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Hochwasser : Quecksilber und Schwermetalle in der Elbe nachgewiesen

  • Aktualisiert am

Flutkatastrophe: Welche Schadstoffe stecken im Elb-Wasser Bild: dpa

Wurden bereits in der Elbe abgelagerte Schadstoffe aufgewirbelt oder gelangten sie durch die Überflutung von Chemiewerken in den Fluss?

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          Im Hochwasser der Elbe sind auf deutscher Seite erhöhte Werte von Quecksilber und anderen Schwermetallen gemessen worden. Das teilte das Umweltministerium in Berlin am Freitag mit. Nach ersten Erkenntnissen stammen sie jedoch nicht aus dem überfluteten tschechischen Chemiewerk „Spolana“, hieß es. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach am Freitag von einer starken Belastung des Flusses bei Dresden.

          Die Bleikonzentration im Fluss zum Zeitpunkt der Überflutung der sächsischen Hauptstadt habe bis zum 220-fachen des Normalwertes betragen, teilte die Greenpeace in Hamburg mit. Somit habe die Elbe an einem Tag so viel Blei mit sich geführt wie sonst in einem Zeitraum von sieben Jahren. Auch die Belastung dieses Flussabschnittes mit anderen Schwermetallen wie Cadmium, Kupfer, Zink und Chrom seien an dem Tag erheblich erhöht gewesen. Die Messungen hätten zudem auf eine starke Belastung des Flutwassers mit Chemikalien, Öl und anderen organischen Substanzen hingewiesen. „Eine enorme Schadstofffracht wird im Moment den Fluss hinuntergespült. Das Leben in und an der Elbe wird mit diesen Schadstoffen schwer zu kämpfen haben“, sagt Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter.

          Prag: Keine Schadstoffe zu Beginn der Flut

          Die Prager Umweltltinspektion hatte am Donnerstag festgestellt, dass zu Beginn des Hochwassers keine Giftstoffe in die Elbe gespült wurden. Naturschützer und Anwohner der Fabrik im Ort Neratovice warfen der Unternehmensleitung vor, bewusst Informationen zu den Giftstoffen zu verschweigen.

          Deutsche Experten erklärten die erhöhten Schwermetallwerte in der Elbe damit, dass bereits im Fluss abgelagerte Schadstoffe durch das Hochwasser aufgewirbelt und flussabwärts transportiert würden. Ergebnisse der Dioxin-Untersuchungen liegen laut Ministerium noch nicht vor, werden aber kommende Woche erwartet.

          Chemiewerk: Schadstoffe in der Elbe möglich

          Im Chemiewerk beendete am Freitag eine Sondereinheit der Feuerwehr den Transport von giftigem Chlor in ein neues Lager. Das alte Depot drohte während der schweren Überschwemmungen in der vergangenen Woche ausgespült zu werden. Ein Sprecher von „Spolana“ hatte kürzlich eingeräumt, durch die Hochwasserkatastrophe könnte „eine bestimmte Menge“ Quecksilber und Dioxin in die Elbe gelangt sein. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte sich am vergangenen Dienstag in dem stillgelegten Teil der Fabrik ein Bild von der Lage gemacht.

          Mehrere Ortschaften in der Umgebung von Neratovice begannen mit einer Unterschriftensammlung gegen die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. Greenpeace warf der tschechischenTreuhandanstalt (FNM) vor, bewusst Informationen über das bei „Spolana“ lagernde Dioxin und Quecksilber zu verschweigen. Man habe gegen das Werk Anzeige wegen des Verdachts auf Gefährdung der Öffentlichkeit erstattet, sagte ein Sprecher. Nach Angaben von Greenpeace war ide Dioxin- und Quecksilberbelastung während der Überflutung des Werkes behördlichen Messungen zufolge stark erhöht.

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