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Hochzeit des Thronfolgers : Die Königin des Fernsehens

  • -Aktualisiert am

Fernsehjournalistin Letizia Ortiz Rocasolano Bild: AP

Hochzeit am spanischen Königshof: Kronprinz Felipe hat sich mit der Fernsehjournalistin Letizia Ortiz Rocasolano verlobt und will sie im kommenden Sommer heiraten. Für die Braut ist es die zweite Ehe.

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          Sie ist das schönste seriöse Gesicht im spanischen Fernsehen. Selbstbewußt, wortgewandt und kamerasicher wird Letizia Ortiz auch als künftige spanische Königin dem gleißenden Teil ihrer neuen Pflichten gewachsen sein.

          Nach dem einhelligen Beifall aus allen Ecken des demokratischen Königreichs zu urteilen, hat Prinz Felipe von Bourbon seine Braut gut gewählt. Der 35 Jahre alte Thronerbe und die 31 Jahre alte Journalistin, eine Bürgerliche, sind nicht nur in den Augen der enthusiasmierten iberischen Kommentatoren "ein Paar für das 21. Jahrhundert". Königlich erleichtert sind zunächst einmal die Eltern. Juan Carlos und Sofia - letztere feierte am Sonntag ihren 65. Geburtstag - mußten lange warten, bis ihr Jüngster eine ihnen uneingeschränkt akzeptabel erscheinende Freundin nach Hause brachte. Alle früheren diesbezüglichen Versuche des studierten Fachmanns für internationale Beziehungen (an der Washingtoner Georgetown-Universität), von einer amerikanischen Kommilitonin bis zu einem norwegischen Fotomodell, verursachten im Kreise anspruchsvoller Monarchisten bestenfalls Sodbrennen. Nun ist die Entscheidung aber gefallen - und sogar zugunsten einer Spanierin.

          Daß Letizia Ortiz schon einmal kurz verheiratet war, ist auch für den frisch ernannten Kardinal Antonio María Rouco Varela kein Grund zur Aufregung, war die Geschiedene doch "nur" standesamtlich getraut. Der Erzbischof von Madrid, der "zu Anfang des Sommers", wie es in der offiziellen Ankündigung des Königshauses heißt, in der Almudena-Kathedrale der Hauptstadt die kirchliche Trauung vornehmen wird, wurde neben Ministerpräsident Aznar, Parlamentspräsidentin Rudi und Oppositionsführer Zapatero am Wochenende als einer der ersten vom König informiert. Bei den Politikern verlangt es so die Verfassung. Zu dem Thema, daß die bald so zu nennende "Prinzessin von Asturien" sich vor drei Jahren von ihrem ersten Mann, einem Jugendfreund und Literaturprofessor, getrennt hatte, hat ein Sprecher des Hofes nur die spröde Replik: "Dabei handelt es sich um einen im heutigen Spanien ganz normalen Umstand."

          Noch wußte es niemand: Das Paar vor zwei Wochen bei einem offiziellen Termin
          Noch wußte es niemand: Das Paar vor zwei Wochen bei einem offiziellen Termin : Bild: dpa/dpaweb

          In aller Diskretion

          Die Versprochene des Prinzen von Asturien, der am Donnerstag im väterlichen Zarzuela-Palast formell um ihre Hand anhalten wird, stammt selbst aus Asturien. Die am 15. September 1972 in Oviedo geborene Journalistentochter traf dort noch vor zwei Wochen in professioneller Mission mit Felipe zusammen. Sie hatte für das spanische Fernsehen über die Verleihung der Prinz-von-Asturien-Preise, unter anderem an den deutschen Philosphen Habermas, zu berichten. Von jenem Zusammentreffen gibt es die bisher einzigen Bilder, auf denen das Paar gemeinsam zu sehen ist. Ein kurzer keuscher Handschlag verriet das Geheimnis nicht. Es war ein "Lewinsky-Moment", bei dem zwei wußten, was das große Publikum noch nicht wußte. Aber anders als bei der berühmten Szene im Rosengarten des Weißen Hauses, wo Präsident Clinton die Praktikantin mit der Baskenmütze umarmte, entbehrte die Begegnung in Oviedo aller Unschicklichkeit.

          Das gilt offenbar in jeder Hinsicht auch für die Frau, die Felipe vor einem Jahr bei Freunden kennen- und in den vergangenen Monaten bei aller Diskretion auch liebengelernt hat. Daß er nicht heiraten wolle, bevor er richtig "verliebt" sei, hatte der Prinz immer hartnäckig als eine von zwei Bedingungen genannt. Die andere war, daß seine Braut ihre Pflichten als Königin kennen müsse. Der "Fernsehkönigin", wie sie die Zeitung "El Mundo" in ihrer Sonntagsschlagzeile nannte, trauen nicht nur er und seine Eltern das zu, sondern auch das spanische Parlament. Die Cortes müssen zwar einer Ehe des Kronprinzen nicht zustimmen. Der König und das Parlament können aber, wenn ihnen die Erwählte nicht gefällt, den Prinzen von der Thronfolge ausschließen.

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