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Hollywood : Kein Herz für Tiere

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Als „Richard Parker“ war der Tiger „King“ Hauptdarsteller des Films „Life of Pi“. Bild: Twentieth Century Fox

Er war der Star des Films, doch beinahe hätte Tiger „King“ die Dreharbeiten zu „Life of Pi“ nicht überlebt. Die Organisation, die den artgerechten Umgang überwachen sollte, wusste laut „Hollywood Reporter“ von den Tierquälereien – und schwieg.

          Die „American Humane Association“ (AHA) verleiht Filmen seit Jahrzehnten das Siegel „No Animals Were Harmed“ („Keine Tiere kamen zu Schaden“) – auch dem Kassenschlager „Life of Pi“, der 2013 mit vier Oscars ausgezeichnet wurde. Nun hat die Fachzeitschrift „Hollywood Reporter“ enthüllt, dass die Organisation Tierquälereien reihenweise ignoriert.

          „Die eine Aufnahme mit King lief richtig schlecht und er ging unter, als er versuchte, zum Rand des Beckens zu schwimmen“, zitiert der „Hollywood Reporter“ aus einer E-Mail einer AHA-Mitarbeiterin, die den Film für überwachen sollte. „Verflucht, er ist fast ertrunken.“ Sein Trainer konnte ihn noch mit einem Seil an den Beckenrand ziehen und brachte den Tiger so in Sicherheit.

          Doch anstatt den Vorfall zu melden, schrieb Johnson in ihrer E-Mail: „Ich denke, das versteht sich von selbst, aber sag das niemandem, vor allem nicht dem Büro!“ Nach Angaben des „Hollywood Reporter“ hatte die AHA-Mitarbeiterin eine Beziehung mit einem ranghohen Mitarbeiter der Filmcrew.

          Auch bei den Dreharbeiten zu Peter Jacksons „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ sind laut „Hollywood Reporter“ 27 Tiere verendet. Ermittlungen wurden nie eingeleitet. Beim Dreh für den Abenteuerfilm „Antarctica“ mit Paul Walker in der Hauptrolle soll einem Husky mehrfach ins Zwerchfell geschlagen worden sein. Bei der Entstehung der Komödie „Zum Ausziehen verführt“ mit Sarah Jessica Parker und Matthew McConaughey wurde ein Streifenhörnchen zerquetscht und beim ersten Teil der „Fluch der Karibik“-Reihe wurden vielen Fischen die explosiven Spezialeffekte zum Verhängnis.

          Kritiker werfen der AHA vor, zu sehr mit der Filmindustrie verwoben zu sein. Die Nichtregierungsorganisation wird zu großen Teilen von den Lobbyverbänden Hollywoods finanziert. „Die ganze Idee, dass wir mit der Industrie kuscheln – das ist einfach nicht der Fall“, entgegnet der AHA-Direktor S. Kwane Stewart gegenüber dem „Hollywood Reporter“. „Wir wollen zu allererst die Sicherheit der Tiere garantieren.“

          Die Tierschutzorganisation PETA hält die Arbeit der „American Human Association“ generell für nutzlos. „AHA kontrolliert überhaupt nicht die Lebensbedingungen der Tiere abseits des Sets oder während des Trainings im Vorfeld der Produktion“, heißt es auf der PETA-Homepage. „Die Organisation erfasst, wenn überhaupt, nur selten offizielle Beschwerden, wenn Tiere falsch behandelt werden.“

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