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Hohlräume unterm Bahnhof Essen : Bis auf weiteres Schneckentempo

Blick in die Tiefe: Bohrungen am Montag am Hauptbahnhof Essen Bild: dpa

Die unter dem Essener Hauptbahnhof entdeckten Bergbaustollen werden mit Beton verfüllt. Trotzdem wird es weiter zu Verspätungen kommen - mit Auswirkungen auf den Bahnverkehr in ganz Deutschland.

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          Zumindest eine positive Nachricht konnte die zuständige Bergbaubehörde am Montag mitteilen: An den Gleisen im Essener Hauptbahnhof, unter denen Fachleute am Mittwochabend bei Probebohrungen in sechzehn Meter Tiefe auf ehemalige Bergbaustollen gestoßen waren, habe es „keinerlei Bewegung“ gegeben, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Die Tagesoberfläche sei stabil. Trotzdem wird es im Bahnverkehr auch in den kommenden Tagen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen, denn die nicht ordnungsgemäß verzeichneten Stollen sind offenbar größer als bislang angenommen. Bei abermaligen Bohrungen stießen die Fachleute auf weitere Hohlräume. Nahverkehrszüge dürfen die Stelle deshalb nach wie vor nur mit Schrittgeschwindigkeit überfahren oder müssen umgeleitet werden und verspäten sich um zehn bis fünfzehn Minuten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die meisten Fernzüge fahren nach wie vor die Hauptbahnhöfe von Mülheim an der Ruhr, Essen und Bochum nicht an – was Auswirkungen auf den Fahrplan in großen Teilen Deutschlands hat. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Sicherungs- und Verfüllarbeiten noch den ganzen Dezember andauern werden“, sagte Peter Hogrebe, Dezernent für Altbergbau der Bezirksregierung Arnsberg am Montag. Die Bahn AG wollte auch wegen der vielen Unwägbarkeiten am Montag keine Prognose abgeben.

          Zwar haben Arbeiter schon in der vergangenen Woche damit begonnen, die Hohlräume mit Beton zu verfüllen. Doch die Suche nach weiteren Stollen ist noch nicht abgeschlossen. Am Montag setzten die Fachleute ein drittes Bohrgerät ein, um möglichst zügig voranzukommen. Die Hohlräume befinden sich in insgesamt vier Flözen, in denen nach Einschätzung der Bezirksregierung im 19. Jahrhundert wild Kohle abgebaut wurde. An manchen Stellen des Ruhrgebiets trieben die Menschen auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch undokumentiert und ungeordnet Stollen zum Teil waagerecht in Hänge voran, um an Kohle zu gelangen.

          „Gerade in der Nachkriegszeit haben die Leute in ihrer Not Kohle aus Stollen geholt, die nur wenige Meter unter der Erdoberfläche entlangführen“, sagt ein Sprecher der Bezirksregierung. Wie umfangreich das unentdeckte Stollen-Netz ist, können selbst Bergbaufachleute nicht einschätzen. Rund 120.000 Pläne aus mehreren Jahrhunderten enthalten Hinweise. Anknüpfungspunkte sind auch sogenannte Tagesöffnungen, also Eingänge zu Stollen. Immer wieder stoßen Arbeiter aber auch bei Probebohrungen zufällig auf Hohlräume wie nun in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs. Dann werden umgehend die Bergbaufachleute der Bezirksregierung eingeschaltet.

          Seine mitunter buchstäblich wilde Bergbaugeschichte holt das das Ruhrgebiet, dessen Untergrund so durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse, nicht nur wegen des undokumentierten Kohleabbaus immer wieder ziemlich unsanft ein. 100 bis 120 Meldungen über sogenannte Tagesbrüche gehen bei der Bezirksregierung Arnsberg jedes Jahr ein. Meist ist die Erde nur um ein paar Zentimeter abgesackt, doch kommt es immer wieder auch zu größeren Zwischenfällen. Vor dreizehn Jahren tat sich in Bochum ein Krater auf, der bald den Namen „Wattenscheider Loch“ hatte. Auch in Bochum versuchten die Fachleute mit Beton zu stabilisieren. In dem Wohnviertel mussten allerdings dann doch einige Häuser aufgegeben werden.

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