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Im Flugzeug mit Merkel : Merkwürdiges Ende einer dramatischen Dienstreise

Kehrtwende über der Nordsee Bild: EPA

Wegen technischer Probleme muss die Regierungsmaschine über der Nordsee kehrtmachen: Über einen Flug mit der Bundeskanzlerin nach Buenos Aires, der im alten Kinderzimmer endet.

          3 Min.

          Der Auftakt ist eigentlich ganz normal – so speziell ein Flug mit der Bundeskanzlerin zu einem Gipfel immer bleiben wird, selbst wenn man schon so einige in seinem Berufsleben mitgemacht hat. Die Kollegen trudeln so langsam auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel ein. Mit dem Bus geht es die wenigen Meter zum Airbus A340 - 300 der Flugbereitschaft.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Mit der Durchsage „Boarding completed“ ist die Botschaft verbunden, jetzt ist Angela Merkel an Bord. Pünktlich um 19 Uhr hebt die große Maschine am Donnerstag mit Ziel Buenos Aires ab, wo an diesem Freitag das große Treffen der Staats- und Regierungschefs aus den zwanzig wichtigsten Wirtschaftsräumen (G 20) beginnen wird. Mit dabei Vizekanzler Olaf Scholz. Die Finanzminister beraten üblicherweise parallel zu ihren Chefs. Was Merkel und ihre Begleitung beim Start nicht ahnen können – es wird ein ganz besonderer Flug.

          Obwohl 15 Stunden und 5 Minuten Flugzeit vor der Gruppe liegt, erscheint Regierungssprecher Steffen Seibert kurz nach dem Abheben der „Konrad Adenauer“ im hinteren Teil der Maschine, wo üblicherweise die Begleitpresse sitzt, um nach vorne zu bitten. So ist es üblich auf solchen Reisen. Die Bundeskanzlerin trifft auf die Journalisten, gibt ihnen einen Ausblick über das absehbare Geschehen am Zielort und stellt sich ihren Fragen. Dieses Mal ist das Gespräch in einer Kabine mit drei Sofas, nicht alle finden dort Platz, manche sitzen in der Mitte auf den dort verankerten kleinen Tischen.

          Nur mit einem Satellitentelefon Kontakt zum Boden

          Alles ist im Hintergrund, „unter 3“, wie es im Berliner politisch-journalistischen Komplex heißt. So auch dieses Mal. Schon vor dem Flug weiß man dieses Mal, es gibt einige spannende Themen, politische wie wirtschaftliche: die Teilnahme des saudischen Prinzen, der dringend verdächtigt wird hinter dem Mord an dem Journalisten Kashoggi zu stehen, die neuerliche Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, der amerikanisch-chinesische Handelsstreit, die von Washington angedrohten Strafzölle auf Autoimporte.

          Weil das Gespräch vertraulich ist, gibt es auch an dieser Stelle keine Details, nur so viel: Erst kam von der Crew die wiederholte Bitte, sich anzuschnallen. Dann wird die Bundeskanzlerin herausgebeten. Man diskutiert in der Zeit mit Scholz. Merkel kommt zurück und berichtet von Problemen, die zur Umkehr nach Köln zwingen. Dort hofft man auf eine Ersatzmaschine. Es geht zurück auf die Plätze. Der Flugkapitän macht eine Durchsage, berichtet von technischen Problemen, die die Elektronik betreffen. Später erfährt man, dass der Funkkontakt ausgefallen ist, dass die Maschine mit einem Satellitentelefon den Kontakt zum Boden herstellen musste. Die Fluggäste sehen zu der Zeit nur, dass das Flugzeug über die Nordsee zog, um von dort den Flughafen Köln-Bonn anzusteuern.

          Die Spannung wächst. Der Airbus scheint ganz normal zu landen, setzt aber ungewöhnlich hart auf (normalerweise schafft es die Bundeswehr „butterweich“). Neben der Piste ist eine ganze Flotte von Feuerwehrfahrzeugen mit Blaulicht aufgereiht. Spätestens da schwant den Passagieren, dass dies alles nicht so ungefährlich gewesen sein kann. Wie der Flugkapitän mit einer weiteren Durchsage erläutert, wurden die Bremsen wegen des hohen Landegewichts ungewöhnlich stark beansprucht. Die Maschine hatte Kerosin für 15 Stunden geladen, wenig hatte man bisher für den Flug gebraucht. Warum der Treibstoff nicht abgelassen wurde, blieb zunächst offen.

          Es ist wahrlich nicht die erste Panne mit einem Regierungsflugzeug. Erst im Oktober musste Scholz mit einen Linienflug von Bali nach Deutschland zurückfliegen. Ein indonesischer Marder hatte zugeschlagen, während der SPD-Politiker am Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds teilgenommen hatte. So mancher Minister musste in der Vergangenheit neu planen, weil das vorgesehene Regierungsflugzeug ausfiel. Eine Ersatzmaschine ist oft nicht so schnell zu besorgen. Es gibt nicht so viele, der Standort ist Köln/Bonn - und die Einsatzzeiten der Crew sind zu beachten. Doch wirft die peinliche Verspätung der Kanzlerin in Argentinien grundsätzliche Fragen auf: Ist die Bundeswehr nur bedingt einsatzbereit? Regierungsflugzeuge fallen permanent aus. Hubschrauber fliegen nicht. U-Boote fahren nicht. Merkel und Scholz haben somit nun einen guten Anlass, ernsthaft über die Ausstattung der Bundeswehr im Allgemeinen und der Flugbereitschaft im Besonderen nachzudenken.

          Kanzlerin und Vizekanzler entschieden sich nach dem unfreiwilligen Stopp im Rheinland, in den frühen Stunden des Freitags noch einmal aufzubrechen. Über Madrid wollten sie mit einem Linienflug Buenos Aires ansteuern, um wenigstens am Freitagabend am Gipfelort zu sein. Die Journalisten blieben zurück. Der Korrespondent der F.A.Z., der mit Merkel zum fernen G-20-Gipfel aufgebrochen war, landet auf diese Weise plötzlich in seinem alten Kinderzimmer in der Nähe von Bonn. Merkwürdiges Ende einer dramatischen Dienstreise.

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