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Behindertenheime in Indien : „Schlimmer dran als Tiere“

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach Hilfe: Eine Betroffene steht vor einer Organisation in Kalkutta, die behinderte Frauen unterstützt. Bild: dpa

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ hat untersucht, wie Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Indien leben. Das Ergebnis ist erschreckend.

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          „Schlechter behandelt als Tiere“ – so lautet der Titel einer aktuellen Studie zur Situation von Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Indien. Verfasser ist die internationale Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW), die den Bericht am Mittwoch in Delhi vorstellte. Demnach leiden viele Patientinnen unter Zwangseinweisungen und Misshandlungen. Sie würden in den Anstalten „entsorgt“, weil der Staat keine angemessene Hilfe bereitstelle, schreiben die Autoren.

          Für die Studie wurde vom Dezember 2012 bis zum November 2014 die Lage von mehr als 200 Frauen und Mädchen mit Behinderungen in sechs indischen Großstädten untersucht. Die Autoren interviewten Frauen, sprachen mit Pflegern und Familienangehörigen, aber auch mit den Behörden und der Polizei. In 24 Einrichtungen für psychisch Kranke und Krankenhäusern mit psychiatrischen Abteilungen konnten sich die HRW-Mitarbeiter ein Bild der Lage machen.

          Misshandlungen und Zwangstherapien

          Sie berichten von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch, Zwangstherapien mit Elektroschocks und willkürlichen Einweisungen in Krankenhäuser. Zudem herrschten in vielen Heimen untragbare hygienische Zustände. In allen Einrichtungen hätten die Patientinnen Läuse gehabt, oft fehle es an Toiletten, auf der Straße die Notdurft zu verrichten sei die Norm.

          Laut HRW gibt es in Indien keine offiziellen Zahlen über psychosoziale Störungen oder geistige Behinderungen. Eine Volkszählung von 2011 schätzte die Häufigkeit von Behinderungen aller Art auf 2,21 Prozent. Obwohl Frauen und Mädchen mit Behinderungen theoretisch Zugang zu Programmen für Gesundheitsvorsorge, Ausbildung und Rehabilitation hätten, würden sie in der Praxis jedoch oft nicht berücksichtigt, heißt es in dem Bericht. Indien hat 2007 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, laut Verfassung darf kein Staatsbürger – auch wenn er eine Behinderung hat – diskriminiert werden.

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