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Weiter viel Regen erwartet : Die Pegel im Süden Deutschlands steigen weiter

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter der Feuerwehr bergen Bewohner aus den vom Wasser eingeschlossenen Häusern in der überfluteten Altstadt des hessischen Büdingen. Bild: dpa

Schneeschmelze und anhaltender Regen treiben die Wasserstände der Flüsse nach oben. Nicht nur entlang der Donau wappnen sich die Städte gegen Hochwasser.

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          Der vielerorts heftige Regen der vergangenen Tage hält in weiten Teilen Deutschlands noch bis mindestens Mitte der Woche an. Vor allem im Süden und im Westen erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Dauerregen. Dabei fallen dort von Sonntag bis Mittwoch bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter, vom Saarland bis zum Hochrhein sowie im Allgäu sogar bis zu 60 Liter. In der Mitte und dem Norden geht der Regen in Schnee über. „Die Wasserstände an den Flüssen bleiben demnach auf hohem Niveau“, sagte ein DWD-Meteorologe am Samstag in Offenbach.

          In den vergangenen drei Tagen fielen laut DWD im Süden, Westen und der Mitte bis zu 50 Liter Regen auf den Quadratmeter. In Mittel- und Osthessen, der Eifel, im Schwarzwald und dem Allgäu waren es 50 bis 90 Liter. Zusammen mit der Schneeschmelze bis in die Hochlagen der Berge führte das vielerorts zu Hochwasser.

          Mann bei Karlsruhe aus den Fluten gerettet

          So sorgten hohe Wasserstände im Südwesten für überschwemmte Straßen und behinderten die Schifffahrt. Ein 35 Jahre alter Mann wurde am Freitagabend am Rheinufer in Eggenstein-Leopoldshafen (Landkreis Karlsruhe) vom Hochwasser überrascht, wie die Polizei mitteilte. Der Mann stand bis zur Hüfte im Wasser, konnte sich in der Dunkelheit nicht mehr selbst befreien und rief mit seinem Handy Hilfe. Rettungskräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Feuerwehr und Wasserschutzpolizei waren mit einem Hubschrauber und zwei Booten im Einsatz und konnten den 35-Jährigen unverletzt ins Trockene bringen. Ob der obdachlose Mann im Schlaf vom Wasser überrascht worden war, war zunächst unklar.

          Der Fluss Rotach tritt kurz vor der Mündung in den Bodensee über die Ufer.
          Der Fluss Rotach tritt kurz vor der Mündung in den Bodensee über die Ufer. : Bild: dpa

          Nur wenige Kilometer flussaufwärts wurde die Schifffahrt auf dem Rhein bei Karlsruhe eingestellt. Am Pegel Maxau wurde nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg der Wasserstand von 7,5 Metern in der Nacht zum Samstag überschritten. Am Samstagmorgen hatte der Rhein einen Wasserstand von mehr als 8 Metern. Die Experten rechnen damit, dass das Wasser in Maxau noch bis Samstagabend auf bis zu 8,30 Meter steigt.

          Daneben hatte das Tauwetter bis Samstagmorgen vor allem im Süden Baden-Württembergs für verbreitet hohe Wasserstände gesorgt. An vielen Orten stiegen die Pegel nach Angaben der HVZ auf einen Bereich, der statistisch gesehen einmal in zwei Jahren erreicht wird. In Meckenbeuren im Bodenseekreis stieg die Schussen auf beinahe 4,50 Meter, ein Wasserstand, der im statistischen Mittel nur alle 20 bis 50 Jahre vorkommt.

          Ein Mann läuft in Köln am Rhein entlang, der über einen Weg am Ufer schwappt.
          Ein Mann läuft in Köln am Rhein entlang, der über einen Weg am Ufer schwappt. : Bild: dpa

          Die Polizei berichtete von zahlreichen überschwemmten Straßen am Bodensee und in Oberschwaben. Besonders betroffen seien die Orte Friedrichshafen, Salem, Deggenhausertal und Meersburg. In Bad Wurzach wurde ein Abschnitt der Bundesstraße 465 komplett gesperrt.

          Auch Bayern bereitet sich auf Überschwemmungen vor

          In Bayern führt die Donau Hochwasser. Die Städte Regensburg, Straubing, Deggendorf und Passau bereiten sich deswegen auf mögliche Überschwemmungen vor. Größere Überflutungen in den Ortschaften wurden zunächst aber nicht erwartet. Der Hochwassernachrichtendienst Bayern warnte allerdings: „Für die Donauprognose bleibt aber die weitere Entwicklung an den Zuflüssen noch abzuwarten.“

          Um Wohnhäuser gegen das Hochwasser der Nidder zu schützen, schichten Feuerwehrleute im hessischen Lindheim Sandsäcke auf,
          Um Wohnhäuser gegen das Hochwasser der Nidder zu schützen, schichten Feuerwehrleute im hessischen Lindheim Sandsäcke auf, : Bild: dpa

          Zusätzlich müssen die Menschen in Bayern am Wochenende auch wieder in einigen Gegenden mit Glätte rechnen. Der Regen gehe vermehrt wieder in Schnee über, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Auch Sturmböen waren angekündigt. Für den Alpenrand gab es eine Unwetterwarnung. Bis Sonntag sollten sich dort die Wassermengen durch Regen und Schneeschmelze mitunter auf 100 bis 180 Liter pro Quadratmeter summieren.

          Am Freitag waren bereits in vielen Regionen kleine Bäche und Flüsse ausgeufert. Insbesondere in Unter- und Mittelfranken kam es zu Überschwemmungen. Die Hochwasserwarnstufen eins und zwei wurden häufig erreicht. Bei solchen Überflutungen werden zumeist aber nur Felder oder Straßen unter Wasser gesetzt. Mitunter stieg das Wasser aber auch über die Stufe drei oder vereinzelt sogar über die höchste Stufe vier.

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