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Trauerfeier in Thailand : Abschied von den Halbgöttern

Unter der symbolischen „Urne“ wird ein Feuer entzündet: Bhumibol hatte sich gewünscht, in einem Sarg aufgebahrt zu werden. Dieser war wohl heimlich zum Krematorium gebracht worden. Bild: Reuters

Hunderttausende verfolgen die wohl 75 Millionen Euro teure Trauerfeier für den thailändischen König. Mit Bhumibols Nachfolger könnte die Monarchie im Land an Bedeutung verlieren.

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          In der Dunkelheit der Nacht strahlen die imposanten Türme des Krematoriums hell in den Himmel hinauf. Vor den Eingängen der Altstadt von Bangkok hat sich schon eine schier endlose Schlange schwarz gekleideter Menschen gebildet. Nur wer früh kommt, hat die Chance, einen Blick auf eine der wohl aufwendigsten Trauerfeiern zu werfen, die es je gegeben hat. Tausende haben sich schon auf dem Platz von Sanam Luang eingefunden. Sie sitzen artig in engen Reihen auf den Gehsteigen. Viele halten Bilder des vor mehr als einem Jahr verstorbenen Monarchen Bhumibol Adulyadej in ihren Händen oder haben sie sorgfältig vor sich auf den Boden gestellt. Als die Sonne höher steigt, nutzen einige von ihnen die Bilder, um sich vor den grellen Strahlen zu schützen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Vor der großen Prozession, die am Vormittag den Tag der Einäscherung einläuten soll, werden bis zur letzten Minute noch Zuschauer huschend an ihre Plätze auf den Gehsteigen geführt. Schwer mit Taschen bepackt, ist ihnen die teilweise lange Reise aus den Provinzen in die Hauptstadt anzusehen. Insgesamt sollen es mehr als 100000 Menschen allein auf diesem Feld gewesen sein. Dann kommt der Befehl, dass sich die Reporter erheben sollen. „Der König kommt“, flüstert eine Fotografin. Es nähert sich ein Korso aus mehreren Dutzend Luxuslimousinen. Auf der Rückbank eines beigefarbenen Oldtimers sind eine Frau und ein Mann in weißer Uniform zu sehen. Es sind der neue König Maha Vajiralongkorn und seine Ehefrau.

          Außer dem Knarzen der Funkgeräte der Sicherheitskräfte ist kein Ton zu hören. Die Zuschauer am Straßenrand verbeugen sich tief, manche halten ihre gefalteten Hände vor den Oberkörper. Doch sie sind heute nicht seinetwegen hergekommen. Die offizielle Krönung des mit 65 Jahren auch nicht mehr ganz so jungen Nachfolgers wird frühestens in den kommenden Wochen stattfinden. Die Thais sind hier, um sich von ihrem geliebten König zu verabschieden, der mit sieben Jahrzehnten so lange auf dem Thron saß wie kaum ein anderer Monarch auf der Welt. Am 13. Oktober des vergangenen Jahres war König Rama IX., wie er auch genannt wird, nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Bangkok gestorben.

          Der neue König nimmt Abschied: Ob Maha Vajiralongkorn in gleichem Maße von der Stilisierung seines Vaters zum Halbgott profitieren wird, ist derzeit noch nicht raus. Bilderstrecke
          Der neue König nimmt Abschied: Ob Maha Vajiralongkorn in gleichem Maße von der Stilisierung seines Vaters zum Halbgott profitieren wird, ist derzeit noch nicht raus. :

          Ein Jahr lang hatte Thailand seither Trauerfarben getragen, mehr als zwölf Millionen hatten sich persönlich von ihm verabschiedet. Neben den Tausenden am Sanam-Luang-Feld sind es am Donnerstag ebenfalls Millionen, die das Spektakel bei öffentlichen Live-Übertragungen im Fernsehen und im Internet verfolgen. Der Donnerstag war dafür extra zu einem nationalen Feiertag erklärt worden. „Wir haben drei Nächte hier verbracht, um einen Platz zu ergattern“, sagt ein Mann, der aus der Gegend der Touristenhochburg Pattaya angereist ist. Ein junges Paar aus Bangkok ist immerhin schon um zwei Uhr morgens hier gewesen. Die beiden halten mit ihren Emotionen nicht hinter dem Berg. „Wir dachten, nach einem Jahr hätten wir keine Tränen mehr übrig. Aber als wir hier ein Bild von ihm gesehen haben, mussten wir doch weinen“, sagt der Unternehmer Nattawat Methasatidsok.

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