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Gefährlicher Job : Hurrikan-Jäger fliegen ins Innere von „Irma“

  • Aktualisiert am

Ein „Hurrikanjäger“ im Cockpit: Nur aus dem Inneren des Sturms erhält man exakte Messungen. Bild: Reuters

Die Hurrikan-Jäger der amerikanischen Luftwaffe fliegen ins Innere von Wirbelstürmen. Eine gefährliche Arbeit. Doch die Daten, die sie sammeln, gelten als unverzichtbar.

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          Der Himmel zieht sich zu. Es blitzt. Die Kabine der Turbopropeller-Maschine von Lockheed Martin wird kräftig durchgerüttelt, als sich der Pilot den Weg ins Auge des mächtigen Hurrikans „Irma“ bahnt. Hinter dem Steuer sitzt Oberstleutnant Jim Hitterman, der in den vergangenen 22 Jahren bereits in das Innere von mehr als 40 Wirbelstürmen geflogen ist. Er vergleicht das Flugerlebnis mit einer Autowaschanlage. Allerdings würden zusätzlich noch eine ganze Reihe von Gorillas auf die Motorhaube springen, sagt Hitterman. Manchmal sei das Rütteln so stark, dass er die Steuerinstrumente nicht mehr sehen könne.

          Hitterman gehört den sogenannten Hurrikan-Jägern der amerikanischen Luftwaffe an. Sie sammeln Daten mitten aus dem Inneren verheerender Stürme. Ihre Informationen gelten als unverzichtbar. Satelliten kämen an diese Daten nicht heran, sagt der frühere Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC), Rick Knabb. „Nur, wenn man in den Hurrikan hineinkommt, erhält man exakte Messungen über seine Lage, Struktur und die maximalen Windgeschwindigkeiten.“

          Die meisten Flüge werden von Reservisten der amerikanischen Luftwaffe vorgenommen. So ist Hitterman in seinem normalen Alltag für Delta Airlines tätig und kehrt wie seine Kollegen nach wenigen Tagen oder Wochen, in denen er Stürme verfolgt, stets in seinen Job zurück.

          So sieht das Auge des Sturms „Irma“ von oben aus. Bilderstrecke

          Beim Flug durch „Irma“ begleitet den 49-Jährigen die Meteorologin Nicole Mitchell. Die Majorin ist eine erfahrene Wetterexpertin und arbeitet normalerweise fürs Fernsehen. Die Mutter eines acht Monate alten Babys schätzt an den Einsätzen als Hurrikan-Jägerin, dass mit Hilfe der Daten bessere Aussagen darüber getroffen werden können, wann und wo Menschen vor Stürmen in Sicherheit gebracht werden müssen. „Es ist Fakt, dass wir einen Unterschied machen.“

          Trotz der enormen Kräfte, die in einem Wirbelsturm wirken, haben die Hurrikan-Jäger eine hervorragende Statistik. In den vergangenen vier Jahrzehnten gab es nicht einen Absturz. Trotzdem sind die Flüge enorm gefährlich. Seit Beginn der Erkundungen 1943 stürzten sechs Maschinen ab und 53 Menschen starben.

          Auch der Flug ins Auge von „Irma“ gerät zu einer haarigen Angelegenheit. Innerhalb der Maschine wird die gesamte Ausrüstung durcheinandergewirbelt, die Notfallschirme schaukeln hin und her. Doch dann wird es auf einmal ruhiger. Es ist sogar möglich, die Anschnallgurte zu lösen. Als sich die Maschine direkt im Auge von „Irma“ befindet, bricht der Himmel auf, und aus dem Cockpit-Fenster ist der massive Wolkenwall des Hurrikans zu sehen.

          Experten sind der Meinung, dass eines Tages Drohnen die Aufgaben der Hurrikan-Jäger übernehmen können. Hitterman denkt, dass diese Zeiten noch „in weiter Ferne“ sind. Denn viele der Geräte an Bord seiner Maschine zur Aufzeichnung der meteorologischen Daten müssen manuell bedient werden. Dazu gehört auch, während des Fluges sogenannte Dropsonden abzuwerfen, die unter anderem den Luftdruck und Windgeschwindigkeiten messen. Bei dem „Irma“-Erkundungsflug fallen diese dann ungewöhnlich aus. Die technische Assistentin Karen Moore holt daraufhin einen Schraubenzieher hervor und repariert die kleinen Sonden noch während des Fluges – eine nach der anderen.

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