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ICE-Katastrophe : Angehörige der Eschede-Opfer verklagen die Bahn

  • Aktualisiert am

Eschede, Juni 1998: Aufräumen nach der Katastrophe Bild: AP

Rund drei Jahre sind seit dem verheerenden ICE-Unglück von Eschede verstrichen. Jetzt haben Angehörige der Opfer die Bahn auf Schmerzensgeld verklagt.

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          Die Hinterbliebenen der Opfer der ICE-Katastrophe von Eschede haben am Donnerstag die Deutsche Bahn AG auf Schmerzensgeld verklagt. Ihr Anwalt Reiner Geulen reichte eine entsprechende Musterklage vor dem Berliner Landgericht ein. Für zunächst sechs seiner Mandanten will der Jurist eine Entschädigung in Höhe von jeweils 250.000 Mark durchsetzen.

          Geulen stellte außerdem Strafanzeige gegen zwei seinerzeit verantwortliche Mitglieder des Vorstands der Deutschen Bahn. Diese richtet sich gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich Dürr sowie gegen den Chef der Deutsche Bahn Netz AG, Roland Heinisch, der zum Zeitpunkt der Katastrophe Vorstand für Forschung und Technologie war. Beide müssten sich für die mangelnde Überprüfung der Radreifen, deren Defekt das Unglück auslöste, verantworten, hieß es.

          Missachtung statt Wertschätzung

          Was viele der Angehörigen der 101 Todesopfer des verheerenden ICE-Unglücks vom 3. Juni 1998 besonders verbittert ist, dass sich „in den drei Jahren die Bahn nicht einmal bei uns entschuldigt hat“, wie einer der Betroffenen berichtet. Alle Ermittlungen zum bisher schwersten Bahnunglück in Deutschland hätten die Schuld des Unternehmens belegt, heißt es. Dennoch habe man von der Bahn „statt Wertschätzung Missachtung erfahren“.

          Bisher nur „freiwillige Beträge“

          Auch auf finanzieller Seite zeigte sich die Bahn bisher offenbar ebenfalls wenig entgegen kommend. Das Unternehmen, so Anwalt Geulen, habe bisher „lediglich dem nächsten Familienangehörigen nach dem Unfall einen ,freiwilligen' Betrag in Höhe von 30.000 Mark überwiesen“. Während die Angehörigen Quittungen hätten vorlegen müssen, um entschädigt zu werden, habe Vorstandsvorsitzender Dürr bei seinem Weggang 2,4 Millionen Mark Abfindung erhalten, kritisierte Geulen den Stil der Bahn.

          Selbsthilfe führt Prozesskonto

          Für die Hinterbliebenen der Katastrophen-Opfer ist der Unglückstag von Eschede auch heute längst nicht vergessen. Sie sind organisiert in der „Selbsthilfe Eschede“, die die Interessen der Betroffenen vertritt. Die Selbsthilfegruppe hat zwei Jahre lang Gespräche mit der Deutschen Bahn AG über ein angemessenes Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen der 101 Opfer der ICE-Katastrophe geführt. Gleichzeitig richtete sie ein Prozesskonto ein, über das die nun eingereichten Musterklagen finanziert werden

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