Afrika. Da könnten wir das Geld aus dem Verkauf der CD gut gebrauchen. Wir verwenden es jedenfalls bestimmt nicht wie Popstars!

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